Dienstag, 23. Dezember 2014

Jamies Quest: Aufgabe gesucht - Dominic und Cornelia Franke

Nicht jeder kann ein Held sein

Jamie ist das, was man einen Gamer nennt. Er zieht sich gerne zurück um in seiner Computerspielewelt abzutauchen, doch als er sein neues 3D-Spiel ausprobieren will, geschieht etwas Merkwürdiges: Er findet sich mitten im Spiel wieder und irrt in einem kleinen Wäldchen umher. Plötzlich wird Jamie von riesigen Spinnen verfolgt und kann sich nur mit Müh und Not in ein kleines Bauernhaus retten. Dort trifft er auf einen Jungen, der ihm ansatzweise erklären kann, was hier vor sich geht: Jamie ist wohl ein sogenannter Wanderer, der in Brior eine Aufgabe zu erfüllen hat…

Ich habe unglaublich lange gebraucht, um mich durch dieses Buch zu kämpfen. Ich mag die Ideen, die in der Geschichte stecken, ich mag Jamie und Hannes, doch trotzdem vermochte mich „Jamies Quest“ nicht zu fesseln. Ich habe es schnell wieder zur Seite gelegt, musste mich zwingen weiterzulesen. Mir fehlte in der Geschichte ein Spannungsbogen, der die Handlung vorangetrieben hätte. Irgendwie blieb das Erzähltempo immer gleich, es war zäh und ich habe verschiedene Satzkonstruktionen für mich in Gedanken umstellen müssen, damit der Text runder und stimmiger wird. Weitere Stolpersteine waren, gerade in der ersten Buchhälfte, abrupte Szenenwechsel, die Spannung erzeugen sollten, mich größtenteils aber nur völlig verwirrten. Ich denke, dass diese Fehler durch ein professionelles Lektorat einer dritten, völlig außenstehenden Person, vermeidbar gewesen wären. Ab der Hälfte wurde es aber besser und für mich besser lesbar.

Der Schreibstil des Autorenduos war eigentlich angenehm und nicht kompliziert. Jamie ließ immer wieder Gamer-Sprache einfließen, was aber für die heutige Genration keine Schwierigkeiten darstellen sollte. Brior ist sehr gut und bildlich beschrieben und ich hatte keine Probleme, mir diese Fantasy Welt vorzustellen. Die riesigen Spinnen (Tanteln), mit denen Jamie es das gesamte Buch über zu tun bekommt, haben mich allerdings sehr stark an die tolkienschen Spinnen aus dem Düsterwald erinnert. Leider habe ich den Spannungsbogen vermisst und obwohl es dramatische Situationen auch in der ersten Hälfte der Geschichte gab, kamen sie genauso monoton herüber, wie z.B. Jamie beim Schlafen zuzuschauen. Ab ca. der Mitte zog das Erzähltempo endlich an und ich konnte endlich an der Geschichte dranbleiben, ohne andauernd mit den Gedanken abzuschweifen.

Die Protagonisten riefen bei mir gemischte Gefühle hervor. Jamie und Hannes sind zwei Figuren, die ich sehr ins Herz geschlossen habe. Sie sind wunderbar ausgestaltet, haben ihre Stärken und Schwächen und handeln (meistens) nachvollziehbar. Toll fand ich, dass Jamie auch in Brior nicht zum Übermensch wird, nur weil er dort einen besonderen Satus als Wanderer hat, sondern genauso tollpatschig wie in seiner Welt ist. Er muss über sich hinaus wachsen, wenn er wieder nach Hause will. Hannes ist Jamies treuer Begleiter und hilft ihm oftmals aus der Patsche. Die restlichen Figuren sind leider sehr blass ausgefallen. Vor allem bei Grumdir fand ich es sehr schade, denn er hat doch einen relativ großen Part inne und konnte mich doch nicht überzeugen. Ihm fehlte einfach die Lebendigkeit, ich konnte keine Verbindung zu ihm aufbauen. Es ist nicht schlimm, wenn Figuren undurchsichtig sind, doch sie müssen glaubwürdig sein!

Das Cover des Taschenbuchs ist wirklich toll gestaltet. Man sieht Jamies Silhouette, in der Hand hält er seinen Kampfstab, wie er vor einer Horde wild gewordener Tanteln flieht. Das Cover ist in dunklem Grün gehalten, an den Ecken von goldgelben Ornamenten eingefasst.

Fazit: „Jamies Quest: Aufgabe gesucht“ von Dominic und Cornelia Franke strotzt nur vor guter und fantasievoller Ideen, doch die Umsetzung hat mir oftmals nicht so gut gefallen. Ich hätte mir ein sorgfältigeres Lektorat gewünscht und einen besseren Spannungsaufbau in der ersten Hälfte der Geschichte. Somit kann ich leider, leider nur zweieinhalb von fünf Sternen vergeben.



von Dominic und Cornelia Franke
Taschenbuch: 374 Seiten
Verlag: Cornelia Franke; Auflage: 1 (1. Oktober 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3000469354
ISBN-13: 978-3000469350
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren

Rezension vom 23.12.2014

Herzlichen Dank an Cornelia Franke für die Bereitstellung des Buches!

Kommentare:

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  2. Ich persönlich habe mir.das Buch gestern gekauft und heute beendet. Ich kann nicht nachvollziehen warum sie diesem Buch so eine schlechte Bewertung gegeben haben. Meiner Meinung nach waren der schreibstil und der Satzbau mit die besten die mir bis jetzt untergekommen sind. Außerdem empfand ich die Geschichte von dem zweiten Kapitel an sehr fesselnd. Meiner Meinung nach ist grumdir nicht unglaubwürdig. Man muss außerdem bedenken, dass dieses Buch nur den Beginn einer Buchreihe darstellt. Da kann man meiner Meinung nach noch nicht vollkommen ausgereifte charaktere getrost hinwegsehen. Ich würde dem Buch 4.5 von 5 Sternen geben. Natürlich ist das hier ihr Blog und damit ihre Meinung. Ich wollte nur meine auch Kund tun.

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