Mittwoch, 15. Oktober 2014

Skinned - Robin Wassermann

Wo endet die Menschlichkeit?

Lia Kahn ist 17 Jahre alt. Beliebt, reich und schön. Sie hat einen gutaussehenden Freund und alle tanzen nach Lias Pfeife. Doch dann verändert ein schwerer Autounfall alles: Lia stirbt fast und wacht im Krankenhaus wieder auf. Doch was ihr da im Spiegel entgegenblickt, ist nicht ihr entstelltes Gesicht, sondern ein makellos schönes. Alles an Lia ist nun makellos, sie wird nie wieder Schmerz empfinden, nicht altern und nicht sterben. Denn Lia steckt in einem künstlichen Körper, einem Roboter. Nicht nur dass Lia wieder sprechen und laufen lernen muss, alle ihre Freunde wenden sich von ihr ab. Sogar ihre Schwester Zo scheint sie zu hassen. Trotzdem versucht Lia normal weiterzumachen, bis sie sich in die Welt der „MechHeads“ wagt und beginnt, die Welt und die Menschen mit anderen Augen zu sehen…

Mich hat „Skinned“ überrascht und zwar mit Tiefgründigkeit und Glaubwürdigkeit. Robin Wassermann schafft hier ein Zukunftsszenario, das sich real anfühlt. Vielleicht wird es die Möglichkeit irgendwann mal geben, dass die Erinnerungen und die Persönlichkeit eines Menschen in einen künstlichen Körper downgeloadet werden können? Was ich ganz große klasse fand, war, dass das Buch die Themen Menschlichkeit und künstliche Intelligenz aufgreift, zwei wirklich schwere Themen, und diese so aufbereitet, dass ich, selbst wenn ich gerade nicht gelesen habe, darüber nachdenken musste. Ist Lia wirklich noch dieselbe Lia, die sie vor dem Download war? Inwiefern lässt die Programmierung der Maschine Lia noch einen freien Willen? War es Rechtens von ihrem Vater, diese Entscheidung einfach über ihren Kopf hinweg zu treffen? Ich bin sehr gespannt, wie diese Fragen in den Folgebänden aufgegriffen und beleuchtet werden und zu welchem Schluss Lia am Ende kommen wird.

Der Schreibstil der Autorin war unglaublich gut und leicht zu lesen. Sie hat die oben angesprochenen schwierigen Themen so verpackt, dass sie auch für Laien verständlich sind und gibt so den Anstoß, darüber nachzudenken. Das Buch hat keinen wirklichen Spannungsbogen, sondern die Ereignisse werden einfach aneinandergereiht, trotzdem konnte mich Wassermann mit Lias Geschichte bei der Stange halten. Hier liegt der Fokus auf etwas Anderem, als Action und Spannung.

Die Protagonisten sind sehr gut dargestellt. Großteils oberflächlich, was ausdrücklich so gewollt ist um Lias Charakter und Umgang vor dem Unfall zu verdeutlichen. Doch das großspurige Gehabe legt Lia schnell ab, als sie merkt, dass sich plötzlich alles nur noch um ihre Schwester und nicht mehr um sie dreht. Sie steht zwar immer noch im Mittelpunkt, aber anders, als sie es gewöhnt ist. Einzig Außenseiter Auden scheint hinter die Fassade des „MechHeads“ Lia zu schauen und gibt sich mit ihr ab. Er hilft ihr sogar, obwohl Lia am Anfang alles andere als nett zu Auden ist. Lias „Freunde“ sind oberflächlich und arrogant und ihre Schwester Zo ist eine nerv tötende Zicke. 

Der Schutzumschlag des Hardcovers ist meiner Meinung nach sehr schlicht, aber schön gestaltet. Es ist in dunklem Lila gehalten und mit schwarzen geometrischen Mustern durchwirkt. Der Titel und der Autorenname sind in einem hellen, fliederfarbenen Rechteck in der Mitte untergebracht. In der Mitte ist eine Schneeflocke abgebildet.

Fazit: „Skinned“ von Robin Wassermann ist ein ruhiger, aber aufwühlender Auftakt zu einer Trilogie. Das Jugendbuch hat mir sehr gut gefallen und mich nachdenklich zurückgelassen. Darum vergebe ich fünf von fünf Sternen und möchte es euch dringend weiterempfehlen!



von Robin Wassermann
Gebundene Ausgabe: 376 Seiten
Verlag: script5 (7. Januar 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839001064
ISBN-13: 978-3839001066
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren

Rezension vom 11.10.2014

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