Dienstag, 19. August 2014

Der Sommer der Freiheit - Heidi Rehn

Die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts

Sommer 1913: Selma verbringt die Sommerfrische wie jedes Jahr mit ihrer Familie in Baden-Baden. Sie genießt den letzten unbeschwerten Sommer im Hotel Bellevue und bei langen Autoausfahrten nach Frankreich und in den Schwarzwald. Bei einer Fahrt ins nahe gelegene Karlsruhe lernt sie die etwas jüngere Constanze kennen und fortan sind die beiden unzertrennlich. Gemeinsam lernen sie bei einem Ausflug ins Elsass den französischen Fotografen Robert kennen. Die Freundinnen verlieben sich beide in Robert, obwohl Selma seit einiger Zeit mit Gero verlobt ist. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist jedoch nicht mehr fern und Franzosen und Deutsche werden bald erbitterte Feinde sein…

„Der Sommer der Freiheit“ ist ein Historischer Roman, der in der Zeit des Ersten Weltkriegs spielt, dessen Ausbruch sich dieses Jahr zum 100. Mal jährt. Ich wollte sehr gerne, neben den ganzen Dokumentationen um Fernsehen, einen Roman lesen, der in dieser Zeit spielt, denn ich finde, das Thema Erster Weltkrieg wird in der Schule viel zu kurz und viel zu wenig behandelt, dabei handelt es sich bei diesem Krieg um die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Das Buch beginnt mit einer sehr unbeschwerten Zeit noch vor dem Ausbruch des Krieges in der Selma mit ihrer Familie für mehrere Wochen die Sommerfrische im prunkvollen Baden-Baden mit all seinen Bällen und Konzerten genießt. Der Roman spannt einen Bogen über den Kriegsausbruch, die schwierigen und entbehrungsreichen Kriegsjahre, bis hin ins Jahr 1920, in dem endlich wieder Frieden herrscht.

Der Schreibstil der Autorin war überaus angenehm und kurzweilig zu lesen. Mit viel Eleganz und Esprit erzählt Heidi Rehn von der prunkvollen und unbeschwerten Vorkriegszeit in Baden-Baden und Berlin, um nach Kriegsausbruch ernst und anschaulich über die Kriegsschrecken zu berichten. Der Stimmungswechsel war überaus passend und einfühlsam, so dass die Stimmung sehr gut auf mich übersprang. Eindrucksvoll erfasste sie die Situation und Stimmung in Berlin, weit weg von der Front, wo das Leben weiterging, während in den Schützengräben von Verdun die jungen Männer starben wie die Fliegen. Das Einzige, was ich ein wenig bemängeln kann, ist, die fehlende Spannung, doch dies macht das Buch mit seinen interessanten und vielfältigen Charakteren wieder wett.

Die Protagonisten waren alle für sich einzigartig. Selma, die naive junge Frau, die vor dem Krieg keine größeren Probleme kennt, als ihre Garderobe für den nächsten Ball, doch dann stellt eine Schwangerschaft und der Ausbruch des Krieges ihr Leben völlig auf den Kopf. Sie wächst an den Aufgaben und verändert sich zu einer starken Frau, die ihren Weg geht. Constanze, das Küken, ist eine bemerkenswerte junge Frau, die Ingenieurin werden will und in Berlin an der Uni studiert, um die Firma ihres Vaters übernehmen zu können. Die beiden Frauen verbindet eine innige Freundschaft. Robert, der französische Fotograf, ist ein Freigeist, der sich gerne mit Selma und Constanze umgibt. Grandios fand ich Selmas Großmutter Meta, die richtig fortschrittlich eingestellt ist.

Das Cover des Taschenbuchs gefällt mir ausgesprochen gut. Ich denke es ist die Fassade des Hotels Bellevue abgebildet und davor Selma mit ihrer Leidenschaft: Automobile. Die Farben sind ein wenig gedeckt, was die Stimmung gut wiederspiegelt. Ein sehr schönes und stimmungsvolles Cover, das hervorragend zur Geschichte passt.

Fazit: „Der Sommer der Freiheit“ von Heidi Rehn ist ein stimmungsvoller Historischer Roman, der in der Zeit des Ersten Weltkriegs angesiedelt ist und vor allem davon handelt, wie aus Freunden plötzlich Feinde wurden. Ich vergebe sehr gute vier von fünf Sternen!



von Heidi Rehn
Taschenbuch: 672 Seiten
Verlag: Knaur TB (1. Juli 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426512165
ISBN-13: 978-3426512166

Rezension vom 17.08.2014
Herzlichen Dank an die  für die Bereitstellung des Buches!

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