Donnerstag, 29. Mai 2014

So finster, so kalt - Diana Menschig

Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald…

Merle Hänssler ist eine erfolgreiche Rechtsanwältin und lebt in Hamburg. Eines Tages erhält sie einen Anruf ihres Freundes Björn aus Kindertagen, der Merle mitteilt, dass ihre Oma verstorben ist. Merle reist zur Beerdigung in den kleinen Ort im Schwarzwald, an dem sie ihre Kindertage verbracht hat und findet im Schwarzwaldhäuschen ihrer Oma ihren Nachlass: Eine Mappe, die ein Dokument enthält, das anscheinend eine früher Interpretation des Märchens von Hänsel und Gretel enthält. Doch es hat sich nicht alles so zugetragen, wie wir es aus dem Märchen kennen und die Ereignisse aus dem 16. Jahrhundert, die in dem Dokument beschrieben werden, scheinen sich bis in die Gegenwart auszuwirken…

Das Märchen von Hänsel und Gretel, die von ihrem Vater in den Wald geführt und dort ausgesetzt werden, kennt jeder von uns seit früherster Kindheit. Für mich war es immer unglaublich, dass Eltern ihren Kindern so etwas antun könnten, somit kommt mir diese Version des Märchens durchaus entgegen. Dass auch etwas Keltischer Glaube hineinspielen könnte, finde ich auch gar nicht so abwegig, schließlich waren die Kelten hier in Süddeutschland unsere Vorfahren auf die z.B. auch das Brauchtum des Osterfeuers zurückzuführen ist. Für mich hatten Märchen schon immer etwas Zauberhaftes an sich, allerdings im wahrsten Sinne des Wortes, geht es doch meistens um etwas Übernatürliches (Hexen, verzauberte Prinzessinnen und Tischlein, goldene Gänse, etc.). In „So finster, so kalt“ wird das Märchen „Hänsel und Gretel“, für mich zumindest, ganz neu interpretiert und zwar in einer düsteren Art und Weise, die mir unheimlich gut gefallen hat!

Der Schreibstil hat mir in diesem zweiten Werk der Autorin viel, viel besser gefallen, als in ihrem Debutroman „Hüter der Worte“. Wo die Sprache in ihrem Debutroman noch holprig und unbeholfen war, ist sie nun flüssig und geschliffen, man erkennt eine deutliche Steigerung, auch beim Spannungsaufbau. Der Spannungsbogen steigt nach einer kurzen Einleitung schnell an und bleibt dann über fast die ganze Zeit konstant hoch. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Die Protagonisten konnten mich von Beginn an überzeugen. Merle war mir gleich sehr sympathisch, obwohl ich sie gerade zu beginn gerne mal geschüttelt hätte. Aber daran merke ich immer, dass mir die Figur nicht egal ist und ich mit ihr fühle. Merle ist Anfang 40, erfolgreiche Anwältin in Hamburg mit tiefreichenden Wurzeln in einem Schwarzwälder Dorf, was sie aber gerne verdrängt. Merle beauftragt den Märchenwissenschaftler Jakob aus Freiburg damit, herauszufinden, ob das gefundene Dokument authentisch ist. Jakob war mir ein wenig suspekt, aber nett und sympathisch. Ich habe die ganze Zeit über mit dem Schlimmsten gerechnet, ob sich meine Ahnung bewahrheitet hat, müsst ihr allerdings selbst lesen.

Das Cover des Taschenbuchs hat mich gleich angesprochen. Es wirkt düster und unheilversprechend, wie dieses kleine Hexenhäuschen durch die Nebelschwaden hindurchschimmert von düsteren Tannen umgeben. Der Name der Autorin wird von Ornamente umrankt und der Buchtitel steht relativ nüchtern darunter. Mir gefällt dieses Cover sehr, sehr gut!

Fazit: „So finster, so kalt“ von Diana Menschig interpretiert „Hänsel und Gretel“ ganz neu und stellt eine unheimliche Steigerung zu ihrem ersten Buch“ Hüter der Worte“ dar, was das Erzählerische und den Spannungsaufbau angeht. Ich konnte diesen Mystery-Thriller kaum aus der Hand legen und vergebe deshalb sehr gute viereinhalb von fünf Sternen!



Diana Menschig
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Knaur TB (1. April 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426514931
ISBN-13: 978-3426514931

Rezension vom 28.05.2014
Herzlichen Dank an die  für die Bereitstellung dieses Buches!

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