Montag, 5. Mai 2014

Roter Mond - Benjamin Percy

Life with werewolfes

Patrick ist unterwegs zu seiner Mutter, weil sein Vater in den Kriegsdienst in die Republik einberufen wurde. Er sitzt in einem der drei Flugzeuge, die einem Terroranschlag der Widerstandsbewegung der Lykaner zum Opfer fallen. Er überlebt als einziger das Massaker und wird von den Medien als der „Wunderjunge“ hochgejubelt. Dabei will der Teenager sich doch nur an seiner neuen Schule einleben und Freunde finden. Lykanerin Claire wird ebenfalls Opfer der Anschläge, denn im Zuge der darauf folgenden Razzien wird ihre Familie von Regierungsvertretern eliminiert. Nur Claire kann entkommen und irrt einige Wochen verloren durch die USA, bis sie endlich herausfindet, wo sie hin kann. Chaise Williams nutzt die Terroranschläge für seine Wahlkampagne, in der er den Bürgern verspricht, gegen die Lykaner vorzugehen, doch dann wird er selbst gebissen…

Was wäre wenn die Welt von Werwölfen besiedelt wäre? Wie hätte sich die Gesellschaft entwickelt? Benjamin Percy hat seine Version von einer Welt konstruiert, in der es die Krankheit, die Menschen in Werwölfe verwandelt, schon immer gegeben hat. Die Lykaner leben, meist unerkannt mit den gesunden Menschen zusammen. Sie müssen jedoch ein Medikament namens Volpex einnehmen, das ihren inneren Wolf in Schach hält, sie aber benebelt und abstumpft, und sich auch regelmäßigen Bluttests unterwerfen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Republik gegründet, ein eigener Staat, der nur von Lykanern bewohnt wird und der als Zufluchtsort für Lykaner aus allen Ländern der Erde dient. Die USA kontrolliert die Republik allerdings mit ihren Streitkräften.

„Roter Mond“ ist kein einfaches Buch, denn hier ist nicht einfach alles schwarz oder weiß, gut oder böse, sondern man versinkt in allen nur erdenklichen Grauschattierungen. Nichts ist einfach nur gut oder böse, sondern es sind immer beide Seiten der Medaille zu betrachten. Ja, Terror ist verwerflich, aber die Lykaner versuchen dadurch die Diskriminierungen von Seitens der US-Regierung abzuschütteln, sie versuchen gehört zu werden, als Menschen und nicht als Bestien, die sie eigentlich nicht sind. Ich war immer hin- und hergerissen, ich wollte auf beiden Seiten stehen, ich habe beide Seiten verstehen können und dies beweist die Klasse, die der Autor hat!

Der Schreibstil war für mich absolut toll zu lesen. Zu beginn wurde man mitten ins Geschehen geworfen und man braucht ein wenig, um in die Geschichte reinzukommen, doch schon bald erhält man die ersten Erklärungen. Allerdings nie sonderlich viele auf einmal, sondern eher häppchenweise. So blieb die, sowieso schon spannende Story, immer interessant. Spannend war es von Beginn an und die Spannungskurve wurde auch kontinuierlich hoch gehalten. Das Buch ist unterteilt in drei Bücher, zwischen denen immer ein Zeitsprung von mehreren Monaten stattfindet, die Geschichte selbst aber fortgeführt wird. Zu Beginn habe ich den roten Faden gesucht, doch wenn man ihn mal gefunden hat, dann ergibt alles plötzlich einen Sinn. Ich habe schon länger kein solch gut geschriebenes, intelligentes und spannendes Buch gelesen!

Die Protagonisten haben mir durchweg sehr gut gefallen. Patrick war gleich von Anfang an sympathisch, ebenso Claire, die Lykanerin. Beide sind Teenager, die ihren Platz in der Welt suchen und deren Wege sich kreuzen, aber wieder auseinander driften. Chase Williams ist auf seine Weise auch ein starker Charakter und ich konnte seine Handlungen sogar nachvollziehen, auch wenn ich dies nicht gutheißen konnte. Es gibt noch einige tolle Nebenfiguren und Nebenschauplätze, die den Roman zu etwas Besonderem machen.

Der Schutzumschlag des Hardcovers mit Lesebändchen ist recht schlicht gestaltet. Man sieht einen großen, dreigliedrigen roten Mond vor einem schwarzen Hintergrund. Dies hat sicherlich etwas mit den drei Büchern, bzw. den drei Phasen des lykanischen Freiheitskampfes zu tun. So betrachtet passt das Cover sehr gut, doch es hätte niemals meine Aufmerksamkeit im Laden erregt, geschweige denn mir suggeriert, dass solch ein geniales Buch darunter steckt.

Fazit: „Roter Mond“ von Benjamin Percy zeichnet ein Abbild unserer Gesellschaft, nur dass hier Werwölfe im Mittelpunkt stehen. Es ist ein sehr spannendes Buch mit einem intelligenten Plot und ganz tollen Charakteren. Hier ist niemals etwas nur schwarz oder weiß, sondern man muss mit sich selber und den eigenen Moralvorstellungen ausmachen, wo man die Grenze zwischen Gut und Böse zieht. Ich hoffe auf einen ebenso hochkarätigen Folgeband und vergebe absolut verdiente fünf von fünf Sternen!



von Benjamin Percy
Gebundene Ausgabe: 640 Seiten
Verlag: Penhaligon Verlag (24. März 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3764531231
ISBN-13: 978-3764531232
Originaltitel: Red Moon

Rezension vom 26.04.2014


Herzlichen Dank an und den 
Verlag für die Bereitstellung dieses fantastischen Buches!

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