Mittwoch, 9. April 2014

Dorn - Thilo Corzilius

Ein einst mächtiges Reich am Abgrund

Markgraf Deckard von Falkenbergs Ruhe auf seiner Burg wird an einem Tag gleich dreifach gestört: Erst kommt ein Bote aus der Hauptstadt des Ehernen Reiches, der ihn zum Konklave bittet, da der König verstorben ist. Dann findet er ein zitterndes Elbenmädchen auf seiner Schwelle, das ihn um Schutz bittet und zu guter Letzt wird er des Nachts in seinem Bett von einem Söldner und Meuchelmörder überfallen, der nach Elbin Lia sucht, die wohl etwas zu verbergen hat. Trotzdem bricht Deckard zusammen mit Lia und einer kleinen Gruppe nach Anselieth auf, wo der neue König gewählt werden soll. Doch da beginnen die Probleme und das große Abenteuer erst richtig, denn der Fortbestand des Ehernen Reiches steht auf dem Spiel…

Mit „Dorn“ hat Thilo Corzilius etwas geschaffen, was die meisten Autoren heute nicht mehr schreiben: Einen Einzelband, nach dem Deckards Geschichte abgeschlossen ist. Dies ist unglaublich wohltuend neben den ganzen Reihen und Trilogien. Obwohl ein Einzelband, ist die Geschichte ausgereift, die Figuren haben genug Raum sich zu entwickeln und das Ende ist absolut zufriedenstellend. Man merkt, dass „Dorn“ ein Herzensprojekt des Autors ist, denn er hat viel kreative Energie in die Entwicklung der Fantasy Welt Dorn gesteckt, inklusive Schöpfungsmythen verschiedener Völker und einer Landkarte, mit Hilfe derer man den Weg des Markgrafen verfolgen kann. 

Der Schreibstil ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ich hatte keine Probleme in die Geschichte einzusteigen. Im Präludium, den Zwischenspielen und dem Postludium finden wir einen auktorialen Erzähler, die eigentliche Geschichte an sich wird allerdings von Deckard selbst als Ich-Erzähler erzählt. Dies fand ich erst ein wenig befremdlich, doch da Deckard das Erlebte Revue passieren lässt, erhält man viel mehr Informationen als es der Fall wäre, wenn die Handlung in der Gegenwart angesetzt wäre. Somit konnte ich mich auch mit dem Ich-Erzähler in der High-Fantasy arrangieren. Spannend war es fast die ganze Zeit über und ich wollte wirklich immer wissen, wie es unseren Protagonisten weiter ergeht.

Die Protagonisten waren schön ausgearbeitet. Manchmal hätte ich mir ein wenig mehr Tiefe und Facettenreichtum gerade bei Deckard gewünscht, denn unser Held ist ein wahrer Gutmensch, der oft mit sich hadert und es Allen Recht machen will. Außerdem kann er nicht sonderlich gut mit seiner Verantwortung umgehen, das hat mich nach einiger Zeit ein wenig genervt. Lia ist die exotische Elbin, die anders denkt und fühlt als die Menschen. Gut finde ich, dass Elben in diesem Buch nicht die Rolle der glorreichen Lichtgestalten innehaben, sondern verachtet werden, dass es einfach mal etwas anders ist als sonst. Außerdem gibt es noch eine ganze Reihe interessanter Nebencharaktere, die das Buch zu dem machen, was es ist: spannend und humorvoll.

Das Cover hat mich von Anfang an beeindruckt. Es ist in hellen Gelbtönen gehalten und wirkt auf den ersten Blick sehr freundlich. Der Titel ist in roten, dicken Lettern und Spotlackoptik in der Mitte aufgebracht, von Dornen umrankt. Am unteren Bildrand sieht man die dunkle Silhouette einer Stadt, Gesteinsformationen und einen Ritter mit Lanze. Es gefällt mir insgesamt sehr gut!

Fazit: „Dorn“ von Thilo Corzilius ist eine schöne, spannende aber auch leichte High-Fantasy Lektüre, die vor allem dadurch beeindruckt, dass es ein in sich abgeschlossener Einzelband ist. Ich konnte in die Welt von Dorn eintauchen und hatte einige schöne Lesestunden zusammen mit Markgraf Deckard und seinen Freunden. Ich kann das Buch guten Gewissens allen Fantasy Lesern weiterempfehlen und vergebe vier von fünf Sternen!



von Thilo Corzilius
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (10. Dezember 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492269427
ISBN-13: 978-3492269421

Rezension vom 05.04.2014
Herzlichen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Buches!

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