Sonntag, 9. Februar 2014

Die Erben von Atlantis - Kevin Emerson

Kiemen, UV-Strahlung und Atlanter

Owen Parker hat das Glück für ein Feriencamp ausgelost worden zu sein, das unter einer der großen Kuppel der Eden-Corporation liegt. Owen lebt mit seinem Vater im Hub in Yellowstone unter der Erde seit die Erdoberfläche aufgrund der stark angestiegenen UV-Strahlung nahezu unbewohnbar geworden ist. Unter den Kuppeln ist aber ein fast unbeschwertes Leben möglich. Kurz nachdem Owen in Eden West angekommen ist, ertrinkt er fast bei einer Schwimmprüfung, aber nur fast, denn plötzlich entwickeln sich Kiemen an seinem Hals und er entdeckt weitere merkwürdige Dinge, die in Camp Eden geschehen. Zusammen mit Junior-Betreuerin Lilly geht er der Sache auf den Grund.

Ich fand den Klappentext recht spannend und vielversprechend und ich habe eine interessante Atlanter-Abenteuer-Fantasy-Geschichte erwartet. Doch die Kurzbeschreibung ist in diesem Fall etwas irreführend, denn hauptsächlich erhält man hier eine Feriencamp-Geschichte mit Streitereien und Rivalitäten zwischen den einzelnen Camp-Gruppen, Aktivitäten, wie sie in jedem Ferienlager an der Tagesordnung stehen und regelmäßig Szenen aus der Speisesaalhütte. Das Szenario an sich, dass die UV-Strahlung das Leben an der Erdoberfläche fast unmöglich gemacht und der Planet sich in eine staubtrockene Wüste verwandelt hat, finde ich sehr gut durchdacht und glaubwürdig. Es ist nur noch wenig Landmasse übrig, nachdem die Polkappen abgeschmolzen und der Meeresspiegel stark angestiegen ist. 

Der Schreibstil ist angenehm und einfach zu lesen. Ich habe mich eigentlich recht schnell in die Geschichte einfinden können und Owen durch seine ersten Tage im Camp Eden begleitet. Doch eine Frage drängte sich mir immer wieder in den Vordergrund: Was ist mit unserer Erde genau passiert? Hier wird man nur häppchenweise mit Informationen gefüttert, aber genau das sind die Aspekte, die mich an solchen Endzeitszenarien besonders interessieren und über die ich unbedingt so viel wie möglich erfahren will. Anfänglich fand ich das Camp Leben noch interessant, aber streckenweise wurde es einfach langweilig mitanzusehen, wie sich die Jungen- und Mädchengruppen gegenseitig foppen. Es kommt auch erst recht spät Spannung auf, meiner Meinung nach zu spät um den jugendlichen Leser an die Seiten zu fesseln. Trotzdem gibt es auch spannende und interessante Aspekte, gerade was Owens atlantisches Erbe angeht, welches aber auch viel zu spät endlich auftaucht.

Owen Parker ist ein sympathischer Hauptprotagonist. Er ist nicht so cool wie die Kinder und Jugendlichen, die ihr ganzes Leben in Eden West verbracht haben. Doch er schlägt sich wacker und versucht sich auch nichts daraus zu machen, wenn er von ihnen gemobbt wird. Natürlich wird Owen in tiefste Verwirrung gestürzt, als ihm plötzlich Kiemen wachsen, zusätzlich zu seiner aufkeimenden Verliebtheit Lilly gegenüber. Lilly ist das hübscheste Mädchen in Camp Eden und schenkt Owen ihre Aufmerksamkeit, was dieser gar nicht nachvollziehen kann, denn alle Jungs wollen von Juniorbetreuerin Lilly beachtet werden. Sie ist aber nicht nur hübsch, sondern auch tough und kritisiert die Eden Corporation, was ihre Betreuer-Freunde nicht nachvollziehen können. Allerdings hat mich die Liebesgeschichte zwischen den beiden kaum berührt. Mir war es schlichtweg egal, ob sie nun zusammenkommen oder nicht, dafür waren die Figuren emotional zu platt angelegt. Leech ist der Böse und Anführer in Owens Camp-Gruppe. Aber er ist mir zu durchschnittlich geraten, hier hätte auch etwas mehr Tiefgang gutgetan.

Das Cover des Taschenbuchs fand ich von Beginn an interessant. Es ist in auffallendem Rot gehalten und es sind Wasserblasen darauf zu sehen. In der größten Wasserblase ist ein schemenhafter Mensch abgebildet. Das Cover macht auf jeden Fall einiges her und passt auch gut zum Setting, in dem das Buch angesiedelt ist.

Fazit: „Die Erben von Atlantis“ von Kevin Emerson verspricht viel, hält aber nur die Hälfte davon auch wirklich ein. Man erhält hier hauptsächlich eine Feriencamp-Geschichte in einer dystopischen Umgebung, mit einer Prise Mythos von Atlantis. Wäre das „Vorgeplänkel“ nicht so ausufernd, wäre es ein richtig interessanter und spannender Jugendroman. Aber so verfällt die Geschichte streckenweise in Langatmigkeit. Zum Ende hin wird es aber spannend und die Fortsetzung dürfte auch besser werden, zumindest, was die Ausgangslage anbelangt. Ich vergebe somit 3,5 von fünf Sternen.



von Kevin Emerson
Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (9. Dezember 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453315286
ISBN-13: 978-3453315280
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren

Rezension 08.02.2014

Herzlichen Dank an für die Bereitstellung des Buches!

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