Montag, 27. Januar 2014

Mord im Tiergarten - Tim Pieper

Otto Sanftlebens zweiter Fall

Einige Jahre sind seit dem letzten aufsehenerregenden Fall des Kriminologen Dr. Otto Sanftleben und der Meisterschaftsfahrt von Deutschland vergangen und Otto ist ein wenig bequem geworden. Doch ein grausamer Leichenfund im Berliner Tiergarten ruft seine kriminologischen Fähigkeiten wieder auf den Plan und er hilft der Berliner Polizei bei den Ermittlungen. Ein erster Verdächtiger wird mit Wilhelm Maharero verhaftet und Otto mit der Befragung des Afrikaners beauftragt. Gleichzeitig lässt sich Otto von einem Professor zu einer Segelregatta herausfordern, obwohl weder er noch sein Leibdiener Moses, der wüste Beleidigungen bezüglich seiner Hautfarbe über sich ergehen lassen musste, jemals zuvor gesegelt sind. Dies und die Mordermittlungen halten Otto nun gehörig auf Trab!

Auch der zweite historische Kriminalfall des Kriminologen Dr. Otto Sanftleben hat mich positiv überrascht und er hat mir sogar besser gefallen als „Mord unter der Linden“. Zuerst war ich verwundert, dass mehrere Jahre zwischen den beiden Fällen liegen. Falls dies so weitergehen sollte, hat Otto leider nicht mehr so viele Fälle vor sich! Was mir an diesem Kriminalfall besonders gut gefallen hat war die Tatsache, dass ich bis ganz zum Schluss nicht den blassesten Schimmer hatte, wer denn der Mörder ist. Ich habe gerätselt, sämtliche Haupt- und Nebencharaktere verdächtigt und bin bis zur Auflösung einfach nicht dahinter gekommen. Den Handlungsnebenstrang um die Segelregatta mochte ich auch unheimlich gerne, er lockert den Kriminalfall sehr schön auf und bringt mir die nötige leichte Unterhaltung.

Der Schreibstil des Autors ist für mich einer der Besten den ich kenne. Schon vom ersten Satz an, fühlt es sich für mich einfach richtig an, als würde ich mir einen für mich maßgeschneiderten Mantel umlegen und darin versinken. Der Schreibstil birgt genau die richtige Mischung an Ausgereiftheit und Leichtigkeit für mich, so dass ich mich sofort mitten in der Geschichte wiedergefunden und wohlgefühlt habe. Tim Pieper versteht es dem Leser die Stadt Berlin Ende des 19. Jahrhunderts näher zu bringen und uns schöne kleine Details zu erfreuen. Spannend war es für mich vor allem in der zweiten Hälfte des Buches, als ich unbedingt herausfinden wollte, wer die grausamen Morde begangen hat.

Die Charaktere waren zum Teil schon aus „Mord unter den Linden“ bekannt, wie unser Hauptprotagonist und Kriminologe Dr. Otto Sanftleben. Der gute Mann ist ein wenig bequem geworden seit er keine Fahrradrennen mehr fährt, doch sein Verstand ist genauso scharf und wach wie eh und jäh. Ich liebe seine Gedankengänge und wie er seinen schwarzen Leibdiener Moses behandelt. Moses ist ihm eher ein Sohn als ein Diener und Otto fühlt sich bei rassistischen Äußerungen Moses gegenüber persönlich beleidigt. Natürlich ist auch der exzentrische Commissarius Funke mit von der Partie, denn er bittet Otto um Hilfe bei der Aufklärung des Tiergarten-Mordes.

Das Cover ist im Stil des ersten Teils gestaltet, doch mir gefällt es, wie auch die Geschichte, besser, als das des ersten Bandes. Zu sehen ist die Siegessäule und der Tiergarten in Berlin als Photochrom. Es ist auf jeden Fall sehr passend gewählt und unterstützt die Geschichte.

Fazit: Auch der zweite Fall des Dr. Otto Sanftleben führt uns nach Berlin Ende des 19. Jahrhunderts. „Mord im Tiergarten“ ist ein spannender, undurchsichtiger Kriminalroman, der die Spannung bis zum Schluss halten kann und sich stark mit den Themen Rassismus und Antisemitismus beschäftigt. Mich hat dieser Historische Kriminalroman vor allem wieder durch seinen charismatischen Protagonisten begeistert und ich bin gespannt, welchen Fall Otto Sanftleben als Nächstes aufklären wird! Ich vergebe tolle fünf von fünf Sternen und meine absolute Leseempfehlung!



von Tim Pieper
Broschiert: 256 Seiten
Verlag: Emons (10. Oktober 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3954511789
ISBN-13: 978-3954511785

Rezension vom 27.01.2014

Mein herzlicher Dank gilt Tim Pieper, der mir das Buch freundlicherweise hat zukommen lassen!

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