Samstag, 30. November 2013

Die Feuer von Troia - Marion Zimmer Bradley

Die Griechische Sage um den Trojanischen Krieg einmal anders

Die Geburt der Zwillinge von Königin Hekabe steht unter keinem guten Stern. In einem schlimmen Traum sieht sie voraus, dass ihr ungeborener Sohn für den Untergang Troias verantwortlich sein würde. König Priamos von Troia bestimmt, dass Paris vor den Toren seiner Heimat als Ziegenhirte aufwachsen soll. Die Zwillingsschwester darf Hekabe behalten und tauft sie auf den Namen Kassandra. Doch natürlich nützt dies alles nichts und Paris bricht den Trojanischen Krieg vom Zaun nachdem er Jahre später seine königliche Herkunft entdeckt und die schöne Helena aus Griechenland entführt hat. Kassandra wächst unterdessen behütet im königlichen Palast auf und wendet sich aufgrund ihrer Sehergabe einem Leben als Apollon Priesterin zu. Doch die Zukunft Troias ist besiegelt…

Marion Zimmer Bradley ist eine einmalige Erzählerin und sie hat mich mit „Die Nebel von Avalon“, in dem sie die Artussage aus Morgaines Sicht neu erzählt total in ihren Bann geschlagen. In „Die Feuer von Troia“ versucht sie dieses Konzept nochmals anzuwenden, indem sie eine altbekannte Sage aus der Perspektive von Kassandra der Seherin und Priesterin, neu auflegt. Leider hat sie mich mit diesem Buch nicht so richtig überzeugen können, obwohl erzählerisch alles stimmt. Die Kulisse an sich ist spannend, aber man merkt einfach, dass Marion Zimmer Bradley in der keltischen Mythologie zu Hause ist und nicht in der Griechischen. Was in „Die Nebel von Avalon“ absolut stimmig ist, wirkt hier konstruiert und zusammengeschustert. Damit meine ich vor allem den religiösen Part, den Frauenkult, der hier auch angesprochen wird und der natürlich von den männlichen Göttern, bzw. den Männern, ausgelöscht wird.

Der Schreibstil an sich ist absolut einwandfrei und flüssig zu lesen. Marion Zimmer Bradley ist für mich eine der besten Erzählerinnen des letzten Jahrhunderts und das merkt man natürlich auch in diesem Buch. Es wird niemals langweilig, die Geschichte zu verfolgen, ihre Worte zu lesen und alles zu einem großen Ganzen zusammenfließen zu lassen. Was mir aber hier absolut gefehlt hat waren die wunderbaren erotischen Szenen, die man von „Den Nebeln“ kennt. MZB hatte die Begabung solche Szenen mit einer natürlichen Erotik einzuweben, so dass sie absolut passend und stimmig wirken und niemals obszön oder etwa too much. Auf solche Szenen muss man in „Due Feuer von Troia“ fast gänzlich verzichten, was ich überaus schade finde!

Die Protagonisten waren mein großen Problem, das ich mit diesem Buch hatte. Ich hatte Schwierigkeiten mich so richtig in Protagonistin Kassandra hineinzuversetzen und ihre Gefühle und Ängste zu meinen zu machen. Zumindest zu Beginn der Geschichte konnte sie mich noch mitnehmen zu ihren Abenteuern bei den Amazonen oder in die Stadt Kolchis. Aber immer wenn Kassandra in Troia ist, geht sie unter in einem Meer von anderen blassen Figuren, wie König Priamos, den Helden, Hector, Paris oder Aeneas, denen als Gegner bekannte Namen wie Menelaos, Agamemnon, Odysseus oder Achilleus entgegenstehen. Von den Männern kommt Aeneas noch am besten weg, er ist der sympathischste von Allen, während Hector manchmal ein aufgeblasener Gockel oder Paris ein intoleranter Blödmann ist. Die interessante Figur Achilles wird zum mordlüsternen Monster degradiert, wobei ich nicht glaube, dass ihm das gerecht wird.

Der Schutzumschlag des gebundenen Buches ist sehr düster gehalten. Man sieht Kassandra mit ihren Schlangen in düsterer Nacht vor den brennenden Mauern von Troia stehen. Es passt sehr gut, ist mir aber ein wenig zu dunkel.

Fazit: Leider, leider konnte mich meine Lieblingsautorin Marion Zimmer Bradley mit „Die Feuer von Troia“ nicht vom Hocker hauen und ich habe mich stellenweise ein wenig durch das Buch gequält. Wer noch nichts von der Autorin gelesen hat, der sollte lieber zu „Die Nebel von Avalon“ oder „Das Licht von Atlantis“, sowie den weiteren Bänden aus der Avalon-Saga greifen! Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen!



von Marion Zimmer Bradley
Nur noch erhältlich als:
Taschenbuch: 656 Seiten
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag; Auflage: 14 (24. Oktober 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596102871
ISBN-13: 978-3596102877

Rezension vom 30.11.2013

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