Sonntag, 10. November 2013

Das Buch ohne Namen - Anonymus

Schräg, schräger am Schrägsten

Die amerikanische Kleinstadt Santa Mondega ist alles andere als gewöhnlich: Zwielichtige Gestalten bevölkern ihre Straßen und in den Bars tummelt sich das Gesindel, der Abschaum der Menschheit. Auf jeden Einwohner kommen mindestens zwei Waffen und diese sind schneller gezückt, als man Tapioca Bar sagen kann. Miles Jenson, ein Detective, wird nach Santa Mondega geschickt um dort eine ungewöhnliche Mordserie aufzuklären. Ihm wird Detective Somers zur Seite gestellt, ein pensionierter einheimischer Cop, der total besessen von Bourbon Kid ist, ein Massenmörder, der vor fünf Jahren in der Stadt für ein wahres Blutbad gesorgt hat. Nun scheint Bourbon Kid zurück zu sein und eine Sonnenfinsternis steht kurz bevor...

„Das Buch ohne Namen“ war ein wahrer Bücherregalhüter bei mir, ich hatte es damals gekauft, weil es versprach anders zu sein als die anderen Bücher. Und das ist es tatsächlich. Es ist total anders, es ist schräg, blutig, eben wie ein Film von Quentin Tarantino, nur in Buchform und es ist ein Western! Hauptschauplatz ist eigentlich die Tapioca Bar, denn dort treffen sich die Gangster und Nichtgangster um eine ganze Menge Blut zu vergießen. Die Bösen suchen nach einem geheimnisvollen blauen Stein, der angeblich magische Kräfte besitzen soll und die Guten versuchen eine kranke Mordserie aufzuklären, die irgendetwas mit einem Buch zu tun hat. Außerdem vervollständigen zwei Mönche das Gesamtbild, das sich einem da bietet, die ganz schön etwas auf dem Kasten haben und trotzdem furchtbar unbedarft sind. Dies ergibt ein selten schräges Portfolio an Figuren und Schauplätzen. Es war für mich schon fast zu schräg.

Der Schreibstil hat aber auch dazu beigetragen, dass ich recht lange gebraucht habe, um in das Buch hineinzukommen. Mir fällt es selten schwer in die Romanwelt abzutauchen, aber dieses Mal haben es mir der ungewöhnliche Schauplatz und die Westernatmosphäre nicht gerade leicht gemacht. Die Stimmung war von Anfang an staubig, nicht unbedingt trocken, aber ich konnte die staubgeschwängerte Luft in der Mittagshitze von Santa Mondega richtig spüren, ich konnte den Bourbon riechen und den metallischen Geschmack von Blut schmecken. Was mich in diesem Buch auch ein wenig gestört hat, waren die vielen Perspektivwechsel zwischen den oftmals ganz schön gestörten Protagonisten.

Fast keiner Protagonisten hat es geschafft, mir auch nur ansatzweise sympathisch zu werden. Am dichtesten kam da noch Detectiv Miles Jenson heran. Der Barmann Sanchez ist total der Griesgram, ein Mensch, den man nicht mögen kann. Er schenkt halt Schnaps in der Tapioca Bar aus und muss die Sauerei nach einer Schießerei immer wegwischen. Die beiden Mönche Peto und Kyle sind eigentlich ziemlich interessant und die hätten auch Sympathieträger sein können, wenn ihnen mehr Raum eingeräumt worden wäre. Jenson ist ein ziemlich genialer Cop mit dem ich sehr gerne ermittelt habe. Dann gab es da noch Somers oder den komischen Kautz, der sich für Elvis hält, den großen Gangsterboss und eine merkwürde Frau namens Jessica, die mit einem anderen Gangster anbandelt. Öhm ja.

Das Cover ist auch sehr speziell, aber gut: „Das Buch ohne Namen“ ist eine Klappbroschur und sieht aus, als hätte es einen alten, wertvollen Ledereinband. Der Titel ist in goldenen Lettern in Spotlackoptik aufgetragen, von denen sich jedoch die Farbe beim Lesen verabschiedet. Auf dem Einband sind schwach merkwürdige Symbole zu sehen.

Fazit: „Das Buch ohne Namen“ von Anonymus ist sehr speziell, sehr schräg und sehr blutig. Es versprüht Westernatmosphäre par excellence und es tummelt sich ein Haufen schräger Charaktere in der Geschichte. Wer auf all das steht, der ist hier genau richtig. Für mich war es manchmal ein bisschen too much und mir hat einfach eine Identifikationsfigur gefehlt. Deshalb gibt es von mir drei von fünf Sternen.



von Anonymus
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Bastei-Lübbe; Auflage: Aufl. 2013 (15. Oktober 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404165160
ISBN-13: 978-3404165162
Originaltitel: The Book With No Name

Rezension vom 08.11.2013

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