Samstag, 19. Oktober 2013

Fürchte nicht das tiefe blaue Meer - April Genevieve Tucholke

Skurril und sturmumtost

Die beiden Teenager-Zwillinge Violet und Luke leben in dem beschaulichen Örtchen Echo in einer schon etwas in die Jahre gekommenen Villa direkt am Meer. Ihre Familie war einst zu industriellem Reichtum gekommen und zu Großmutters Zeiten eine der reichsten und angesehensten Familien an der amerikanischen Ostküste. Doch diese Zeiten sind lange vorbei, die Villa verfällt und die Eltern der Zwillinge sind seit einem Jahr auf Reisen in Europa. Violet und Luke geht langsam das Geld aus, also sucht Violet einen Mieter für das Gästehaus der Villa. Eines Morgens taucht ein unbekannter junger Mann auf, der das Gästehaus mietet, ungesehen. Sein Name ist River West, sieht gut aus und ihn umweht etwas Geheimnisvolles. Dies und dass er im selben Alter wie Violet ist, übt eine unerklärliche Anziehungskraft auf die junge Frau aus, die sich eigentlich bisher aus keinem Jungen groß etwas gemacht hat. Doch dann geschehen unerklärliche Dinge in Echo: Der Teufel wird gesichtet und es sterben Menschen. Hat River etwas damit zu tun?

Der Klappentext und das wundervolle Cover des Buches haben mich von Anfang an bezaubert und vor allem neugierig gemacht. Ich habe einen spannungsgeladenen Mystery-Thriller erwartet, doch bekommen habe ich eine skurrile Story und flache Charaktere, mit denen ich leider so gar nichts anfangen konnte. Begonnen hat das Jugendbuch noch ziemlich vielversprechend mit der Hintergrundgeschichte von Violet und Luke und Violets Erinnerungen an ihre heißgeliebte Großmutter. Auch als River auftauchte verschaffte dies der Geschichte nochmal einen Spannungsmoment, aber ab dem Zeitpunkt wurde alles sehr verworren und merkwürdig. Ich bin eine leidenschaftliche Leserin von fantastischen Werken und ich finde telekinetischen Fähigkeiten und Gedankenmanipulation absolut spannend, aber ich brauche nicht nur eine großartige Grundidee und einen sehr guten Schreibstil, sondern auch glaubwürdige Charaktere und an denen mangelt es dem Buch eindeutig.

Der Schreibstil ist, wie eben schon erwähnt, sehr, sehr gut zu lesen gewesen. Die Autorin versteht es, die Bilder dieser alten, langsam verfallenden Villa und der unglaublich schönen Umgebung, in der das Gebäude erbaut wurde vor meinem inneren Auge zum Leben zu erwecken. Ich konnte das Gras , die Blumen und die salzige Briese, die vom Meer herüberweht, gerade zu riechen und auch die Protagonisten haben ich in allen ihren Eigenarten vor mir gesehen. Auch schafft sie es Spannung aufzubauen und die Story trotz allem noch interessant genug zu gestalten, so dass ich das Buch nicht einfach zur Seite gelegt habe, als mir das Verhalten von Violet irgendwann total gegen den Strich ging.

Die Charaktere waren leider, leider sehr flach und eigenartig gestrickt. Violet, die Ich-Erzählerin, war mir zu Beginn total sympathisch. Sie war ruhig, bedacht und ich habe sofort gemerkt, dass sie irgendwie poetisch oder künstlerisch veranlagt ist, genauso wie ihr Bruder Luke, den sie nicht leiden kann. Zumindest denkt sie das. Doch dann taucht River auf und plötzlich wird aus der bedachten, sympathischen Violet ein Mädchen, das völlig abstrus reagiert: River tut etwas absolut furchtbares und moralisch verwerfliches und Violet rügt ihn zwar, dann verkriechen sie sich aber zusammen im Bett. HALLO? Ich möchte hier nichts Wesentliches verraten, deshalb gehe ich nicht näher auf die Situation ein, aber auch danach oder nach anderen, nicht gerade Schwiegersohn mäßigen Taten, lässt sie sich von River bekochen. Luke und Sunshine spielen nur eine Nebenrolle, konnten in mir aber auch keine Begeisterungsstürme auslösen. Nur Rivers Bruder, der so mir nichts, dir nichts plötzlich auftaucht und irgendwie so gar nicht in die Geschichte zu passen scheint, konnte mich irgendwie überzeugen.

Das Cover der hochwertigen Klappbroschur ist einfach einmalig gut gelungen. Es sind dunkle, sturmumtoste Klippen in einem aufgewühlten Meer zu sehen, auf denen sich zwei schemenhafte Gestalten befinden. Es ist düster und atmosphärisch und ich finde es einfach fantastisch!

Fazit: Leider konnte mich „Fürchte nicht das tiefe blaue Meer“ von April Genevieve Tucholke nicht von sich überzeugen, obwohl ich es aufgrund des tollen Covers unbedingt mögen wollte. Allein der Schluss konnte mich ein wenig für die merkwürdig handelnden Protagonisten und der seltsamen Geschichte entschädigen, denn dieser hielt sogar einiges Unerwartetes bereit. Somit vergebe ich versöhnliche drei Sterne für ein Buch mit einem tollen Setting und einem wunderbaren Schreibstil und einem Ende, dass ich für gelungen halte.



von April Genevieve Tucholke
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: cbt (9. September 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570308847
ISBN-13: 978-3570308844
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 13 Jahren

Rezension vom 19.10.2013 
Herzlichen Dank an den   Verlag für die Bereitstellung des Buches!

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