Samstag, 31. August 2013

So wie Kupfer und Gold - Jane Nickerson

Törchen, Törchen öffne dich!

Sophia ist 17 und seit dem Tod ihres Vater eine Waise. Darum bricht sie von Boston ins weit entfernte Oren auf, um einige Zeit bei ihrem reichen Patenonkel und jetzigen Vormund Mr. De Cressac zu leben, bis sie volljährig ist. Ihren Patenonkel hat sie jedoch noch nie zuvor gesehen, immer nur wertvolle Geschenke von ihm erhalten. Als Sophia in dem rieseigen Herrenhaus ankommt, ist sie zuerst überwältig von all dem Pomp und den vielen teuren Kleidern, die Mr. de Cressac ihr schenkt, doch eine Sache verunsichert sie von Beginn an. Mr. de Cressac ist Witwer, war schon ein paar Mal verheiratet und immer sind seine Frauen unter mysteriösen Umständen verstorben oder verschwunden. Doch Sophia schiebt alle Bedenken beiseite und amüsiert sich, doch bald kann sie sich den Launen ihres Patenonkels nicht mehr entziehen und beginnt sich in seinen Wirrungen zu verlieren…

„So wie Kupfer und Gold“ ist eine modernere Nacherzählung des Märchens vom Blaubart und wer das Märchen kennt, wird in diesem Buch nichts Neues mehr entdecken. Doch sollte es euch genauso gehen, wie mir und ihr kennt das Märchen zwar vom Namen nach, wisst aber nicht unbedingt genau, um was es geht, dann dürfte euch die Geschichte sehr gut unterhalten. Vorausgesetzt, ihr mögt gerne historische (Südstaaten)-Romane, denn die Story ist im Jahr 1855 im amerikanischen Bundesstaat Mississippi angesiedelt. Mir hat das Setting sehr gut gefallen, denn man kommt auch unausweichlich mit dem Thema der Sklaverei in Berührung, denn Mr. de Cressac hat neben dem großen Herrenhaus auch eine große Plantage, auf der die schwarzen Sklaven schuften.

Der Schreibstil der Autorin kommt sehr unaufgeregt daher, mit vielen schönen und detaillierten Beschreibungen des großen Herrenhauses Wyndriven Abbey und der tollen Kleider, die Sophia erhält. Mir gefallen solche Beschreibungen und darum wird es mir beim Lesen auch nicht langweilig. Es gibt einen sanften Spannungsbogen, der ganz behutsam ansteigt, je mehr sich Sophia in das Netz der Lügen verstrickt, das ihr Patenonkel um sie spinnt. Manchen mag dies zu wenig sein, mir hat es an dieser Stelle völlig ausgereicht, denn meine Aufmerksamkeit wurde von den kleinen Dingen und wunderbaren Stimmungen in diesem Jugendroman gefesselt und somit benötigte ich keine gewaltigen Actionfeuerwerke, welche auch nicht zu diesem Buch gepasst hätten.

Es gibt eigentlich nur wenige Charaktere, die wirklich wichtig sind. Zum einen ist dies natürlich Sophia mit ihrem kupferroten Haar, deren Naivität gleich zu Beginn auffällt. Sie schafft es immer die Augen vor der Wahrheit zu verschließen und sich alles schön zu reden, bis sie einfach nicht mehr anders kann, als das Offensichtliche zu erkennen. Sie lässt sich von ihrer Familie auch schnell beeinflussen, denn sie ist ein junges Mädchen mit keinerlei Erfahrung. Mr. Bernard de Cressac ist ein Mann mit zwei Gesichtern. Er kann äußerst liebenswert und zuvorkommend sein, doch dann schlägt seine Laune schlagartig ins Gegenteil um und natürlich leidet Sophia darunter. Er ist sehr undurchsichtig und trotzdem ist schnell klar, was er eigentlich von Sophia will. Es gibt noch eine Reihe schöner Nebencharaktere, die wirklich gut ausgestaltet wurden und die Geschichte bereichern.

Das Cover ist wirklich wundervoll! Eine junge Frau mit kupferrotem Haar in einem grünen Kleid ist darauf zu sehen und es ist klar, dass dies Sophia sein soll. Im Hintergrund ist Wyndriven Abbey abgebildet. Mir gefällt es sehr gut, doch ich hätte eine andere Geschichte dahinter vermutet.

Fazit: „So wie Kupfer und Gold“ ist ein wunderbarer Historischer Jugendroman, in dem man an einem goldenen Herbsttag versinken kann. Gleichzeitig ist es auch eine Nacherzählung des Märchens vom Blaubart und wer das Märchen kennt, wird von der ersten Seite an genau wissen, auf was es hinausläuft. Alle anderen werden es zwar ahnen, aber trotzdem unserer Protagonistin gebannt durch die Geschichte folgen!



von Jane Nickerson
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: cbt (23. September 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570162680
ISBN-13: 978-3570162682
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 13 Jahren
Originaltitel: Strands of Bronze & Gold

Rezension vom 31.08.2013

Herzlichen Dank an den  Verlag für die Bereitstellung des Buches!

1 Kommentar:

  1. Schon allein wegen der vielen Hintergründe (Sklavenhaltung...), die die Autorin in diesem gewaltigen Epos den jungen Lesern vermittelt, gefiel mir das Buch und ich kann es nur empfehlen.

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