Samstag, 10. August 2013

Das Puppenzimmer - Maja Ilisch

Schwesterlein, komm spiel mit mir…

Florence lebt in einem Waisenhaus in London und hat die Hoffnung auf eine Adoption längst aufgegeben. Ihr bleiben nur noch eine Anstellung bei einer reichen Familie oder die Arbeit in einer Fabrik. Als eines Tages der geheimnisvolle Mr. Molyneux im Waisenhaus auftaucht und Florence mitnimmt, scheinen sich ihre Wünsche zu erfüllen: Sie soll für Mr. Monlyneux und seine Schwester auf dem Landsitz Hollyhock arbeiten, aber in einem abgeriegelten Zimmer voller alter Puppen, dessen Schlüssel sie wie einen Schatz hüten muss. Florence beginnt zu ahnen, dass in diesem Haus etwas gar nicht stimmt und dass Rufus und Violet Molyneux nicht das sind, was sie zu sein scheinen…

Der Fantasy-Mystery-Roman „Das Puppenzimmer“ ist ausschließlich als ebook erschienen und als erstes Buch seiner Art, konnten mich Aufmachung und Klappentext davon überzeugen, dass ich es unbedingt lesen müsse. Ich wurde auch wirklich nicht enttäuscht, denn gerade in der ersten Hälfte des Buchs geht es richtig mysteriös zur Sache. Gruselig würde ich es jetzt bei Weitem nicht nennen, aber es kam bei mir beim Lesen ein schönes Mystery-Feeling auf und ich war einfach nur neugierig darauf, was auf den nächsten Seiten passieren mag. Hollyhock ist ein tolles, großes, altes Anwesen mit einem riesigen verwilderten Garten und ganz vielen düsteren Gängen und Zimmer im Inneren. Genau so stelle ich mir eine viktorianische Villa vor!

Der Schreibstil der Autorin war sehr angenehm und flüssig zu lesen. Ich fand sehr schnell in die Geschichte um die 14-jährige Florence in einem London im Jahre 1908 hinein, auch wenn es mir schwer viel, zu akzeptieren, dass eine junge Frau damals so gut wie keine Rechte hatte. Was für ein Glück, dass ich in die heutige Zeit hineingeboren wurde! Sobald Rufus Molyneux auf der Bildfläche erschien, entfaltete der Roman eine gewisse düstere und mysteriöse Grundstimmung, die den Reit dieses Buches ausmacht. Nicht die fantastischen Ereignisse, die noch folgen sollen, sondern diese subtile Spannung, die aus jedem Wort und jedem Satzgefüge zu kriechen scheint, wie ein Schatten, er alles zu verschlingen droht. Zwar haben die Geschehnisse für mich, ab dem Zeitpunkt, an dem das Geheimnis um die Molyneux‘ gelüftet wurde, ein wenig an Reiz verloren, aber ich muss zugeben, dass ich schon ein wenig überrascht war, wie sich alles im Anschluss daran entwickelt hat.

Die Protagonisten waren mir alle ziemlich suspekt, bis auf Florence natürlich, die man auf Schritt und Tritt durch ihr neues Leben in Hollyhock begleitet. Florence ist auf der einen Seite, für ein Mädchen, ziemlich gebildet, sie kann lesen, schreiben, rechnen, Handarbeit und noch vieles mehr. Sie liebt Bücher und ist von der alten Bibliothek in Hollyhock begeistert, was mir die junge Bedienstete gleich nochmals sympathischer machte. Auf der anderen Seite ist sie aber noch ein junges und naives Mädchen, das außer ihrem Waisenhaus und den umliegenden Straßen noch nichts von England gesehen hat, weshalb ihr alles so groß und wunderbar vorkommt. Rufus und Violet Molyneux sind beide sehr geheimnisvoll, gefühlskalt und sonderbar. Auch die merkwürdige Aufgabe, die die Geschwister Florence aufgeben, wirft zu Beginn Rätsel auf die erst nach und nach gelüftet werden. Aber auch die Nebenfiguren wie Alan oder Lucy sind nicht so richtig greifbar, sind mal da und dann doch wieder nicht. Sympathisch waren sie mir aber allemal!

Das Cover des ebooks ist mir gleich positiv aufgefallen: Es ist wunderbar düster und stimmungsvoll gestaltet. Ein junges Mädchen in einem weißen Kleid steht mit verschrecktem Gesichtsausdruck vor einer Bank, auf der eine Puppe sitzt. Auch die Schrift und die Ornamente passen stimmig in das Gesamtbild und suggerieren einen spannenden Roman, der auch Mystery-Elemente enthält.

Fazit: „Das Puppenzimmer“ von Maja Ilisch hat mich ungemein positiv überrascht und mir einige sehr spannende Lesestunden beschert. Ich möchte dieses ebook gerne allen weiterempfehlen, die ebenso wie ich gerne klassische Gruselgeschichten lesen, wobei es hier weniger Grusel, als düstere Grundstimmung gab. Auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung!

von Maja Ilisch
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 629 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 375 Seiten
Verlag: dotbooks Verlag; Auflage: 1 (1. Juli 2013)

Rezension vom 09.08.2013

Herzlichen Dank an   und den 
Verlag!

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