Samstag, 25. Mai 2013

Schwarzer Schmetterling - Bernard Minier

Ein totes Pferd, eine psychiatrische Anstalt, ein Rätsel, das tief in die Vergangenheit reicht 

Comandant Servaz wird zu einem Mordfall in das abgelegene Dorf St. Martin in den französischen Pyrenäen gerufen. Was er noch nicht weiß: Der Tote ist ein Pferd und zwar das Lieblingspferd des Konzern-Magnaten Eric Lombard. Von höchster Stelle aus wird erwartet, dass Servaz diesen Todesfall aufklärt, zusammen mit der jungen und hübschen Gendarmin Irène Ziegler. Als ein Mann erhängt aufgefunden wird, wird der gesamte Fall verworren, denn ein Beweis am Tatort weißt auf einen in der nahegelegenen Anstalt inhaftierten Psychopathen Julian Hirtmann hin. Servaz und Ziegler nehmen die Anstalt unter die Lupe und stoßen dabei auf einen entscheidenden Hinweis… 

Ein wahrhaft meisterlicher Psychothriller und ein ziemlich dicker noch dazu. So konnte man „Schwarzer Schmetterling“ in aller Kürze beschreiben. Doch das wird dem Thriller natürlich nicht gerecht. Ich muss sagen, ich war von Anfang an gefesselt von der Story und vor allem von diesem besonderen Schauplatz in dem abgelegen Pyrenäen-Tal St. Martin. Ebenso hat mich das Fall-Wasserkraftwerk fasziniert und fand es schade, dass es außer im ersten Viertel des Buches, nicht weiter eine Rolle gespielt hat. Besonders gut haben mir die Szenen gefallen, die in der psychiatrischen Anstalt, der Wargnier-Klinik, gespielt haben. In dieser Klinik sind die schlimmsten Psychopaten Frankreichs, wenn nicht sogar Europas eingesperrt. Hier spielt die junge Psychiaterin Diane Berg eine Schlüsselrolle, denn sie beginnt den merkwürdigen Vorkommnissen in der Klinik auf den Grund zu gehen. 

Der Schreibstil des Autors ist sehr gut zu lesen. Zu Beginn führt er in die Geschichte ein, in dem er die Protagonisten, vor allem Comandant Martin Servaz und Diane Berg vorstellt, wie sie zu ihren neuen Einsatzorten unterwegs sind. Die Ausdrucksweise ist klar und verständlich und sehr schnell beginnt sich eine unterschwellige Spannung und düstere Atmosphäre aufzubauen. Der Spannungsbogen steigt kontinuierlich an, um in einem atemberaubenden Showdown zu münden. Einzig am Ende des ersten Drittels hatte ich einen kurzen Durchhänger, da geriet die Geschichte meiner Meinung nach ein wenig ins Stocken, um dann aber wieder rasant an Fahrt auf zunehmen. 

Die Protagonisten sind alle sehr gut durchdacht und bringen eine herausragende Tiefe mit, es tun sich bei fast allen seelische Abgründe auf, mit denen ich nie gerechnet hätte. Martin Servaz ist der leitende Ermittler im Fall des toten Pferdes, der sich bald zu einem waschechten Mordfall entwickelt. Mit scharfem Verstand und einer fast unschlagbaren Intuition begibt er sich zusammen mit Irène Ziegler in die Abgründe der Bewohner von St. Martin. Natürlich schleppt er seine eigenen Dämonen mit sich herum, was Servaz aber umso sympathischer macht. Ziegler ist eine ebenso findige und gute Ermittlerin, die Servaz eine große Hilfe ist und die Ermittlungen voran bringt. Auch Servaz‘ Stellvertreter Espérandieu war mir auf Anhieb sympathisch und ich empfand seine Anwesenheit immer als sehr erfrischend. Diane Berg mochte ich ebenfalls sehr gerne und ich habe mit ihr mitgezittert, wenn sie auf nächtliche Erkundungstour in der Anstalt gegangen ist. Trotzdem hätte ich mir für ihren Charakter mehr Raum in diesem Buch gewünscht! 

Das Cover des Taschenbuchs gefällt mir eigentlich recht gut. Schon beim Lesen erkennt man, dass vor allem der Schatten des Mannes, der mit ausgebreiteten Armen und gesenktem Kopf auf dem Titelbild zu sehen ist, mit der Geschichte in Zusammenhang steht. Der Name des Autors ist in Spotlackoptik aufgebracht. 

Fazit: „Schwarzer Schmetterling“ von Bernard Minier hat alles, was einen guten Psychothriller ausmacht: Viel Spannung, eine vielschichtige Handlung mit unerwarteten Wendungen, interessante und tiefgründige Charaktere, eine düstere Stimmung und ein rasantes Finale. Wer gerne Psychothriller liest, die in einer Anstalt spielen, dem sei gesagt, dass der Anteil der Anstalt in diesem Buch nicht sehr hoch ist, aber trotzdem einige sehr interessante Szenen sich dort abspielen. Mir hat das Buch richtig gut gefallen und ich kann es allen Thriller-Liebhabern nur ans Herz legen!



von Bernard Minier
Taschenbuch: 688 Seiten
Verlag: Knaur TB (2. Mai 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426511665
ISBN-13: 978-3426511664
Originaltitel: Glace

Rezension vom 20.05.2013

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