Mittwoch, 26. Dezember 2012

Der Hobbit - J.R.R. Tolkien

Mittelerde für Alle! 

Bilbo Beutlin, ein ehrenwerter Hobbit aus Beutelsend im Auenland, sitzt nichtsahnend vor seiner Hobbithöhle und raucht ein Pfeifchen, als der Zauberer Gandalf vorbei kommt und ihn zu einem Abenteuer einlädt. Bilbo lehnt ab und schickt den Zauberer fort. Doch ehe er sich versieht platzt seine Hobbithöhle aus allen Nähten und seine Vorratskammer wurde auch geplündert. 13 Zwerge um ihren Anführer Thorin Eichenschild und ein Zauberer haben sich bei Bilbo eingefunden um mit ihm zusammen, in der Rolle des Meisterdiebs, die Zwergen Stadt im Einsamen Berg zurückzuerobern, die seit 200 Jahren vom Drachen Smaug besetzt wird. Auf dem Weg zum Einsamen Berg gilt es jedoch viele Abenteuer und Gefahren in Orkhöhlen oder dem sagenumwobenen Düsterwald zu bestehen… 

Den „Kleinen Hobbit“ habe ich zum ersten Mal als Kind gelesen und es ist mir damals als das größte Abenteuer überhaupt vorgekommen. Nun bin ich nach Mittelerde und zu Bilbo Beutlin zurückgekehrt und es ist immer noch abenteuerlich und nicht weniger fantastisch, doch nun erkenne ich „Den Hobbit“ als das, was er ist: Ein Kinderbuch. Allerdings ein Kinderbuch, das wirklich jeder gelesen haben sollte! Egal ob als Kind oder als Erwachsener, Bilbos Abenteuer mit Gandalf und den Zwergen Thorin, Dwalin, Balin, Kili, Fili, Dori, Nori, Ori, Oin, Gloin, Bifur, Bofur und Bombur sind so fantasievoll und spannend, dass das Buch in keiner guten Hausbibliothek fehlen darf! 

Ich habe diesmal die Neuübersetzung von Wolfgang Krege gelesen und eine Sache ist mir extrem negativ aufgefallen: Die Protagonisten siezen sich! Dies ist so dermaßen merkwürdig, dass ich erst mal inne gehalten und die Passage nochmals gelesen habe. Irgendwann gehen die Zwerge und Bilbo dann zum Du über, aber ich konnte mich absolut nicht daran gewöhnen, dass sie sich siezen. Das wirkt so fehl am Platze wie ein roter Elefant im OP-Saal! Tolkiens Erzählstil ist meiner Meinung nach etwas Besonderes und ich liebe diese hochgestochene Sprache, die verdeutlichen soll, dass Mittelerde eine mittelalterliche Fantasy-Welt ist und da haben sich die Menschen mit Ihr und Euer angesprochen und nicht mit Sie! Das ist in der alten Übersetzung von Walter Scherf wesentlich besser! Man muss auch sehen, dass „Der kleine Hobbit“ erstmals 1937 erschienen ist und nun schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Zwar sind bei der Neuübersetzung sämtliche Lieder vollständig enthalten, aber ich muss gestehen, dass diese mir nie sonderlich gefehlt und ich sie auch nie ganz gelesen habe. Beim „Hobbit“ hat Tolkien auch auf diese ganz ausschweifenden Landschaftsbeschreibungen verzichtet und sich da eher knapp gehalten. Trotzdem hat nichts gefehlt und alles war wunderbar nachzuvollziehen und vorstellbar. 

Die Protagonisten sind ebenso nicht wahnsinnig ausführlich und ausschweifend beschrieben und trotzdem stellt sich bald bei den Wichtigsten von ihnen Sympathie ein. Über Bilbo Beutlin erfährt man natürlich das Meiste, denn es ist seine Geschichte und man begleitet den Hobbit auf seinen Abenteuern. Aber auch die 13 Zwerge und Gandalf werden charakterisiert und haben ihre Eigenheiten auch wenn sie alle insgesamt auf den knapp 400 Seiten ein wenig zu kurz kommen. Am wichtigsten ist natürlich Thorin Eichenschild, der die Unternehmung anführt und die ehemalige Zwergen-Stadt für sein Volk zurückerobern will. Gandalf ist geheimnisvoll und gibt nicht viel über sich preis, doch er ist immer zur rechten Zeit am rechten Ort! 

Ich habe mir die wundervoll illustrierte, gebundene Ausgabe von „Der Hobbit“ gegönnt. Der Schutzumschlag ist mit dem Drachen Smaug eindrucksvoll gestaltet und von Goldornamenten umrandet. Es gibt viele ganzseitige farbige Hochglanzillustrationen und einige in Schwarz-weiß, die die Kapitel einleiten. Zur hochwertigen Ausstattung des Buches gehört auch ein rotes Lesebändchen. Für Tolkien-Liebhaber ist diese Schmuckausgabe sehr zu empfehlen. 

Fazit: „Der kleine Hobbit“ ist ein Kinderbuch, das zwar von Tolkien für Erwachsene ein wenig überarbeitet wurde, aber diese Tatsache sollte man nicht außer Acht lassen. Es ist allerdings eine wunderbare Gelegenheit, einen kurzen Abstecher nach Mittelerde zu machen und die Geschichte kennen zu lernen, wie Bilbo den einen Ring fand, der einmal das Schicksal von ganz Mittelerde entscheiden sollte!



von J.R.R. Tolkien
Gebundene Ausgabe: 397 Seiten 
Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 6., Aufl. (20. September 2012) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3608938001 
ISBN-13: 978-3608938005 
Originaltitel: The Hobbit

Rezension vom 25.12.2012

Kommentare:

  1. Eine tolle Rezi! Ich muss ja gestehen: den kleinen Hobbit habe ich bisher immer verpasst. Obwohl das Buch sogar bei uns zu Hause im Regal steht. Nun, da ich aber den Film - wohl eher 1/3 der Geschichte - gesehen habe, werde ich das aber mal nachholen, bevor ich womöglich wieder zwei Jahre warten muss, bis ich weiß wie das alles endet. Wie beim "Herr der Ringe" damals eben auch. :)

    Dieses Siezen kommt mir übrigens auch befremdlich vor und ich muss dann mal schauen wie es in meiner Ausgabe umgesetzt wurde. Passt wirklich nicht!

    Liebe Grüße
    Reni

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    1. Vielen Dank, liebe Reni!!! Hab den Film letzten Sonntag gesehen und fand den richtig gut! Zuvor wollte ich aber den Hobbit nochmal lesen, da es bei mir ja schon ewig her war. Der Film endet ca. bei der Hälfte des Buches, es wurde kaum was weggelassen, sondern eher einiges hinzugedichtet. Ich denke, dass Bilbos Rückreise im dritten Film ziemlich ausgebaut wird, denn die dauert im Buch nur kurze zwei Kapitel. ;) Bin also auch ziemlich gespannt, wo der zweite Film dann enden wird.

      Also es lohnt sich auf jeden Fall, den Hobbit zu lesen!

      LG
      Kathi

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    2. Der eine Ring hat eben eine Vorgeschichte. Schade nur, dass die kleine Vorgeschichte nun als Megafilmtrilogie aufgeblasen wird!

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    3. Stimmt, zwei Filme wären völlig ausreichend.

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