Samstag, 24. November 2012

Flammen über Arcadion - Bernd Perplies

Zeit für Veränderungen 

Carya ist 16 Jahre alt und führt ein recht beschauliches Leben hinter den dicken Stadtmauern von Arcadion, die die Stadt vor Gefahren von Außerhalb schützen. Carya darf die höhere Schule besuchen und verbringt ihre Freizeit in einer Templerjugendgruppe des Lux Dei, des totalitären Regimes, dass Arcadion regiert. Als eines Tages der Freund ihrer besten Freundin Rajel von den schwarzen Templern festgenommen wird, erschleicht sich Carya für sich und Rajel eine Einladung zu dessen Prozess im Tribunal Palast des Lux Die. Die Ereignisse während des Prozess‘ und der Folterung verändern Caryas Leben von Grund auf und sie ist plötzlich auf der Flucht vor dem fanatischen Orden des Lux Dei. Ihre einzige Hoffnung: Jonan, ein ehemaliger Templersoldat. Werden die beiden dem Lux die entkommen können? 

Auf „Flammen über Arcadion“ habe ich mich schon ziemlich lange gefreut und ich war überglücklich, das Buch endlich in Händen halten zu können. Auch vom Inhalt wurde ich absolut nicht enttäuscht, denn Bernd Perplies hat mit Arcadion, das nach dem weltweit einschneidenden Ereignis, dem „Sternenfall“, auf den Ruinen von Rom errichtet wurde, eine Kulisse geschaffen, die ich mir als düstere Zukunftsvision tatsächlich vorstellen könnte. Ein weltweiter Atomkrieg könnte die Ursache der Verstrahlungen und Verseuchungen außerhalb der schützenden Mauern Arcadions sein, doch darauf wird im Buch nicht direkt eingegangen. Es sind noch Überreste der einstigen Hochtechnologie wie ein paar Autos oder High-Tech-Kampfanzüge vorhanden, allerdings es gibt nur sehr wenig Treibstoff und die Computertechnik ist verloren gegangen, so dass keine Weiterentwicklungen gemacht werden und vorhandene Technologien nur erhalten werden können. Keiner weiß mehr, wie die Dinge funktionieren, dabei sind erst ca. 40 Jahre seit dem „Sternenfall“ vergangen. Kann solch elementares Wissen, auf das unsere Gesellschaft heute aufbaut, in so kurzer Zeit unwiderruflich verloren gehen? 

Der Schreibstil war für ein Jugendbuch sehr passend gewählt. Dennoch ist die Sprache nicht flapsig oder mit Kraftausdrücken gespickt, sondern vermittelt in unkomplizierten Sätzen das Geschehen um Carya und Jonan und sorgt gleichzeitig dafür, dass dem Leser alle Emotionen schonungslos nahegebracht werden. Spannung stellt sich spätestens ab dem Prozess im Tribunal Palast ein, von dem Carya und Rajel flüchten müssen. Danach gibt es kaum mehr große Verschnaufpausen, die Spannung wird kontinuierlich hoch gehalten und die Handlung selbst ist kurzweilig gestaltet. Ich habe das Buch immer nur sehr, sehr ungern aus der Hand gelegt. Carya ist hauptsächlich die personale Erzählerin und man erlebt die Ereignisse aus ihrer Sicht. Ab und zu kommt auch Jonans Sichtweise zum Tragen. 

Die Charaktere, allen voran Protagonistin Carya, sind durchweg glaubwürdig ausgestaltet. Carya ist ein kluges Mädchen, das behütet und in das fanatische Glaubenssystem des Lux Dei eingegliedert aufwächst. Sie kennt quasi nur die „Wahrheit“ des Ordens. Somit ist es ihr hoch anzurechnen, dass sie anfängt Fragen zu stellen und im Endeffekt das ganze System in Frage zu stellen beginnt. Dazu gehört eine ordentliche Portion Mut! Aber auch Jonan wirft seine Überzeugungen couragiert über Bord um einem jungen Mädchen zu helfen. Dafür lässt er seinen Job, seinen Vater, gesamtes Leben hinter sich. Er hat mir überaus gut gefallen! Pitlit sollte an dieser Stelle auch noch erwähnt werden, denn er ist ein Nebencharakter, der dem Buch eine Prise Würze verleiht. Er ist ein 12-jähriger Straßenjunge, der sich schon sein ganzes Leben lang abseits des Systems durchschlagen muss, der ein paar ganz coole Tricks drauf hat und alles mit ziemlich viel Humor nimmt. 

Die Gestaltung des Schutzumschlags ist eine wahre Augenweide! Schon als ich zum ersten Mal ein Bild des Cover gesehen habe, war ich hin und weg! Düstere Farben, passend zur Dystopie, bestimmen das Bild, in der Mitte hält eine Hand eine zarte, gerade erblühende Rose, die zu Asche zerfällt. Im Hintergrund sieht man Arcadion. Die gesamte Ausstattung des Hardcovers ist hochwertig. Es verfügt über ein dunkelbraunes Lesebändchen und wunderbar gestaltete Innenseiten der beiden Buchdeckel. 

Fazit: „Flammen über Arcadion“ von Bernd Perplies ist ein Muss für alle Liebhaber der Jugend-Dystopie, denn das Szenario ist durchaus als realistisch einzuschätzen. Ich habe jede einzelne Seite dieses Trilogie-Auftakts sehr genossen, konnte in die Geschichte eintauchen und wurde auch Emotional abgeholt, so dass ich das Buch uneingeschränkt weiterempfehlen kann!



von Bernd Perplies
Gebundene Ausgabe: 528 Seiten 
Verlag: Egmont LYX; Auflage: 1 (13. September 2012) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3802586379 
ISBN-13: 978-3802586378
Rezension vom 24.11.2012

Vielen, vielen Dank an den  Verlag für die Bereitstellung dieses wunderbaren Buches!!!

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