Dienstag, 30. Oktober 2012

Laugenweckle zum Frühstück - Elisabeth Kabatek

Von der schwäbischen Kehrwoche und bruddligen Nachbarn… 

…hat Pipeline Praetorius mehr als genug. Sie lebt in Stuttgart, ist Halb-Schwäbin und mit dem Katastrophen-Gen gesegnet. Pipeline hat gerade ihren (schlechtbezahlten) 80-Stunden-Job in einer Werbeagentur verloren und wacht nun am ersten Tag als Arbeitslose auf, um sämtliche Katastrophen anzuziehen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es mit dem Gang zum Arbeitsamt oder den eigentlichen Bewerbungen nicht so gut klappt, wie es eigentlich sollte und die quirlige 31-Jährige in Selbstmitleid ertrinkt. Da kommt es ihr gar nicht gelegen, dass sich ihr neuer Nachbar Leon als ziemlich gutaussehendes, aber ihr nicht hinreichend intellektuelles und noch dazu anhängliches Exemplar herausstellt. Um noch eins draufzusetzten wird Pipeline von ihrem bruddligen Nachbarn Herrn Tellerle zu seiner urlaubsbedingten Fischpflegerin auserkoren, was alles, nur nicht gut gehen kann! 

Pipeline Praetorius ist echt ein Fall für sich, in einer Geschichte, wie sie nur im Schwäbischen spielen kann! Für mich, als Badnerin hat hier ein großartiger Lacher den anderen gejagt und ich musste mich morgens um halb 8 in der Stadtbahn schon sehr beherrschen, um nicht ins brüllendes Gelächter auszubrechen, wenn in Pipelines Leben mal wieder alles schief ging. Auch der Wiedererkennungswert der Stadt Stuttgart, von der ich gar nicht mal so weit weg wohne, hat natürlich dazu beigetragen, dass ich mich super schnell in diesem Roman zurechtfinden konnte. Auch wenn ich Chick-Lit normalerweise nur sehr selten lese, hat mich die Autorin mit Pipeline gleich geschnappt gehabt, ich habe genüsslich alle Katastrophen über sie und mich ergehen lassen und mich köstlich dabei amüsiert! 

Vom Schreibstil war ich ziemlich überrascht. Ich hatte nicht erwartet, dass ein „Regional-Roman“ mich so fesseln kann und dabei so flüssig und leicht zu lesen ist. Alles, was ich in der Richtung bisher so angelesen habe, war eher sperrig und Krimi lastig, doch „Laugenweckle zum Frühstück“ ist ganz anders! Dieser Roman könnte auch aus der Feder von Kerstin Gier stammen, die ähnlich humorvoll von fehlgeschlagenen Selbstmordversuchen mit den sich nachziehenden Katastrophen berichten kann, wie Elisabeth Kabatek von Lines unglücklicher Situation als 31-jähriger Single ohne Job in einem Stuttgarter Miethaus in dem die Nichteinhaltung der strengen Kehrwochenregeln einem Staatsverbrechen gleich kommt. Ich konnte mir die Fettnäpfchen, in die Line nach und nach hineinstolpert, so bildlich vorstellen, dass ich aus dem lachen und Kichern kaum mehr heraus kam. Einige Gespräche sind 1:1 in Schwäbisch geschrieben, das könnte für den einen oder anderen etwas schwierig werden, auch wenn ein paar Ausrücke in Fußnoten erklärt werden. 

Die Protagonisten habe ich alle gleich in mein Herz geschlossen. Pipeline ist die Chaos-Frau schlecht hin, dabei macht sie diese Tatsche überaus sympathisch, aber auch blind sich und ihren Gefühlen gegenüber. Es braucht manchmal schon einen kräftigen Tritt in Lines Allerwertesten, bis sie erkennt, was ihre beste Freundin Lila schon vor ein paar Wochen wusste. Lila ist Pipelines Fels in der Brandung. Bei ihr kann sie sich bei Prosecco und leckerem Abendessen ausheulen, aber auch ausgehen und Spaß haben. Eine echte Freundin zum Pferdestehlen. Leon wäre der perfekte Mann für Line, was sie natürlich erst mal nicht erkennt, denn sie sieht nur, dass er nicht gerne Bücher liest oder in die Oper geht. Doch der sympathische Ingenieur gibt nicht so schnell auf! Die ganzen Nebenfiguren haben alle ihren ureigenen Charme, wie sie nur in der schwäbischen Metropole Stuttgart zu finden sind. Allen voran Lines Dande Dorle ist ein Schwäbisches Original, genau wie Lines Nachbarn Herr Tellerle oder Frau Müller-Thurgau. 

Das Cover des Taschenbuchs ist nicht spektakulär. Man sieht eine Espressotasse auf einem Stuttgarter Straßenkaffeetisch, im Hintergrund Liegestühle und der Stuttgarter Schlossgarten mit Schloss. Nichts, was auf diesen wirklich außergewöhnlichen Inhalt hindeuten würde. 

Fazit: „Laugenweckle zum Frühstück“ von Elisabeth Kabatek ist ein wirklich außergewöhnlicher Regional-Roman, der unbedingt über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus einen größeren Bekanntheitsgrad erlangen muss! Denn was wäre das Leben ohne Laugenweckle zum Frühstück? Ganz genau: Ziemlich öde!!! Das dachte ich mir auch und habe mir schnell die weiteren Abenteuer von Pipeline Praetorius besorgt, niedergeschrieben in den Büchern „Brezeltango“ und „Spätzleblues“. Also liebe Mädels, schnappt euch das Buch und lacht laut drauf los, es erhält meine uneingeschränkte Leseempfehlung!!!



von Elisabeth Kabatek
Broschiert: 320 Seiten 
Verlag: Silberburg-Verlag; Auflage: Neuauflage. (August 2012) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3874078094 
ISBN-13: 978-3874078092

Rezension vom 28.010.2012

Kommentare:

  1. Huhu Bluena, dieses Buch hab ich auch gelesen. Ich hab es als Schwaben-Eingewöhn-Buch geschenkt bekommen, als ich ein Schreib-Stipendium in Esslingen im dicksten Schwaben hatte. Ich hab mich damals, genau wie du, köstlich amüsiert. Keine hohe Literatur, aber das braucht es auch nicht zu sein. Es ist ein leichter Unterhaltungsschmöker, der wirklich gute Laune macht. =)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi Antje,
      oh ja, es muss wirklich keine Hochliteratur sein, es hat einfach Spaß gemacht, das Buch zu lesen! Und ich frag mich allen erstens, wie man ohne Laugenwecklen überhaupt überleben kann? ;) Ich würde sie ja sooooo vermissen!

      LG
      Kathi

      Löschen