Montag, 17. September 2012

Denk an mich in der Nacht - Joanne Harris

Eine Geschichte, dunkel wie die Nacht 

Alice wird nach zwei Jahren Trennung mit ihrem Exfreund Joe konfrontiert. Er bittet sie, seine neue Freundin Ginny bei sich wohnen zu lassen. Alice ist fasziniert und abgeschreckt zu gleich von der rothaarigen Schönheit, die sich plötzlich ganz anders benimmt, wie wenn Joe bei ihr ist. Auch Ginnys merkwürdige Freunde weisen auf ein ernstzunehmendes Problem der Schönen hin. Auch Daniel Holmes kämpft im Jahr 1948 in Cambridge gegen (seine) Dämonen… 

Joanne Harris hat ihr Erstlingswerk „Denk an mich in der Nacht“ mit 17 Jahren geschrieben, doch erst vor wenigen Jahren wurde diese düstere Geschichte ins Deutsche übersetzt. Die Handlung ist in Cambridge angesiedelt, der Universitätsstadt in England. 

Ich mochte den Schreib- und Erzählstil der Autorin von Anfang an. Das Buch las sich gut und die Stimmung, die vor allem den ersten der beiden Erzählstränge durchdringt, dunkel und unheilvoll, war zum Greifen nahe. 1948 rettet Daniel Holmes eine schöne junge Frau namens Rosemary aus dem Fluss. Er ist der Held, wird aber krank und als er wieder genesen ist, hat sein Freund Robert ihm die rothaarige Schöne vor der Nase weggeschnappt. Das Unheil nimmt seinen Lauf. Auch in der Gegenwart merkt Alice schnell, dass mit Joes neuer Flamme irgendwas nicht stimmt und nimmt die Spur von Ginny und ihren Freunden auf. Nebeneinander fließen die beiden Erzählstränge her, kommen sich immer näher, um zum Schluss in einander überzugehen. Und hier kommen wir auch schon zum größten Manko des Buches: Im letzten Teil ändert sich der Stil völlig, er wird einfach nur total wirr und undurchsichtig. Ich habe zum Teil überhaupt nicht mehr verstanden, was nun gerade passiert. Das ist es, was mich am meisten an der Geschichte stört, und nicht, dass sehr schnell klar ist, wer oder was Rosemary eigentlich ist. 

Die Protagonisten gefallen mir alle sehr gut. Rosemary haben mehr gemeinsam, als es zuerst den Anschein hat und sie treiben ein perfides Spiel mit ihren Opfern. Alice, eine junge Malerin, wir sehr kreativ, um ihren Exfreund Joe aus den Fängen von Ginny zu befreien und das, obwohl er ihr nicht glaubt, ihr sogar droht. Sie ist mir sehr sympathisch gewesen und ich konnte ihre Gefühle immer voll nachempfinden. Nur manchmal fand ich sie zu leichtsinnig, ich würde nicht nachts allein in dunklen Gassen herumschleichen. Joe ist eigentlich ein unbezähmbarer Freigeist, der sich der Musik verschrieben hat. Doch nun ist er ganz verändert. Daniel Holmes ist ein junger Mann, ein Student in Cambridge. Er ist sehr klug, doch er hat noch keine Lebenserfahrung und blickt zu seinem Freund Robert auf. Robert wird von Rosemary verführt und ist ihr bald ebenso hörig, wie Joe seiner Ginny. 

Das Hardcover besticht mit einer ungewöhnlichen, aber sehr schönen und stimmigen Umschlaggestaltung. Eine rothaarige junge Frau mit schneeweißer Haut, die Rosemary/Ginny darstellen soll liegt mit geschlossenen Augen auf dem Rücken. Die Haare breiten sich bis zum unteren Buchrand aus. Das rote Kleid, das sie trägt bringt ihre geheimnisvolle Ausstrahlung richtig zur Geltung. Mir gefällt es sehr gut! 

Insgesamt hat mir „Denk an mich in der Nacht“ von Joanne Harris gut gefallen, die Story nahm schnell Fahrt auf und konnte mich begeistern. Doch der Schluss hat mich so verwirrt, dass ich keine Ambitionen mehr hatte, ihn zu Ende zu lesen (was ich natürlich trotzdem getan habe). Deshalb vergebe ich „nur“ drei von fünf Sternen.



von Joanne Harris
Gebundene Ausgabe: 432 Seiten 
Verlag: List Hardcover (15. Januar 2010) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 347135025X 
ISBN-13: 978-3471350256 
Originaltitel: The Evil Seed

Rezension vom 15.09.2012

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