Donnerstag, 2. August 2012

Angelus - Danielle Trussoni

Himmlische Heerscharen 

Die 23-jährige Evangeline lebt als Nonne ein ruhiges und durch getaktetes Leben im Kloster der Heiligen Rosa. Sie verbringt ihre Tage mit Beten und ihrer Arbeit in der Klosterbibliothek. Bis eines Tages ein junger Mann in eben jener Bibliothek auftaucht und sie bittet, ihn im Archiv nach der Korrespondenz zwischen Abigail Rockefeller und Mutter Innocenta aus den 1940er Jahren suchen zu lassen. Evangeline zeigt ihm einen Brief, den sie selbst erst entdeckt hat, verspricht ihm sich nach der Korrespondenz umzuschauen und komplimentiert Verlaine wieder hinaus. Was sie nicht weiß: Verlaine arbeitet unwissentlich für eine der mächtigsten Nephilim-Familien in New York und stürzt die Angelologen, inklusive Evangelines Großmutter, Evangeline selbst und die Schwestern im Kloster in größte Gefahr! Ein Kampf um ein himmlisches Artefakt entbrennt, der schon seit den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts schwelt… 

Danielle Trussoni rückt die Angelologie in ein spannendes Licht! Mir war nie wirklich klar, dass es so was wie Engelsforschung tatsächlich mal gab und auch heute, wenn vielleicht auch nicht in dem hier beschriebenen Maße, fortgeführt wird. Die Autorin beschreibt die Engel und ihre Nachkommen die Nephilim als wunderschöne, glanzvolle, aber grausame Wesen. Sie haben prächtige Flügel, können Menschen manipulieren und sind immer nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Die Sichtweise auf die normalerweise glorifizierten Himmelswesen finde ich äußerst interessant und hat mich selbst angesprochen, denn die Nephilim verkörpern hier das Böse, den Feind der Menschheit. Ich mag es, ein Thema mal von einer anderen Seite zu beleuchten, das erweitert den Horizont und lässt einen über den Tellerrand hinausblicken. 

Der Schreibstil war wirklich sehr gut zu lesen. In klaren Sätzen schildert die Autorin die Ereignisse und nahm mich bald auch Emotional total gefangen. Ich habe mich total schnell mit dem Stil anfreunden und in die Geschichte einfinden können. Gant toll fand ich die große Rückblende ca. in der Mitte des Buches, in der vergangene Ereignisse aus Sicht einer damals involvierten Person geschildert werden. Hier konnte Trussoni mir wunderbar das savoir vivre der 1920 bis 1940er Jahren näher bringen. Die alten Autos oder aber auch die Furcht vor der Invasion der Nazis kamen ganz real herüber. Spannung wurde innerhalb dieser Rückblende erstmals richtig aufgebaut und man versteht hinterher vieles besser, stellt aber weiterhin verschiedenste Vermutungen an. Spannend wird es dann auch in der eigentlichen Handlung, und wie! 

Die Charaktere konnten mich auch sehr schnell überzeugen. Evangeline war mir schnell sympathisch, ich konnte nur nie nachvollziehen, dass dieses wunderbare Mädchen eine Nonne ist! Vielleicht sind es Vorurteile, aber sie kam mir von Anfang an sehr weltlich vor, auch als sie sie strikt nach den Regeln des Konvents gelebt hat. Total fasziniert hat mich Gabriella, ihr ganzen extravagantes Wesen und wie sie ihre Freundin Celestine behandelt hat, haben bei mir ganz viele Fragezeichen hinterlassen. Verlaine wird in den Kampf der Angelologen mit den Nephilim hineingezogen, ist erst verschreckt und verwirrt, nimmt sein Schicksal dann aber recht schnell an und findet Gefallen an unserer hübschen Nonne. 

Die Gestaltung des Schutzumschlags finde ich außerordentlich schön. Hauptsächlich schwarz, durchsetzt mit glänzenden, silbernen Elementen und dem roten, wehenden Schal, wirkt alles zusammen wie eine perfekte Komposition, die die Augen auf sich zieht. 

Insgesamt findet man in „Angelus“ von Danielle Trussoni einen Fantasy Roman mit Abenteuer- und Misteryelementen, außerdem eine Engelsdarstellung die nicht so verklärt und romantisiert ist, wie allgemein üblich und ein nicht alltägliches oder vorhersehbares Ende! Ein wirklich tolles Buch, das ich jedem nur ans Herz legen kann!



von Danielle Trussoni
Gebundene Ausgabe: 656 Seiten 
Verlag: Droemer (22. Februar 2010) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3426198789 
ISBN-13: 978-3426198780 
Originaltitel: Angelology

Rezension vom 02.08.2012


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