Donnerstag, 3. Mai 2012

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry - Rachel Joyce

So findest du den Weg zu dir selbst 

Harold Fry ist seit einigen Monaten im Ruhestand und sitzt in dieser Zeit etwas apathisch in seinen vier Wänden. Mit seiner Frau Maureen führt er schon lange keine richtige Ehe mehr und so ist sie doppelt geschockt, als Harold eines Tages zum Briefkasten geht um einen Brief an eine alte Freundin einzuwerfen und nicht mehr wieder kommt. Denn diese Freundin hat Krebs und Harold will zu ihr Laufen um eine alte Schuld zu begleichen. Von Kingsbridge in Südengland nach Berwick UponTweed in Schottland, über 800 Kilometer. Ob Harold diese Strecke zurücklegen kann? 

Ein sehr interessantes Buch um Schuld und Unschuld, um Vergebung für andere und vor allem für sich selbst, ein Buch über den Weg und die Suche nach sich selbst. Es steckt viel in diesen Seiten, die Metamorphose eines Mannes, der als Kind nie geliebt wurde, die Begegnung vieler unterschiedlicher Menschen, unterschiedlicher Ansichten. All das gepackt in 384 Seiten Buch. Mir hat vor allem die Beschreibung der vielen verschiedenen Orte gefallen, durch die Harold während seiner Pilgerreise kommt. Die körperlichen Strapazen waren sehr realistisch beschrieben und dennoch hat Harold sich das alles selbst eingebrockt, seien die Motive noch so ehrenvoll. Während des Lesens mochte ich das Buch eigentlich recht gern, trotzdem konnte ich mich nie richtig dazu motivieren, es wieder zur Hand zu nehmen. 

Der Schreibstil war sehr angenehm zu lesen. Er war eher gesetzt und unaufgeregt, es gab viele Beschreibungen, die ich wirklich gern gelesen habe. Es wurde immer auf ein Ziel hingearbeitet, die Ankunft in Berwick, dennoch gab es keine Höhepunkte in der Geschichte. Natürlich wird man immer vom Gedanken begleitet, ob Harold es schaffen oder irgendwann aufgeben wird, aber eigentlich war ich immer recht zuversichtlich, da die Situationen nie so vertrackt waren, als das sie nicht hätten gemeistert werden können. Meistens liest man die Wanderung von Harold, doch zwischendurch besucht man auch Harolds Frau Maureen und erfährt, wie sie mit der Situation umgeht. 

Harold steht hier natürlich im Mittelpunkt. Man ist ganz bei ihm, seiner Pilgerreise, seinen Gedanken und seiner Vergangenheit, dennoch viel es mir einfach schwer, mich in einen Mitt-Sechziger hineinzuversetzen. Er blieb mir immer fern, ich konnte vieles nicht richtig nachvollziehen, was er z.B. in seiner Kindheit erlebt hat. Alle anderen Personen, bis auf seine Frau Maureen, sind nur Randfiguren im Theaterstück von Harolds Leben. Maureen ist mit den Jahren sehr verbittert geworden, putzt jeden erdenklichen Fleck in ihrem gemeinsamen Haus mehrmals, um nur nicht mit Harold reden zu müssen. Was genau dahintersteckt, erfährt man im Laufe der Pilgerreise. 

Das Cover ist schön geworden, aber unauffällig. Im Vordergrund sind Harolds Segelschuhe zu sehen, die er während seiner gesamten Reise nicht ablegt. Der Schutzumschlag passt hervorragend zum Inhalt des Buches. 

Im Großen und Ganzen fand ich die Reise mit Harold von Kingsbridge nach Berwick ganz nett, zu Selbstfindung und Vergangenheitsbewältigung, oder auch als Eherettungsanker scheint eine Pilgerreise etwas zu taugen. Dennoch ist „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ von Rachel Joyce einfach eine Art von Buch, die mich nicht so zu fesseln und zu begeistern vermag, wie manch andere.



von Rachel Joyce
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten 
Verlag: Krüger, Frankfurt; Auflage: 1 (16. Mai 2012) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3810510793 
ISBN-13: 978-3810510792 

Rezension vom 02.05.2012

Vielen Dank an den Krüger-Verlag für das Wander-Rezensionsexemplar!

Kommentare:

  1. Hi,
    ich fand das Buch auch ganz nett. Wirklich was negatives ist mir auch nicht aufgefallen. Dennoch habe ich es ganz gut bewertet.
    Vielel Grüße
    Jennifer

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    1. Hi Jennifer,
      ja, so ging es mir auch. Aber so richtig viel Positives fällt mir dazu auch nicht ein...

      LG
      Kathi

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  2. Gerade gestern hab ich es ausgelesen :) Wie du schreibst, war das Buch nicht so fesselnd, ich fand es sehr ruhig. Aber genau das hat mir gut gefallen.

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    1. Ich habe nichts gegen Bücher mit einer eher ruhigen Grundstimmung (siehe "Wintermoor"), aber irgendwie war Harold einfach nicht so mein Ding...

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