Donnerstag, 17. Mai 2012

Das Kind - Sebastian Fitzek

Der Tod und das Leben 

Robert Stern, einer der besten Strafverteidiger Berlins, wird von seiner Ex-Freundin Carina zu einem verlassenen Fabrikgelände bestellt, wo sie ihm den kleinen Simon vorstellt. Simon hat einen Hirntumor und glaubt in einem früheren Leben Menschen ermordet zu haben. Seine Angaben sind jedoch so präzise, dass sie tatsächlich zu einem Leichenfund führen. Natürlich glaubt Stern nicht an Wiedergeburt und will den Fall zuerst nicht übernehmen, doch plötzlich erhält er einen weiteren Ansporn, denn ein Verrückter hat dem Anwalt eine DVD zugespielt, auf dem der Tod seines Babys vor 10 Jahren zu sehen ist. Welche Verbindung gibt es zwischen seinem toten Sohn und Simons Morden? 

Einen dichten Psychothriller haben wir hier wieder vorliegen. Er stammt aus der Feder des mittlerweile bekanntesten Thriller Autors Deutschlands: Sebastian Fitzek. Seit Jahren lese ich seine Bücher unglaublich gerne und auch „Das Kind“ hat mich nicht enttäuscht. Im Mittelpunkt stehen der psychisch angeknackste Anwalt Robert Stern, die Krankenschwester Carina und ihr kleiner Patient, der 10-jährige Waisenjunge Simon, der glaubt ein Mörder zu sein. Diese unglaubliche Geschichte wird schnell sehr vertrackt, als sich ein unbekannter, verrückter Straftäter einschaltet, der behauptet Informationen über Sterns Sohn zu haben, der vor 10 Jahren gestorben ist. Ich wusste wirklich lange nicht, worauf der Plot hinauslaufen sollte, wer der Verrückte, die „Stimme“ ist und ob Simon tatsächlich wiedergeboren wurde. Besonders dieses Detail bleibt bis ganz zum Schluss im Dunkeln. 

Der Schreibstil von Fitzek ist mal wieder sehr eindringlich, dabei aber leicht und flüssig zu lesen. Er weiß gekonnt und schnell einen Spannungsbogen aufzubauen, der die ganze Zeit über ansteigt und dem Leser kaum eine Verschnaufpause gönnt. Die Ereignisse beginnen sich ab der Mitte des Buches zu überschlagen und spätestens dann, kann man es nicht mehr aus der Hand legen. Dennoch hat es mich nicht so sehr gepackt wie „Die Therapie“ oder „Der Seelenbrecher“, welche aber meiner Meinung nach auch echte Ausnahme-Thriller sind. 

Ein weiteres unschlagbares Talent des Autors sind seine unnachahmlichen Charaktere, die er für seine Thriller kreiert. Alle mit wirkenden Personen sind absolute Originale angefangen von Robert Stern, dem verkappten Anwalt, über Carina und Borchert bis hin zu Simon. Stern ist ein Protagonist, den ich nicht von Anfang an sympathisch fand. Meine Sympathie hatten zuerst Carina und der todkranke Simon. Erst später hat es Stern geschafft, mich für sich einzunehmen, was aber der Entwicklung seines Charakters zu Grunde liegt. Borchert ist ein Fall für sich: Er ist der Mann fürs Grobe, der Stern oftmals den Weg ebnet, mit dessen Methoden der Anwalt aber nicht immer einverstanden ist. Alle Protagonisten sind einzigartig und großartig ausgearbeitet. 

Das Cover des Taschenbuchs ist wunderbar düster. Es ist eine Brücke zu sehen, auf der sich ein Kinderschatten abzeichnet. Der Himmel ist bewölkt und es herrscht Zwielicht. Ich finde es sehr passend und gelungen. 

Insgesamt hat mich der Psychothriller „Das Kind“ von Sebastian Fitzek mit einem gut konstruierten und undurchschaubaren Plot, sowie wunderbaren Charakteren wieder überzeugen können und ich kann das Buch allen Thriller-Liebhabern getrost weiterempfehlen!



von Sebastian Fitzek
Taschenbuch: 400 Seiten 
Verlag: Knaur (10. März 2009) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3426637936 
ISBN-13: 978-3426637937

Rezension vom 17.05.2012

Kommentare:

  1. Hallo Kathi,

    ich bin ja ein bekennender Fitzek-Fan der ersten Stunde und obwohl ich all seine Bücher liebe und großartig finde, ist "Das Kind" nicht mein Lieblingsbuch dieses genialen Autors (das ist nämlich "Der Seelenbrecher"/"Splitter").

    Allerliebste Grüße von
    Sabine

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    1. Ich habe auch noch kein Buch gefunden, das es mit dem "Seelenbrecher" aufnehmen kann. Der erste Barclay "Ohne ein Wort" kommt an Spannung und Atemlosigkeit fast heran, aber nur fast...^^

      LG
      Kathi

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  2. Ich finde den Roman nicht wirklich überragend.

    Viele der Wendungen wirken nicht nachvollziehbar, weder für die Figuren des Romans noch für den Leser, der – mehr als dies bei einem Roman der Fall sein sollte – einen festgelegten Pfad entlang und dabei doch in die Irre geführt wird.
    Fitzek bedient sich dabei vor allem einer wechselnden Erzählperspektive, die den Figuren der Handlung folgt, die Geschehnisse aus deren Sicht darstellt und Einblicke in ihre jeweilige Gedankenwelt bietet. Dabei entstehen gelegentlich durchaus spannende Cliffhanger – lediglich im letzten Akt wird durch dieses Stilmittel indirekt für eine sehr häßliche Überraschung gesorgt, wenn Informationen bekannt werden, die völlig aus dem Blauen heraus und ohne jede Vorausdeutung kommen, ja sogar bisherigem Wissen widersprechen. Besonders letzteres fand ich sehr frustrierend.

    Der Aspekt des Übernatürlichen und Esotherischen wird in dem Buch trotz des zentralen Themas von Reinkarnation und früheren Leben eher spärlich behandelt, was in diesem Falle aber nichts schlechtes ist. Stern, der Protagonist, steht dem Konzept mit einer gesunden Skepsis gegenüber, die aber im Verlaufe des Buches immer wieder ins Wanken kommt.
    Er – und mit ihm der Leser - wird hier und da häppchenweise mit Informationen und Theorien versorgt, ohne daß dabei die Handlung ernsthaft unterbrochen oder irgendetwas tatsächlich erklärt wird.
    Hier ist es lediglich das Ende, welches negativ auffällt, indem es erst eine Erklärung bietet, sich dann aber nicht daran hält. Ich als Leser wurde, genau wie der Protagonist, am Ende ratlos zurückgelassen, in einer Situation, die noch dazu an Schmalzigkeit kaum zu übertreffen ist.

    Über all dem schwebt während eines Großteils der Handlung das Thema des organisierten Kindesmissbrauchs und -handels, und hier scheint der Autor alle Hemmungen verloren zu haben. Nicht einmal in den einschlägigen Regenbogenblättern liest man von derart abscheulicher Bösartigkeit, wie sie die Antagonisten in diesem Werk an den Tag legen.
    Wenn zum Beispiel ein Kinderschänder-Pärchen und eine in Gewalttätigkeiten ausartende Missbrauchsszene in allen brechreizerregenden Details geschildert werden, kommt kein Klischee zu kurz – von offensichtlichen Verkleidungen mit Pistole, Perücke und Sonnenbrille bis hin zur sadistischen Schadenfreude, wenn jemand drittes gezwungen werden soll, der Schandtat hilflos als Publikum beizuwohnen.
    Derart überspitzte Elemente hätten dem Roman durch ihr Fehlen mehr genützt. Ihr Vorhandensein erzeugt unfreiwillig ein diffuses Gefühl der Unwirklichkeit, welches sich zu sehr mit dem eigentlichen Grauen der Szene beißt, als daß letzteres noch wirksam wäre.

    Unterm Strich ist bei alldem ein Thriller herausgekommen, der ein paar dicke Mängel aufweist.
    Die Charaktere lassen sowohl an Hintergrund als auch an Tiefgang zu wünschen übrig und die Handlung ist verwirrend, widersprüchlich und klischeebeladen.

    Das ist natürlich nur meine eigene Meinung, und wie gesagt, ich kann nichts über die anderen Romane von Sebastian Fitzek sagen. Aber diesen hier empfehle ich liegenzulassen, und vielleicht lieber einen jener anderen auszuprobieren.

    - Leseratte

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    1. Gott sei Dank sind die Geschmäcker verschieden!!!

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