Mittwoch, 11. Januar 2012

Retrum - Francesc Miralles

Wo die schwarzen Seelen wohnen 

Christian schafft es nicht, den Tod seinen Zwillingsbruders Julian zu verschmerzen. Er ist einzelgängerisch, regelrecht merkwürdig für einen 16-jährigen und kämpft mit sich und seiner Schuld. Der Jugendliche sitzt gerne in der Abgeschiedenheit des kleinen Dorffriedhofs und liest Gedichte des Lord Byron, als er eines Tages auf drei merkwürdige Gestalten trifft: Robert, Lorena und Alexia. Sie nennen sich „Die Blassen“ oder „Retrum“ und tragen schwarz, lungern auf Friedhöfen herum und schminken sich die Gesichter weiß. Christian, in seiner Seelenpein, ist fasziniert von der Truppe, vor allem von der schönen Alexia, in die er sich Hals über Kopf verliebt. Hätte er jedoch gewusst, auf welch wackligen Boden er sich da begibt, wäre er wohl lieber zu Hause geblieben… 

„Retrum“ ist ein düsterer Jugendthriller über einen Jungen mit düsterer Seele, der einen an jeder Ecke dunkle Gestalten sehen lässt. Die Handlung spielt oft nachts und auf Friedhöfen, wie schon das Cover vermuten lässt. Die „Retrum“-Gruppe besteht aus lauter jungen Leuten, die irgendwie von der Gesellschaft nicht akzeptiert werden, oder sich selbst ins Abseits geschoben haben ob absichtlich oder unabsichtlich oder einfach um zu rebellieren. Ich fand die Geschichte sehr interessant, da es etwas anderes war, als alles, was ich bisher so gelesen habe, aber ich hätte mir eine ausführlichere Beschreibung der Friedhofs-Reise der vier „Blassen“ gewünscht. 

Der Schreibstil von Francesc Miralles ist schön einfach und flüssig zu lesen. Aber trotzdem ist er irgendwie anders und ungewohnt. Dies ist mir schon bei „Puerta Oscura“ aufgefallen, nur ist die Übersetzung von „Retrum“ um einiges besser gelungen. „Retrum“ ist durchweg spannend, auch wenn ich mir irgendwann denken konnte, was des Rätsels Lösung sein würde. Jedes Kapitel beginnt mit einer Verszeile eines Liedes oder Gedichts, das in dem jeweiligen Kapitel eine Rolle spielt. 

Die Charaktere waren mir ein wenig zu blass geraten. Alexia, Lorena und Robert sind alle sehr interessante Charaktere, die aber leider zu wenig ausgefüllt und beleuchtet wurden. Nur mit Christian war ich einigermaßen zufrieden. Ich konnte mich zumindest ein wenig in ihn hineinversetzen, auch wenn mir diese dunklen und selbstzerstörerischen Gedankengänge weitestgehend fremd sind. Alba, Christians Banknachbarin in der Schule, fand ich unglaublich sympathisch und liebenswert. Sie war neben Christian, der best ausgearbeitete Charakter. 

Das Cover der hochwertigen Klappenbroschur ist total klasse und ein richtiger Blickfang. Dunkle Grabsteinsilhouetten erheben sich vor einem Hintergrund, der aussieht wie graues, zerknittertes Papier. Der Titel in dunklem Lila und in Spotlackoptik auf dem Cover aufgebracht. Ich finde es sehr schön! Der Buchschnitt des gesamten Buches ist schwarz eingefärbt, was den Effekt des Covers noch verstärkt. 

Insgesamt war „Retrum“ von Francesc Miralles ein gut zu lesender und interessanter Jugendthriller um dunkle Orte und mit einem schönen Verwirrspiel. Ein durchaus lesenswertes Buch! So wie es aussieht ist dies der Auftakt einer Reihe, wobei ich nicht genau weiß, um was es im zweiten Teil gehen soll. Lassen wir uns überraschen!



von Franscesc Miralles
Broschiert: 345 Seiten 
Verlag: Loewe Verlag; Auflage: 1 (Januar 2012) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3785570384 
ISBN-13: 978-3785570388 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 - 16 Jahre

Rezension vom 11.01.2011

Mein herzlicher Dank gilt demVerlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


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