Freitag, 25. November 2011

Der eiserne König - John Henry Eagle

Knüppelsackattack!

Der junge Hans hat schon schweres in seinem Leben durchgemacht: Als Kind vor grausamen Eltern geflohen, wurde er von einer Hexe gefangen gehalten und gemästet. Nur seiner mutigen Schwester hat er es zu verdanken, dass er heute noch lebt. Nun ist seine Schwester Grete spurlos verschwunden und Hans hat sich der Räuberbande des grimmigen Räuberhauptmann Grimm angeschlossen, die räubernd und brandschatzend durch Pinafor zieht. Da treffen die Räuber an einem Fluss auf ein grünäugiges Mädchen mit einer Karte auf dem Rücken, die den Weg zur Esche weißt. Das Mädchen tötet alle Räuber mit einem gleißend grünen Licht. Nur Hans bleibt verschont, denn er wollte nicht bei der Folter mitmachen. Als er wieder zu sich kommt, ist er allein, alle Räuber sind tot und Hans ist verwundet. Er schleppt zur Kate der alten Muhme, die ihn wieder gesund pflegt und zusammen reisen sie zu den weisen Weibern, von wo aus ein großes Abenteuer beginnt, das viel Mut und treue Gefährten erfordert, denn der eiserne König droht Pinafor in den Abgrund zu reißen…

Hier haben wir eine Märchensatire vorliegen, die im Gewand eines großen Fantasy Romans daherkommt. Es gibt ein Land, das vor dem Untergang bewahrt werden muss, treue Gefährten, deren Namen stark an bekannte Märchenfiguren erinnern und die ziemlich mit ihrer jeweiligen Vergangenheit zu kämpfen haben, in der böse Stiefmütter oder Königinnen eine große Rolle spielen und auch sprechende Tiere.  Außerdem gibt es natürlich Bösewichte und deren Schergen, wie die Säbelarmigen Kultknechte oder den bösartigen, schuppigen Karontiden. Es werden große Schlachten geschlagen und Tode gestorben, aber es gibt keine kitschige Lovestory. Ein Glück!

Der Schreibstil ist zu Beginn sehr gewöhnungsbedürftig. Er ist sehr an die alten Volksmärchen angelehnt. Wenn man sich mal daran gewöhnt hat, ließ sich das Buch schön einfach lesen. Allerdings hat dieser Erzählstil auch zur Folge, dass man die Ereignisse eher als Zuschauer von außen erlebt, anstatt mitten im Geschehen dabei zu sein. Auch Gedankengänge der einzelnen Protagonisten bleiben meist im Verborgenen oder es wird nur der Gemütszustand erwähnt: Z.B. „Sneewitt fürchtete sich und Sanne weinte bittere Perlen“. So wird man als Leser eher außen vor gehalten und schaut von Oben auf die Ereignisse herab.

Die Figuren sind auch dementsprechend flach gehalten. Selbst Hans bleibt ungreifbar und die Horns, Harlungs, Hilcks und wie sie alle heißen, bereiteten mir zeitweilen richtige Schwierigkeiten, sie auseinander zu halten. Allein die Mädels Sneewitt, Sanne, Marleen und die alte Muhme waren für mich besser nachvollziehbar. Die konnte ich auch alle sofort auseinanderhalten. Hier gibt es wirklich keinen Preis für tiefgründige Charaktere, aber die gibt es in den alten Märchen nun mal auch nicht. Somit ist John Henry Eagle seiner Linie treu geblieben. Hans war mir übrigens am Anfang sehr sympathisch, doch leider rückt seine Figur im Laufe der Geschichte mehr in den Hintergrund, was ich wirklich schade fand.

Die Umschlaggestaltung des 650 Seiten dicken Hardcovers ist meines Erachtens wunderbar gelungen. Sie ist sehr schlicht gehalten mit dem graublauen und grünen Hintergrund auf dem die sieben schwarzen Raben zu sehen sind, die am Anfang der Story eine Rolle spielen. Allerdings nur am Anfang, danach sind sie verschwunden, weshalb ich vielleicht ein anderes Motiv gewählt hätte. Nichtsdestotrotz sieht es sehr gut aus!

„Der eiserne König“ von John Henry Eagle ist eine Märchenadaption im High-Fantasy Gewand, die oftmals etwas zäh zu lesen ist, mich aber dennoch mit ihrer Geschichte um die Gefährten Hans, Kuntz, Horn, Hardt, Maleen, Sneewitt, Sanne, die Muhme, Fuchs und Meister Grimmbart begeistern konnte! 



von John Henry Eagle
Gebundene Ausgabe: 650 Seiten 
Verlag: Fischer Fjb; Auflage: 1 (5. September 2011) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3841421172 
ISBN-13: 978-3841421173 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 16 Jahre

Rezension vom 25.11.2011

Ich bedanke mich recht herzlich beim FJB Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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