Sonntag, 2. Oktober 2011

Der Trakt - Arno Strobel


Wenn du nicht weißt, wer du bist…

Sybille Aurich erwacht  nach einem Alptraum, in dem ihr kleiner Sohn entführt wird, in einem abgeschlossenen, fensterlosen Klinikraum und wird von einem Arzt aufgeklärt, dass sie zwei Monate bewusstlos war, weil sie überfallen und niedergeschlagen worden ist. Außerdem versucht er ihr zu erklären, dass sie überhaupt keinen Sohn hat. Sybille ist völlig verwirrt und flieht aus dem Krankenhaus, in dessen Keller sie festgehalten wurde. Nun beginnt für sie eine wahre Tortur, denn ihr Ehemann und ihre beste Freundin erkennen sie nicht. Nur mit Hilfe einer resoluten älteren Dame namens Rosie versucht die junge Frau herauszufinden, ob die Geschichte, die ihr der Doktor aufgetischt hat, auch der Wahrheit entsprich und was mit ihrem Sohn passiert ist.

Ich bin mit relativ hohen Erwartungen an dieses Buch herangegangen, da ich schon so viele positive Meinungen dazu gelesen habe. Das war wohl mein Fehler, denn die Geschichte blieb etwas hinter meinen Erwartungen zurück. Es beginnt sehr vielversprechend mit der Szene im abgeschlossenen Krankenzimmer und Sibylles Flucht aus diesem. Doch dann wurde es mir ein wenig zu obskur, als sie rein zufällig die alte Dame Rosie trifft, die ihr dann hilft. Mir war leider auch relativ schnell klar, worauf alles hinauslaufen wird und ich sollte Recht behalten.

Der Schreibstil von Autor Arno Strobel hat mir sehr gut gefallen. Manchmal war er mir ein wenig „zu Deutsch“. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber es ist so ein Gefühl, dass sich beim Lesen einstellt. Dabei lese ich sehr viele Bücher von deutschen Autoren.  Es wird sehr leicht und schnell Spannung aufgebaut und das Buch ließ sich insgesamt sehr flüssig und schnell lesen. Dennoch hatte ich zwischendurch das Problem, dass ich das Interesse an der Story verloren habe, aber ich wurde glücklicherweise wieder eingefangen und meine Aufmerksamkeit konnte dann gehalten werden, auch wenn ich wusste, wo die Reise hingeht.

Die Personen waren insgesamt sehr gut konstruiert und ausgefeilt. Die Hin- und Her-gerissenheit von Protagonistin Sibylle war sehr realistisch beschrieben und auch ihre Panik und Ängste kamen sehr glaubhaft herüber. Rosie war mir sehr sympathisch, aber ich weiß nicht, ob es solche Menschen in Wirklichkeit auch geben kann? Rössler war für mich von Anfang an irgendwie ein Mensch, den ich nicht mögen mochte oder konnte. Warum, möchte ich euch hier nicht verraten.

Das der Psychothriller hat ein sehr schlichtes, aber stimmungsvolles Cover. Man sieht ganz unten einen Krankenhausgang mit Linoleumboden, der zu einem hellen Fenster führt. Der Rest des Covers ist schwarz, nur der Buchtitel ist groß, erhaben und in Spotlackoptik aufgebracht. Mir gefällt es wirklich sehr gut.

Ich finde es ein wenig schade, dass meine hohen Erwartungen nicht ganz erfüllt wurden, aber ich wurde trotzdem ganz gut unterhalten, auch wenn mir die Story ein wenig zu vorhersehbar geraten ist. Ich empfehle „Der Trakt“ von Arno Strobel trotzdem gerne weiter, denn ich fand die Thematik und Idee, die dann hinter der Auflösung steckt, eigentlich recht gut gelungen und ich denke, dass es genügend Leser/innen gibt, die nicht sofort hinter die Lösung kommen werden!



von Arno Strobel
Broschiert: 359 Seiten 
Verlag: Fischer; Auflage: 6 (1. April 2010) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3596186315 
ISBN-13: 978-3596186310

Rezension vom 02.10.2011

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