Sonntag, 9. Oktober 2011

Das Wörterbuch des Viktor Vau - Gerd Ruebenstrunck

Die exakte Sprache birgt große Gefahren!

Viktor Vau ist ein Wissenschaftler, wie er im Buche steht: Einzelgänger, ritual- und ordnungsliebend und er hegt nur sehr wenige soziale Kontakte. Und er führt immer ein kleines, schon sehr abgegriffenes Notitzbüchlein mit sich: Sein Wörterbuch, in dem er Grammatik und Vokabular seiner entwickelten Plansprache in akkuraten kleinen Buchstaben aufgeschrieben hat. Als er die Einladung erhält im afrikanischen Staat Dagombé eine Botschaft zu entschlüsseln, reist er nur wiederwillig von der Hauptstadt der Union nach Afrika und übergibt seine klinischen Studien seiner neuen Assistentin Astarte. Von nun an stürzen die Ereignisse über Viktor Vau nur so herein und er hätte nie zu träumen gewagt, dass drei Geheimdienste hinter seinem Wörterbuch her sein würden. Was steht so Gefährliches in dem kleinen Büchlein?

Gerd Ruebenstrunk hat seine Geschichte um den Wissenschaftler Viktor Vau in einer fiktiven zukünftigen Gesellschaft angesiedelt, die sich mit einem allumfassenden Überwachungsstaat vergleichen ließe. Jeder wird auf Schritt und Tritt kontrolliert und überwacht, der Staat hat aus der Hauptstadt eine Planstadt gemacht und es gibt viele unzufriedenen Bürger in diesem System. Gereist wird mit Flugzeugen oder Zeppelinen, ansonsten mit Autos und der Metro oder kleinen Gyroscootern. Was das genau für Gefährte sind, konnte ich leider nirgends herauslesen. Bei der Union muss es sich um einen Zusammenschluss vieler Staaten zu einem riesigen Staat handeln, der in Europa angesiedelt ist und über dessen Grenzen hinausreicht. Genaue Angaben sind im Buch leider nicht zu finden.

Ich habe ein wenig gebraucht, um in diese Geschichte hineinzufinden, denn man wird abrupt in das Geschehen geworfen. Man erhält zwar eine Einführung der Figur Viktor Vaus, aber die Welt um ihn herum wird kaum oder gar nicht erklärt. So erfährt man erst nach und nach, dass das Buch nicht in unserer Welt bzw. Zeit angesiedelt sein kann. Den Schreibstil des Autors möchte ich auch als gewöhnungsbedürftig beschreiben. Mir fiel es zu Beginn nicht leicht, voll in Viktors Welt abzutauchen, denn irgendwie wollte der Schreibstil mir nicht richtig flüssig von der Hand gehen. Als Jugendlicher Leser hätte ich das Buch bestimmt zur Seite gelegt. Aber die Story insgesamt konnte mich fesseln und während mich unterschiedlichen Handlungsstränge am Anfang noch verwirrten, bildeten sie im Verlauf des Buches ein immer besser zusammenpassendes Bild und ich wollte unbedingt wissen, wie am Schluss alles zusammenläuft. Dies ist auch zur meiner Zufriedenheit geschehen.

Die Protagonisten sind, bis auf Viktor Vau und Astarte, seine Assistentin, für mich nicht richtig greifbar gewesen. Gerade Enrique und Marek waren mir sehr suspekt und die drei Gehimdienstler de Moulinsart, Winter und Fitzsimmons schienen mir hier gar nicht reinzupassen. Die innere Rivalität der Drei nimmt auch manchmal wirklich lächerliche Züge an. Manchmal schien es mir, dass es Fitzsimmons und de Moulinsart in diesem Buch nur gab, damit Viktor Vau von irgendwem gesucht werden kann. Viktor Vau war mir von Anfang an sehr sympathisch und auch Astarte möchte ich gleich.

Die Aufmachung des Buches ist richtig toll gelungen! Die Klappenbroschur ist dem Wörterbuch des Viktor Vau nachempfunden und sieht wie ein abgegriffenes Notizbuch aus, mit einem Gummi drum herum. Wenn man mit den Fingern über das Cover streicht, fühlt man die Erhebungen der Nieten und die Rillen des Gummis. Wunderbar!

„Das Wörterbuch des Viktor Vau“ war für mich jetzt keine Buchoffenbarung, dafür bin ich irgendwie zu lange völlig im Dunkeln getappt, was die Handlungsstränge anbelangte. Diesmal hat es bei mir nicht die Spannung gesteigert, sondern eher Frustration ausgelöst. Dennoch hat die Geschichte einen gewissen Reiz, dem ich mich nicht entziehen konnte, so dass ich das Buch zum Ende hin sehr gerne gelesen habe!



von Gerd Ruebenstrunk
Taschenbuch: 416 Seiten 
Verlag: Piper; Auflage: 2 (März 2011) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3492702244 
ISBN-13: 978-3492702249


Rezension vom 09.10.2011

Mein herzlicher Dank gilt dem  Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Kommentare:

  1. Trotz Kritikpunkten hat mich deine Rezi nur noch neugieriger gemacht. Das Buch steht schon bei mir und wartet nur noch darauf, gelesen zu werden. :-)

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  2. So soll es auch sein! Danke, liebe Friederike! Ich finde es eh total interessant, wie andere "meine Kritikpunkte" empfinden. Ob sie es auch stört, oder ob es genau die Punkte sind, die sie gut finden... also, ich bin total gespannt, wie dir das Buch gefällt!

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