Donnerstag, 8. September 2011

Endzeit - Liz Jensen

Düstere, ziemlich nahe Zukunftsvision

Die nach einem Autounfall von der Hüfte abwärts gelähmte Psychotherapeutin Gabrielle Fox versucht sich in einer neuen Stadt mit einem neuen Job ein neues Leben aufzubauen. Mit Menschen, die sie nur mit Rollstuhl kennen, und nicht die langbeinige Schönheit Gabrielle von vor dem Unfall. Sie nimmt einen nicht ganz einfachen Job in einer Anstalt für gestörte Jugendliche an und bekommt es mit einem unheimlichen Mädchen namens Bethany Krall zu tun. Bethany hat ihre Mutter mit einem Schraubenzieher erstochen, kann oder will sich aber nicht an die Tat erinnern. Sie ist ein mehrfach psychisch gestörtes 16-jähriges Mädchen und beginnt schlimme Naturkatastrophen wie ein Erdbeben oder einen Vulkanausbruch vorherzusagen, die dann auch wirklich eintreten. Doch dann macht Bethany die Voraussage vom „großen Trübsal“, eine Katastrophe nie da gewesenen Ausmaßes…

In diesem Endzeit-Thriller mit dem passenden Titel „Endzeit“ stehen nicht die katastrophale Entwicklung der Natur im Vordergrund, sondern eine Therapeutin und ihre wirklich merkwürdige und unheimliche Patientin. Natürlich ist es befremdlich, sich ein England mit hochsommerlichen Temperaturen an die 40 Grad Celsius im Oktober vorzustellen, doch dies sind eher die Begleitumstände, die das Buch noch interessanter machen, als es eh schon wäre, wenn die Handlung unter ganz normalen Umständen im Jahr 2011 angesiedelt wäre. Ich würde „Endzeit“ sogar in der Kategorie Wissenschafts-Thriller einordnen, der jedoch nicht ganz so wissenschaftlich geschrieben ist, wie z.B. Schätzings „Der Schwarm“ oder „Biosphere“ von William Fahy.

Der Schreibstil von Liz Jensen ist sehr angenehm zu lesen. Ich habe gleich von Beginn an in die Geschichte hineingefunden und konnte mich auch mit Protagonistin Gabrielle identifizieren. Am Anfang startet die Geschichte eher ruhig, es passiert noch nicht so viel, man muss erst mal aus Gabrielles Rollstuhlfahrer-Sicht seine Umgebung erkunden, lernt ihre Patientin Bethany Krall kennen und erlebt die vergeblichen Versuche Gabrielles, an das Mädchen heranzukommen. Später spitzt sich die Situation zu, die Spannung steigt an und ich war immer enttäuscht, wenn meine Haltestelle in der Bahn angesagt wurde, und ich das Buch aus der Hand legen musste. Gabrielle fungiert hier als Ich-Erzählerin und man erlebt hautnah, was es heißt, an einen Rollstuhl gebunden zu sein.

Die Figuren sind alle sehr lebendig und farbenfroh dargestellt. Sie haben Tiefe, Schärfe und Kontur und es hat mir keine Mühe gemacht, jede Person für mich anzunehmen, ob sie nun gut oder schlecht war. Gabrielle ist nicht nur körperlich sondern auch seelisch versehrt, gesteht sich das aber erst im Laufe des Buches ein. Sie war mir sehr sympathisch und ich hätte ihr gerne in traurigen Stunden beigestanden. Bethany ist eine arme, kranke Seele und sie ist manipulativ! Das Mädchen kann einem einfach nur leidtun. Eine wichtige Rolle spielt auch der Physiker Frazer Melville, der sich sehr für die Voraussagungen von Bethany interessiert. Auch mit ihm habe ich gleich sympathisiert, vor allem, weil er Gabrielle unterstützt und sie nicht für verrückt erklärt.

Das Cover der Klappenbroschur finde ich wahnsinnig gut gelungen. Ein Auge blickt einem aus einem schwarz-weiß Gesicht entgegen. Die Pupille ist das einzig farbige und stellt eine blaue Weltkarte dar, die uns mahnend entgegenspringt. Am unteren Rand ist ein sturmgepeitschtes Meer mit einer Reihe großer Blitze zu sehen, auch in Grautönen.

Mein Fazit lautet: Ein äußert lesenswerter Endzeit-Thriller, der dem Leser auch ein paar Gehirnzellen abfordert und nicht nur mit grauem Einheitsbrei aufwartet! Wer gerne Wissenschafts-Thriller liest, findet in „Endzeit“ von Liz Jensen mit Sicherheit ein Buch nach seinem Geschmack!



von Liz Jensen
Taschenbuch: 400 Seiten 
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. April 2011) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3423248440 
ISBN-13: 978-3423248440 

Rezension vom 08.09.2011

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