Dienstag, 17. Mai 2011

Totenmädchen - Mary Hooper

Manchmal entscheidet das Schicksal über Recht und Unrecht!

Oxford im Jahr 1650: Die junge Dienstmagd Anne Green wird von ihrem Arbeitgeber Sir Thomas Reade wegen Kindstötung angeklagt und vom Gericht zum Tod durch den Strang verurteilt. Nach der Hinrichtung soll ihr Körper der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden und ein paar renommierte Ärzte, sowie einige Studenten wollen eine Sektion an Anne vornehmen. Doch hier scheint sich ein Wunder anzubahnen: Ihre Augenlieder flattern! Ist Anne gar nicht tot?

Viel mehr gibt es zum Inhalt kaum zu sagen, außer, dass die Ereignisse im Sezierzimmer sich immer mit den Rückblenden auf Annes Leben abwechseln. So erfährt man, wie Anne überhaupt in diese prekäre Situation geraten ist und obwohl man genau weiß worauf die ganze Geschichte hinaus läuft, liest man doch gespannt und teilweise atemlos, was da alles geschehen ist. Ich war zeitweise entsetzt und wütend, was sich die hohen Herrschaften gegenüber dem gemeinen Volk und ihren Bediensteten herausnehmen konnten, ohne, dass sie belangt wurden!

Da dies mein erstes Buch von Mary Hooper war, war ich von ihrem flüssigen und sauberen Erzählstil angenehm überrascht! Sie hat es geschafft Spannung aufzubauen, obwohl das Ende und auch der Handlungsverlauf weitgehend bekannt waren! Wow, das schaffen nicht viele Schriftsteller! Die Sprache an sich war für ein Jugendbuch angemessen und einzelne unbekannte Begriffe, die aufgrund der Epoche, in der das Buch spielt, auftauchen, werden in einem Glossar am Ende des Buches toll erklärt und sind im Text mit einem Sternchen gekennzeichnet. In manchen Szenen benutzt Frau Hooper eine sehr detaillierte Sprache, um dem Leser das Grauen, das Anne durchstehen musste, auch wirklich zu verdeutlichen. Sie ist in den Rückblenden die Ich-Erzählerin, während die Kapitel im Sezierraum aus der dritten Perspektive geschildert werden.

Die wichtigen Charaktere sind sehr ausgereift, haben während des Lesens Tiefe und scharfe Konturen bekommen, so dass man gut in die Protagonisten eintauchen konnte. Anne Green ist ein sehr naives und unbedarftes Dienstmädchen in einem reichen Herrenhaus. Sie ist noch nie woanders hingekommen und kennt nur ihr Dorf. Dass so jemand schnell auf verführerische Versprechungen hereinfällt ist kein Wunder! Ich hätte Anne manchmal echt schütteln können!!! Ein weiterer Protagonist ist der junge Student Robert, aus dessen Sicht, aber mit allwissendem Erzähler im Hintergrund, man die Szenen erlebt, die nach der Hinrichtung Annes spielen. Er hat ein riesen Sprachproblem, dass Anne beinahe zum Verhängnis wurde! Alle weiteren Personen, sind, auch wenn sie für den Verlauf der Geschichte wichtig waren, Nebenpersonen, die man trotzdem gut visualisieren konnte.

Das Cover des Taschenbuchs gefällt mir ausgesprochen gut und passt auch zur enthaltenen Geschichte. Ein junges Mädchen liegt schlafend oder wie tot da, während der Rest des Bildes schwarz ist. Auf dem dunklen Untergrund ist der Titel in helleren, sandsteinfarbenen und gemusterten Lettern aufgedruckt.

„Totenmädchen“ von Mary Hooper ist ein sehr schöner Historischer Roman für Jugendliche und auch erwachsene Leser, der einen in die Zeit des frühen Barock in England entführt und einige der Gepflogenheiten und Missstände unbeschönigt aufzeigt. Aber manchmal sorgt das Schicksal für Gerechtigkeit!


Totenmädchen

von Mary Hooper
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: cbj (18. April 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570400727
ISBN-13: 978-3570400722
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 15 Jahre
Originaltitel: Newes from the Dead

Rezension vom 17.05.2011

Mein herzlicher Dank gilt dem   Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Kommentare:

  1. Das les ich auch gerade :-) Mal sehen, wie es mir gefallen wird. Obwohl mir eigentlich grad ehe nach fröhlicher Literatur ist.

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  2. So düster, wie es klingt ist das Buch gar nicht! Und es hat ein schönes Happy End! das darf man ja ausnahmsweise mal sagen, denn die Handlung und das Ende ist ja bekannt. *g*

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  3. Ich freu mich schon darauf, dass es in diesem Buch mal Gerechtigkeit geben wird. Es deprimiert mich immer, wenn die Bösewichte ihrer gerechten Strafe entgehen, und hier zeigen sich ja gleich mehrere Personen, die sich gegenüber Anne unmöglich benommen haben. Ich les gleich weiter :-)

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