Sonntag, 6. Februar 2011

Die Hunt-Chroniken: Der Schattenseher - Joseph Nassise

Von Geistern und einer verzweifelten Suche

Jeremiah Hunt ist blind, aber nicht blind im herkömmlichen Sinne. Er kann in der Dunkelheit zumindest soweit sehen, dass er sich zurechtfinden kann. Und er sieht Geister! Eigentlich war Hunt einst ein liebender Familienvater und Professor für Altnordische Schriften, doch nachdem seine Tochter Elisabeth durch seine Unachtsamkeit spurlos verschwunden ist, ändert sich alles: Er richtet sein Leben auf die Suche nach seiner Tochter aus und das wird zum exzessiven Wahn, dem sich seine Frau nicht länger beugen wollte. Sie verlässt ihn. Ab jetzt hatte Hunt nichts mehr zu verlieren! Mittlerweile ist er Berater bei der Polizei und freier Exorzist. Sein neuester Fall führt Hunt in eine noble Wohngegend, in der die Opfer in merkwürdigen Posen aufgefunden werden. Hunt und die Polizei tappen lange im Dunkeln…

In erster Linie sucht Geister-Seher Jeremiah Hunt seine kleine Tochter Elisabeth. Er ist gezeichnet von diesem Verlust und einem unheimlichen Ritual, dem er seine Fähigkeiten verdankt. Um diese Suche zu finanzieren nimmt er Berater-Jobs bei der Polizei an und vertreibt Poltergeister aus Wohnhäusern. Der Autor hat mit „Der Schattenseher“ einen sehr spannenden, übernatürlichen Auftakt zu einer neuen Serie geschaffen, die anders ist, als manch andere paranormale Serie. Dies ist vor allem dem Hauptcharakter zu verdanken, denn Hunt ist mir zu Beginn sehr unsympathisch gewesen.

Der Schreibstil des Autors ist flüssig und sehr gut zu lesen. Es wechseln sich kurze Kapitel ab, die jeweils mit „Heute“ oder „Damals“ übertitelt sind und enthalten entweder den aktuellen Handlungsstrang oder eine Rückblende in Hunts Vergangenheit, ab dem Zeitpunkt, an dem Elisabeth verschwand. So erfährt man nach und nach, was geschehen ist und warum und wie Hunt zu dem wurde, was er nun ist. Mit Voranschreiten des Buches und je mehr von seiner Vergangenheit enthüllt wurde, desto mehr konnte ich mich in den gebeutelten Vater hineinversetzen und mit ihm mitfiebern. Auch wird so die Spannung auf beiden Handlungsebenen aufrechterhalten und man wird zum Weiterlesen angetrieben. Die Auflösung am Schluss, hat mich zu einem gewissen Maße überrascht!

Die Charakterisierung vor allem von Jeremiah Hunt ist sehr intensiv. Man erfährt viel über seine Beweggründe und seine Verzweiflung auf der Suche nach seiner Tochter. Auch, dass er sich völlig vor der Öffentlichkeit abschottet, kann man mit der Zeit gut nachvollziehen. Die weiteren Personen werden nicht ganz so detailliert beschrieben. Am meisten erfährt man noch von Denise Clearwater, die, ab der Hälfte des Buches eine wichtige Rolle in der Geschichte einnimmt. Dimitri und Detective Staton bleiben eher blass.

Die Covergestaltung des 350 Seiten starken Paperbacks ist sehr interessant geraten. Verwischte Grautöne, die einen steinernen Hintergrund suggerieren, dominieren das Titelbild. Der Titel und eine steinerne Teufelsfratze heben sich glänzend und erhaben vor dem Hintergrund ab.

Der Auftakt der „Hunt-Chroniken“ ist definitiv ein magischer Thriller mit viel Potenzial! Gerne möchte ich wissen, wie es Jeremiah Hunt in seinen Rollen als Jäger und Gejagter ergeht! Der zweite Teil „Geraubte Seelen“ wird am 06.02.2012 als Knaur TB erscheinen und klingt sehr vielversprechend!


Die Hunt-Chroniken: Der Schattenseher

von Joseph Nassise
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: PAN (1. Dezember 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426283042
ISBN-13: 978-3426283042
Originaltitel: Eyes to see

Rezension vom 06.02.2011

Mein herzlicher Dank gilt demVerlag, für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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