Samstag, 8. Januar 2011

Wintergeister - Kate Mosse

Knochen und Schatten und Staub

Mit einem alten Brief in einer alten Sprache begibt sich ein junger Mann zu einem alten Antiquar mit der Bitte diesen, für ihn wertvollen, Brief zu übersetzen. Schnell entwickelt sich ein Gespräch zwischen den Beiden und der junge Mann erzählt seine Geschichte:

Im Dezember des Jahres 1928 unternimmt der junge Engländer Freddie Watson nach langer seelischer Krankheit eine Reise durch den Süden Frankreichs. Von der Trauer um seinen, im Krieg gefallenen, älteren Bruder George zerfressen, sucht er Schutz und Trost in Anonymität des fremden Landes. Er fährt mit seinem Automobil eine steile Bergstraße entlang, als ein Schneesturm aufzieht und die Straße in eine eisglatte Rutschbahn verwandelt. Freddie hat einen Unfall und schlittert fast in den steilen Abgrund. Sein Auto ist beschädigt und er begibt sich auf die Suche nach einer Menschenseele, die ihm helfen kann. Gleichermaßen begibt er sich auf die Suche nach sich selbst, der Liebe einer Frau und ihrem Geheimnis…

Eine wundervolle und einprägsame Geschichte hat die Autorin Kate Mosse hier geschaffen. Sie ist mit 224 Seiten zwar verhältnismäßig kurz, dies wird aber durch die Intensität und Klarheit der Erzählung mehr als wettgemacht! Ich bin versunken in den Worten und Beschreibungen, in der Atmosphäre dieses Buches. Diese ist sehr dicht und nimmt einen von der ersten Seite an gefangen!

Der Erzählstil Kate Mosses hat mir sehr zugesagt. Freddie Watson tritt hier als Ich-Erzähler auf, der seine Geschichte und Gefühle Preis gibt. Man erfährt unheimlich viel über seine innere Zerrissenheit und sein Nicht-loslassen-können. In Worten voller Poesie beschreibt die Autorin Umgebungen und Begebenheiten, lässt einen eintauchen in die Zeit, in der die Geschichte spielt. Sie lässt Figuren lebendig werden, Stimmungen auf den Leser überspringen, wie ich es bisher nur selten erlebt habe. Mein Interesse war die ganze Zeit da und ich wollte unbedingt wissen, wie es mit Freddie weitergeht!

Freddie Watson steht als Hauptprotagonist natürlich im Mittelpunkt des Geschehens. Eigentlich ist er ein netter, freundlicher und rechtschaffener junger Mann, von der Trauer um seinen Bruder gezeichnet, die ihn fast um den Verstand gebracht hätte. Manchmal lässt ihn das auch an seiner Wahrnehmung zweifeln. Die Nebencharaktere bleiben alle relativ Konturlos, denn sie haben nur kurze Auftritte, die der Geschichte aber sehr viel geben. Die Bewohner des Dorfes Null umgibt insgesamt eine geheimnisvolle Atmosphäre der Traurigkeit, die einem die die herrschende Kälte des Dezembers in die Glieder fahren lässt.

Die Umschlaggestaltung des dünnen Hardcovers ist wunderschön und ein echtes Highlight in jedem Bücherregal! Überwiegend in dunklem Blau gehalten, sieht man ein altertümlich anmutendes, schneebedecktes Bauernhaus, umspielt von silbernen, glänzenden Fäden, die Eis oder Gestrüpp darstellen könnten. Der Titel und der Name der Autorin sind in Weiß und in einer unregelmäßigen Schrift aufgedruckt. Das Coverbild fängt die Stimmung der Erzählung wunderbar ein! Das Buch ist außerdem ausgestattet mit einem eisblauen Lesebändchen.

Kate Mosses Werk „Wintergeister“ hat mich berührt und gefesselt, hat mich nachdenklich gestimmt und begeistert, so dass ich jedem, der gerne eine schöne, nicht ganz anspruchslose Geschichte, lesen möchte, dieses Buch nur wärmstens empfehlen kann!




von Kate Mosse
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Droemer (2. November 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426198908
ISBN-13: 978-3426198902
Originaltitel: The Winter Ghosts

Rezension vom 08.01.2011

Mein Dank gilt der  für die Bereitstellung des Leseexemplars!

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