Montag, 10. Januar 2011

Schweigt still die Nacht - Brenna Yovanoff

Keiner darf merken, was du bist…

Im Städtchen Gentry ist unter der strahlenden Hülle nichts so wie es scheint. Etwas Unvorstellbares geht hier vor, etwas Böses lebt unter den Menschen. Gentrys Bürger allerdings tun so, als wäre alles in bester Ordnung, tun so, als wäre mit Malcolm, Mackie, Doyle alles in Ordnung. Aber etwas stimmt nicht mit dem Jungen. Er ist anders als alle anderen. Ihm schmerzt Eisen auf eine grausame Weise, er verträgt kein menschliches Blut, diese Dinge machen ihn krank. Doch keiner sieht das Offensichtliche, bis auf das Mädchen Tate, das plötzlich nach dem Tod ihrer Schwester anfängt Fragen zu stellen. Mackie mit der Wahrheit zu konfrontieren, so dass er sich, auch von seinem Gesundheitszustand, genötigt sieht sich an die zu wenden, die so sind wie er. Plötzlich findet er sich in einer Welt voller Tod und Verderben wieder und doch versucht er mutig Tates Schwester zu retten.

Zu Beginn der Geschichte lernen wir den merkwürdigen Mackie Doyle kennen und sind verwundert über seine seltsamen „Krankheiten“, doch je weiter die Geschichte fortschreitet, ist das alles gar nicht mehr schlimm, denn Brenna Yovanoff hat mit ihrem Debutroman ein Buch geschrieben, das das Unnormale fast normal erscheinen lässt. Die Autorin baut am Anfang den Spannungsbogen auf und treibt die Geschichte rasant voran, so dass die Spannung nie mehr abbricht. Es ist schwer, das Buch aus der Hand zu legen!

Der Schreibstil der jungen Autorin ist flüssig, aber nicht zu einfach gehalten, so dann man über manche Stellen auch einmal nachdenken muss, die Worte auf sich wirken lassen kann. Sie zieht den Leser in ihre Geschichte hinein, wie ein Strudel den Ertrinkenden zum Meeresgrund zerrt. Und wenn man mal nicht lesen kann, sitzt die Geschichte doch irgendwo im Hintergrund immer dabei, egal was man macht, und zupft einen am Ärmel. Mackie ist hier der personelle Ich-Erzähler, aus dessen Perspektive man die Geschichte durchlebt.

Mackie ist ein merkwürdiger Junge, aber seinen Freunden Roswell, Danny und Drew ist das völlig egal. Obwohl er so anders ist, schließt man diesen Protagonisten sehr schnell in sein Herz und man wünscht ihm einfach nur, ein normales Leben führen zu dürfen. Mit seiner Familie und Freunden. Emma, Mackies Schwester ist ein sehr wichtiger Teil seines Lebens, ohne sie, wäre er nicht so, wie er jetzt ist muss er später erfahren. Alle Figuren sind liebevoll und detailliert ausgearbeitet. Auch wenn die Zwillinge keine so große Rolle spielen, kann man sich ein gutes Bild von den Beiden machen. Tate hat einen ziemlichen Dickkopf und wird von der Trauer um ihre Schwester Natalie angetrieben. Aber auch sie muss man schnell gern haben, denn die weibliche Leserin kann sich ganz gut in sie hineinversetzten.

Die Covergestaltung des Schutzumschlags ist ganz schön düster, was aber die Atmosphäre in diesem Buch nur zu gut wiederspiegelt. Ein dunkler, nebelumwogter Kinderwagen im viktorianischen Stil, über dem mehrere spitze Metallgegenstände hängen, bildet das Zentrum, über dem der Buchtitel in schwarzen, glänzenden Lettern prangt. Das Buch wäre mir auch in der Buchhandlung sofort ins Auge gesprungen und der Klappentext hätte mich auf der Stelle zum Kauf animiert, den ich niemals bereut hätte!

„Schweigt still die Nacht“ liest sich wunderbar an dunklen Herbst- oder Winterabenden, wenn der Wind um die Gemäuer heult und es drinnen warm, hell und gemütlich ist. Als überaus gruselig habe ich das Buch jetzt nicht empfunden, aber ein paar makabre Szenen tauchen doch auf, die möglicherweise nichts für ganz zart besaitete Seelen sind. Allen anderen kann ich diesen düsteren Fantasy Roman von Brenna Yovanoff nur sehr, sehr ans Herz legen!!!!



von Brenna Yovanoff
Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Script5 (15. Januar 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839001277
ISBN-13: 978-3839001271

Rezension vom 12.12.2010

Vielen Dank an das Team von Lies&Lausch und den Script5 Verlag!

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