Sonntag, 9. Januar 2011

Lappalie - Kirsten Marohn

Vergewaltigung verjährt nicht!

Eigentlich hat Jasmin Bolger alles, was ein Frauenherz begehrt: Eine tolle Eigentumswohnung, einen Schriftsteller zum Ehemann aus einer reichen Familie, einen sehr netten Schwager, einen Job, der ihr gefällt und einen tollen Hund namens Flocke. Doch ein Schatten aus ihrer Vergangenheit lastet schwer auf Jasmin, genannt Jazz, ein Ereignis, das schon 12 Jahre zurückliegt und langsam aber sicher ihre Ehe zerstört hat. Damals, an Silvester 1992, wurde sie von ihrem Schwiegervater Richard vergewaltigt und hat bisher mit keinem Menschen ein Wort darüber geredet. Die Last erdrückt Jasmin fast, doch meint sie zu glauben, es wäre ihre Schuld. Aber da ist noch Schwager Sven mit den chromblauen Augen, der immer zu ihr hält, und eines Tages erfährt er von ihrem Unglück…

Kirsten Marohn hat mit „Lappalie“ ein erdrückendes Schicksal einer jungen Frau gezeichnet, der Schlimmes wiederfahren ist, was keiner Frau jemals wiederfahren sollte! Wie bei vielen anderen Vergewaltigungsopfern, glaubt Jasmin, selbst schuld gewesen zu sein, dass ihr Schwiegervater sich an ihr vergangen hat. Manchmal glaubt sie, redet sich ein, es wäre niemals passiert. Doch innerlich zerbricht sie an dem Geschehenen, denn sie hatte ihrem Schwiegervater vertraut. Aber „Lappalie“ ist auch die Geschichte über eine starke Frau, Jasmin, die Mut beweist und sich aus ihrem Gefängnis befreit! Es ist auch ein Mut-mach-Buch!

Die Autorin schreibt sehr bildlich und erzeugt einen sehr schönen Lesefluss, der kaum unterbrochen wird. Die Protagonisten reden sehr viel miteinander. In diesen Gesprächen mit Jasmins Freundin Lisa, oder mit Sven kommt Jasmins innere Qual und Zerrissenheit deutlich zum Ausdruck. Sie möchte so gerne darüber reden, aber wenn es soweit ist, kommen ihr die Worte nicht mehr über die Lippen. Egal, wie oft sie sich die Sätze zu Recht gelegt hat. Einzig an einer Stelle fand ich diese Unterhaltungssequenzen zu langezogen, es wurde zu langweilig und wirkte irgendwann unecht und unglaubwürdig. Das war die Stelle im Supermarkt mit Lisa. Diese Sequenz hätte eine Kürzung vertragen können.

Jasmin ist eine liebenswerte Chaotin, die von ihrem Schmerz zerfressen wird. Sie hat Probleme in ihrer Ehe mit Henrik, sie kann sich ihm nicht hingeben und weint sehr oft. Ihre Gedanken kreisen nur um ihre Vergewaltigung vor 12 Jahren und um Sven. Henrik war für mich nie als Person greifbar, man erfährt über ihn meist nur durch Jasmins Gedanken und Erinnerungen an die Vergangenheit. Sven jedoch ist allgegenwärtig, stützt Jasmin und versucht ihr Halt zu geben. Bei ihm fühlt sie sich geborgen und zu Hause. Jasmin und Sven haben tiefe Konturen, man kann sie sich wunderbar vorstellen und sich auch ihn sie hineinversetzten, während Lisa und Henrik nur Randfiguren sind.

Das Hardcover Buch ist mit einem silbergrauen Lesebändchen versehen und die Umschlaggestaltung für meinen Geschmack recht ungewöhnlich. Eine blaue Bank steht vor einer lachsfarbenen Hauswand auf einem Grasstreifen. Die Farbe der Hauswand sticht einem sofort ins Auge, während die Parkbank Ruhe ausstrahlt. Der Buchtitel ist in der gleichen Farbe, wie die Hauswand nur der Name der Autorin steht in schwarzen Lettern auf dem glänzenden Umschlag aufgedruckt.

„Lappalie“ ist eine rührende Geschichte über das immer aktuelle Thema „Vergewaltigung“, gut und sensibel umgesetzt von Kirsten Marohn durch eine starke Protagonistin, die ihren Weg zu finden im Stande ist!



von Kirsten Marohn
Gebundene Ausgabe: 204 Seiten
Verlag: Books on Demand; Auflage: 2 (19. September 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3837066827
ISBN-13: 978-3837066821

Rezension vom 09.01.2011

Ich bedanke mir recht herzlich bei Kirsten Marohn  und BoD für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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