Freitag, 7. Januar 2011

Gone 01: Verloren - Michael Grant

Die Arena – Und mittendrinn: Kinder!

Plötzlich verschwinden alle Erwachsenen und Jugendlichen über 15 Jahre. Einfach in Luft haben sie sich aufgelöst und die Kinder des kleinen Städtchens Perdido Beach sind auf sich allein gestellt. Sam Temple ist 14, Surfer und sieht noch dazu ganz passabel aus. Zusammen mit seinem besten Kumpel Quinn und der Streberin Astrid macht er sich auf den Weg zur Plaza, dem Platz vor Kirche und Rathaus, wo sich alle Kids versammeln. Unterwegs sehen sie leere, ramponierte Autos, umgekippte Lastwägen und keine Spur von Erwachsenen. Nur Kinder! Als Sam todesmutig versucht ein kleines Mädchen aus dem Flammen eines brennenden Hauses zu retten wird er ungewollt zur Leitfigur der verstörten und verängstigten Kinder. Doch diese Herausforderung scheint zu groß für ihn, also macht er sich lieber mit Quinn und Astrid auf die Suche nach Astrids kleinem, autistischem Bruder. Sie entdecken, dass die ganze Stadt von einer durchsichtigen, undurchdringlichen Barriere umschlossen ist. Bald darauf taucht Caine von der Privatschule auf, der, ebenso wie Sam, die „Kraft“ hat und nun alle Befehlsgewalt an sich reißt. Eine grausame Zeit und ein Kampf um Leben und Tod beginnen, außerdem wird Sam bald 15!!!

Ich muss sagen, das Buch „Gone 01: Verloren“ hat mich wirklich überrascht und schockiert! Dass die Stadt in Chaos versinken muss, wenn es nur noch Bewohner unter 15 Jahre gibt, war mir klar, aber das 14-Jährige sich zum Diktator aufschwingen, sämtliche Gesetze aushebeln und grausame Willkür Einzug halten, fand ich schon heftig! 14-Jährige und Jüngere, die sich bis aufs Blut bekämpfen, frei nach dem Gesetz des Stärkeren: Wer die stärkste „Kraft“ hat, kann regieren. Und wieder einmal hängt es an einem einzelnen Jungen dem Schurken Einhalt zu gebieten. Der braucht aber ziemlich lange, bis ihm das klar wird und, ohne hier etwas vorweg nehmen zu wollen: Es hätte vielleicht nicht so weit kommen brauchen! Die Kids müssen übermenschliches leisten und ich frage mich wirklich, ob sie das in dem Alter überhaupt können! Eigentlich müssten sie nach der Hälfte des Buches physisch und psychisch zusammengebrochen sein.

Michael Grant hat hier wirklich ein spannendes, schockierendes und zermürbendes Werk geschaffen, von dem ich denke, dass es sich lohnt, es zu lesen, das will ich an dieser Stelle schon mal erwähnen. Mit Sicherheit werden sich an diesem Buch die Geister scheiden, wie es bei den „Tributen von Panem“ der Fall ist, wobei darüber viel mehr diskutiert wird. Das liegt vermutlich am unterschiedlichen Bekanntheitsgrad.

Der Schreibstil des Autors ist einem Jugendbuch angemessen: Leicht und flüssig fügen sich die Worte aneinander. Kurze Sätze, Abschnitte und Kapitel erlauben schnelles Lesen und voranschreiten der Geschichte, so dass die Spannung nie abbricht und es zu keiner Zeit langweilig wird. Ein zweiter Handlungsstrang um das Mädchen Lana gesellt sich bald zum Ersten um Sam und seine Gruppe. Immer wieder streut der Autor Passagen mit Lana ein und schafft so eine weitere dunkle Bedrohung und grausige Spannung, bis die beiden Handlungsstränge sich schließlich vereinen. Nicht mal zum Ende des Buches, als schon ein paar Geheimnisse gelüftet wurden, verrät der Autor was es mit der „Dunkelheit“ und der Barriere wirklich auf sich hat. Dies erfährt man hoffentlich in den Folgebänden „Hunger“ und „Leid“.

Die Protagonisten sind alles Kinder. Mal benehmen sie sich so, oft aber auch nicht. Oder zumindest glaube ich nicht, dass ein 14-jähriger Junge mit zerschossenem Knie nicht vor Schmerzen schreit oder die Besinnung verliert. Sam Temple ist eigentlich ein „Normalo“, aber irgendwie meinen alle, vor allem Astrid, er sei ein geborener Anführer. Nur möchte er diese Verantwortung zuerst nicht auf seinen zarten Schultern tragen. Das war für mich völlig nachvollziehbar. Astrid ist eine wahre Streberin und weiß auf so ziemlich alles eine Antwort. Nur jetzt hat sie plötzlich keine rationalen Antworten mehr und das kann sie gar nicht leiden, aber sie kümmert sich aufopferungsvoll um ihren kleinen Bruder Pete. Quinn ist Sams bester Freund, doch durch Quinns Verhalten wird ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt. Er ist trotzig, misstrauisch und ein wenig neidisch auf Sam. Die Personen, allen voran Sam, machen im Laufe der Geschichte eine Entwicklung durch, mal in die eine Richtung, dann in eine andere, aber es wird nie ermüdend, ihnen zu folgen!

Das 512-Seiten starke Jugendbuch ist ein Hardcover mit einer sehr schlichten Covergestaltung: Es ist komplett schwarz bis auf ein gelbes Leuchten um den Titel, der so vor dem schwarzen Hintergrund hervorgehoben wird. Eine weitere Besonderheit ist der grün eingefärbte Buchschnitt, der das Buch von der Masse abhebt.

Mein Fazit: Ein spannendes, aufrüttelndes Jugendbuch, das ich kaum aus der Hand legen wollte! Dennoch lässt es irgendwie ein ungutes Gefühl in mir zurück!



von Michael Grant
Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag; Auflage: 2., Aufl. (1. März 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3473353167
ISBN-13: 978-3473353163
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 - 17 Jahre
Originaltitel: Gone
 
Rezension vom 06.01.2011
 
Ich bedanke mich herzlich beim  Buchverlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

1 Kommentar:

  1. Schöne Rezension!
    Das Buch will ich jetzt definitiv lesen, hoffentlich ist es in der Bücherei lagernd.

    Lg, Sabine

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