Mittwoch, 5. Januar 2011

Flamme und Harfe - Ruth Nestvold

Eine zerstörerische Liebe, stärker als der Tod!

Yseult, die Schöne von Eriu, so schön, wie der Mond, so stolz, wie eine Göttin, lebt und wirkt zusammen mit ihrer Mutter, Yseult der Weisen, im Haus des Heilens. Sie lernt bei der besten Heilerin, ihrer Mutter, außerdem kann sie kämpfen, wie ein Krieger. Als ihr eines Tages der Kopf ihres Onkels gebracht wird entflammt sie in Hass und Wut auf seinen Mörder: Drustanus von Dumnonia. In Aremorica bestieg Drystan ein Schiff nach Dumnonia, heimgerufen von seinem Vater, Marcus Cunomorus. Bald darauf landete der erainnische Krieger Murchad an ihrer Küste um einen Geiselaustausch zu erwirken. Marcus ließ sich nicht auf den Deal ein und Murchad forderte ihn zum Zweikampf, den Drystan an seiner statt ausführte. Er erschlug Murchad, wurde dabei aber so schwer verletzt, dass nur eine ihm helfen konnte: Yseult, die Weise. Drystans bester Freund Kurvenal begleitete ihn bis kurz vor Eriu und setzte ihn, getarnt als Barde, in einem Boot aus. Wie durch ein Wunder erreichte er Yseult, die Weise und Yseult, die Schöne… und die Geschichte nahm ihren Lauf!

Ich bin immer noch ganz ergriffen und gerührt, ein Gefühl, dass nicht viele Bücher in mir hinterlassen, wenn die letzte Seite umgeblättert, die letzte Zeile ausgelesen ist. Ein Gefühl, das tiefer geht, die Gedanken beseelt und in meinem Herzen eine leere Stelle zurücklässt. Und ich weiß, dass diese Geschichte es wert ist, das seltene Tränchen wert ist, das ich zum Schluss verdrückt habe. Auch wenn man die Sage von Tristan und Isolde, so wie ich, kennt, hofft man doch bis zum Schluss, dass alles gut werden möge!

Ruth Nestvold hat meines Erachtens ein kleines Juwel geschaffen, in das ich mich sofort, beim ersten Lesen, verliebt habe! Sie nahm die Legende und wob ihre Magie, ihre Worte wie Magie und auch Magie selbst in und um diese wohlbekannte Geschichte. Sie gab Yseult eine Gestalt und Drystan einen Körper, die sich unweigerlich zueinander hingezogen fühlten, allen Widrigkeiten trotzten und sich selbst und andere damit ins Unglück stürzten. Dieses Buch voller Magie ist so wundervoll erzählt, dass es mich tief berührt und mitgerissen hat!

Die Autorin hat einen sehr schönen, flüssigen und poetischen Schreibstil, der schon den allerersten Sätzen zum Tragen kommt und mich sofort gefangen nahm: 

Einst, zu einer Zeit jenseits der Geschichte, saß eine Frau, so schön wie der Mond, auf einem Pferd und betrachtete ein Feuer. Das Feuer ist Teil der Geschichtsschreibung. Die Frau jedoch ist Teil der Legenden …


Dieser Schreibstil lässt einen völlig in die Welt von Yseult und Drystan abtauchen und es fällt mir jedes Mal schwer, wieder in die Wirklichkeit zurückzufinden. Das Buch ist aufgeteilt in vier Bücher, unterschiedliche Abschnitte, die die Geschichte, wie in verschiedene Akte, einteilt, in denen sich die Liebesgeschichte unter veränderten Bedingungen weiterentwickelt. Die insgesamt 34 Kapitel werden jeweils mit einem Auszug aus der historischen Tristan-Sage verschiedener Verfasser eingeleitet, die die Stimmung in den Kapiteln wiedergeben. Ein sehr schönes Stilmittel, das einen gut auf das vor einem liegende vorbereitet bzw. eingestimmt hat, ohne irgendetwas Vorwegzunehmen.


Die Charaktere, wie Yseult, Drystan, Kurvenal, Arthur oder Brangwyn zeichnet eine Tiefe und Schärfe aus, die die Personen lebendig werden lassen. Auch entwickeln sie sich beständig weiter und man entdeckt immer neue Facetten und Eigenarten an ihnen. Yseults Beweggründe und Handlungen stehe ich immer wieder zwiegespalten gegenüber, während ich Drystans oft besser verstehen und nachvollziehen konnte. Alle wachsen einem jedoch während des Lesens sehr ans Herz, so dass ich sie ungern ziehen lassen wollte, als das Buch beendet war. Selbst die Nebendarsteller waren fundiert ausgearbeitet, so dass man sich immer freut oder auch hasst, wenn diejenige Person in Erscheinung tritt.

Das Cover des Taschenbuchs, das ich hier bespreche, ist in warmen Erdtönen gehalten und zeigt eine nebelverhangene, schroffe Felsküste auf der eine Festung thront. Die Festung, eingerahmt in einen keltisch anmutenden Ring und Titel, sowie der Name der Autorin sind in Spotlackoptik aufgebracht. Am oberen und unteren Rand des Buches befinden sich ebensolche Ornamente, wie sie auch im Ring zu finden sind. Insgesamt macht das Cover einen mystischen Eindruck und lässt eine melancholische Stimmung aufkommen.

Ich habe „Flamme und Harfe“ von Ruth Nestvold nun zum zweiten Mal gelesen und mir hat es noch besser gefallen als beim ersten Mal! Das Buch löst in mir eine Stimmung aus, die ich bisher nur bei einem weiteren Buch gespürt habe: „Die Nebel von Avalon“. Ebenso mystisch und geheimnisvoll, voller Liebe und Leidenschaft und doch tragisch! Ich werde es immer wieder tun!



von Ruth Nestvold
Taschenbuch: 704 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (15. November 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442376262
ISBN-13: 978-3442376261
Originaltitel: Flame and Harp

Rezension vom 05.01.2011

Ich bedanke mich vielmals bei Ruth Nestvold, die mir dieses Leseexemplar zur Verfügung gestellt hat!

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