Sonntag, 31. Oktober 2010

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie - Lauren Oliver

Psycho, Psycho, qu’est que c’est?

Samantha Emily Kingston – toll, beliebt, zickig, oberflächlich, gemein und ein Teil des Viererpacks Lindsey, Elody, Ally und Sam. Die beliebtesten Zwölftklässlerinnen an ihrer Schule, die, die sich alles herausnehmen können, den besten Tisch in der Mensa und die coolsten Typen der Schule als Freund haben. Der Valentinstag ist für die Vier immer einer der wichtigsten Tage in der Schule, denn an der Anzahl der Rosen, die jemand bekommt, kann sein Beliebtheitsgrad abgelesen werden. Juliet, eine Mitschülerin der Mädchen, bekommt immer nur eine einzige Rose. Und zwar von den Vieren mit einem höhnischen Spruch garniert. Am Abend steht eine Party auf dem Programm. Kent McFuller, ein ehemaliger Freund Samanthas aus Kindertagen, lädt sie persönlich ein. Sieben Jahre lang redet Sam schon nicht mehr mit Kent, denn er ist nicht cool genug für das beliebte Mädchen. Nach der Party soll es mit Sams Freund Rob die Nacht der Nächte für Sam werden, doch es kommt alles ganz erschreckend anders, denn Lindsey setzt das Auto gegen einen Baum. Und Sam erwacht am gleichen Tag, am gleichen Morgen wieder in ihrem Bett um den Tag nochmals zu durchleben…

In Lauren Olivers Debutroman „Wenn du stirbst…“ dreht sich die Welt um die Vier Mädchen und den schleichenden Prozess der Erkenntnis. Sam erwacht insgesamt sieben Mal am gleichen Morgen, bis sie versteht, was sie tun muss, um endlich ihren Frieden zu finden, denn eigentlich ist sie ja bei diesem Autounfall mit Lindsey, Ally und Elody ums Leben gekommen.

Dieses Buch lässt einen ganz nachdenklich und mit einem flatternden Gefühl im Bauch zurück. Die ersten paar Kapitel kann man Sam und Lindsey nicht mögen, doch mit der Zeit beginnt Sam zu begreifen, dass sie grausam zu allen anderen war und somit das Wichtige im Leben nicht gesehen hat. Sie wird von Seite zu Seite immer sympathischer, die Geschichte schreitet voran, man wird traurig, Schmetterlinge fliegen im Bauch herum, man hofft, es möge doch noch gut ausgehen für Samantha Kingston und in irgendeiner Weise tut es das ja auch.

Der Erzählstil der jungen Autorin ist sehr schön. Es wird auch der Perspektive von Sam erzählt, sie erzählt, was ihr passiert, was sie denkt und fühlt. Da es ein Jugendbuch ist, ist der Schreibstil nicht zu schwierig und lässt sich wunderbar flüssig lesen.

Die Charaktere sind alle sehr detailreich ausgearbeitet und die Grausamkeit der Mädchen kommt stark zur Geltung. Die Opfer der Vier lernt man mit der Zeit immer besser kennen und hat sehr viel Mitleid mit ihnen. Selbst die Nebenfiguren haben ihren Charakter und ihre Eigenarten und kommen nicht zu kurz.

„Wenn du stirbst…“ ist ein Hardcover Buch, dessen Schutzumschlag ganz einfach in einem hellen Perlmuttton gehalten ist, auf dem der vermutlich längste Buchtitel in schwarzen Lettern prangt, den ich jemals im Regal stehen hatte. Daneben steht in hellen Buchstaben der Name der Autorin. So einfach das Cover gestaltet ist, so groß ist dessen Wirkung allerdings: Es sieht toll aus!

„Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ ist das wohl wundervoll aufrüttelnste Buch, das ich seit langem gelesen habe!



von Lauren Oliver
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Carlsen Verlag GmbH; Auflage: 1 (September 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3551582319
ISBN-13: 978-3551582317
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 15 Jahre
Originaltitel: Before I Fall

Rezension vom 31.10.2010

Sonntag, 24. Oktober 2010

Engelsnacht - Lauren Kate

Einfach himmlisch…

Nachdem Lucinda Price zu einem Aufenthalt in die Besserungsanstalt für Jugendliche „Sword & Cross“ verurteilt wurde, dachte sie, dass es kaum schlimmer kommen könnte. Doch die Schule scheint so ziemlich das Schlimmste zu sein, was Luce passieren kann. Grobschlächtige Jugendliche, die alle was auf dem Kerbholz haben, sind hier untergebracht und müssen ihren Arrest absitzen. Gehört Luce hier wirklich hin? Sie fühlt sich schuldig für den Tod eines Jungen an ihrer früheren Schule. Gleich zu Beginn ihres Schuljahres sieht sie einen tollen Jungen, der sie verzückt anlächelt, um ihr dann den Stinkefinger zu zeigen. Genau so entwickelt sich auch Luces Beziehung zu Daniel. Cam ist da schon anders: Er macht ihr Komplimente und gibt ihr das Gefühl, umworben zu werden. Aber Luce hat sich auf ein gefährliches Spiel eingelassen, denn sie weiß eigentlich, wem ihr Herz wirklich gehört…

Lauren Kate hat mir ihrem Erstlingswerk „Engelsnacht“ einen tollen Auftakt zu einer neuen Fantasy Reihe aus dem Engelsgenre geschaffen. Das Buch beginnt, wie eine ganz normale Teenie-Lovestory, um sich dann im Laufe der Geschichte zu einem Fantasiegebilde zu entwickeln, dass einem Gänsehaut und wohlige Schauer über den Rücken jagen lässt.

Die Autorin hat einen schönen, flüssigen Erzählstil, der keine einzige Zeile langweilig werden lässt. Sie beschreibt die Umgebung und die Personen detailreich und lässt so jeden Stein und jedes Blatt in unserer Fantasie lebendig werden. Kleine, im Text hervorgehobene Briefchen lockern die Seiten auf und lässt uns selbst in unsere Schulzeit zurückkehren, in der wir auch Zettelchen durch die Bankreihen haben wandern lassen. Jedes der neunzehn Kapitel wird mit einer Zeichnung zweier Engelsflügel eingeleitet.

Die Hauptpersonen sind alle sehr perfekt: Daniel, Cam, Gabbe und sogar die verrückte Arrianne geben kaum Angriffsfläche und Identifikationspotential. Allein Luce und Pen, ihre engste Vertraute, sind fehlbar und menschlich. Luce ist ein geplagtes Mädchen, das mit ihrer Vergangenheit hadert. Sie sieht unheimliche Schatten, die sich lautlos an sie heranschleichen und eiskalte Empfindungen hervorrufen. Diese sind die unheimliche Bedrohung, die über ihrem Leben schwebt. Schnell wird man mit Luce warm und kann sich in sie hineinversetzen.

Die Aufmachung des Schutzumschlags des 446 Seiten starken Hardcover Buches ist ein wahrer Hingucker! Ein blasses, in ein schwarzes, langes Kleid gekleidetes Mädchen mit schwarzen langen Haaren, das das Gesicht in ihren Händen verbirgt, dominiert das Buchcover. Darunter steht der Buchtitel in erhabenen silbernen Lettern geschrieben. Der Name der Autorin ist das einzig Bunte und in Rot gehalten. Das Cover selbst verbreitet eine düstere Atmosphäre und gibt einen kleinen Vorgeschmack auf das, was den Leser zwischen den Buchdeckeln erwartet.

„Engelsnacht“ ist ein wundervoll geschriebener Engelsroman der in der Sparte Romantasy angesiedelt werden kann. Wer gerne in einer romantischen Atmosphäre versinkt und Liebe ohne die Grenzen des Natürlichen mag, der ist hier ganz bestimmt gut aufgehoben!



von Lauren Kate
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: cbt (9. August 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570160637
ISBN-13: 978-3570160633
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 - 15 Jahre
Originaltitel: Fallen

Rezension vom 24.10.2010

Herzlichen Dank an den cbt-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Freitag, 22. Oktober 2010

Morbus Dei: Die Ankunft - Zach/Bauer

Im Wald lauert das Grauen…

Der junge Johann List ist ein Deserteur und auf der Flucht in ein verschneites Tyroler Tal geraten. Der Winter hat ihn überrascht, er wank verletzt und mit letzter Kraft auf ein Bauernhaus zu, um auf dessen Stufen die Besinnung zu verlieren. Die nächsten Tage kämpft Johann um sein Leben und wird von liebevoller Hand gepflegt. Als er alleine in einem Zimmer aus seinem Delirium erwacht, macht er sich auf die Suche nach seinen Wohltätern. Die Dorfbewohner stehen ihm zuerst feindlich gegenüber und benehmen sich sehr merkwürdig. Sie haben alle Schutzzeichen an ihren Türen und bitten Gott im Gebet um Schutz vor ihnen. Doch wer sie sind und dass sie oben im Wald lauern, wollen die Dörfler ihm nicht so einfach verraten. Johann verliebt sich in Elisabeth und als beide aus dem Dorf fliehen wollen, passiert etwas Schreckliches…

„Morbus Dei: Die Ankunft“ ist ein Mistery-Thriller, der wie ein Film konzipiert ist. Spannende Szenen und rasante Perspektivwechsel geben sich die Klinke in die Hand. Die Autoren Bastian Zach und Matthias Bauer sind ein eingespieltes Team, dem es gelingt Spannung und eine unterschwellig bedrohliche Atmosphäre aufzubauen, die einem einen eiskalten Schauer nach dem anderen über den Rücken jagt.

Das große Fragezeichen, das über Dreiviertel des Buches schwebt, ist: Wer sind sie? Die unsichtbare Bedrohung, die im Wald hinter den Grenzen des Dorfes lauert. Der furchtbare Schrecken, über den die Dörfler nicht zu sprechen wagen. Es wird zwar aufgeklärt was sie sind, jedoch gibt es keine richtige Erklärung warum sie so sind. Es ist die Gottesgeißel.

Der Erzählstil ist flüssig und so lässt sich das 289-Seiten starke Buch wunderbar lesen. Eine leicht österreichische Einfärbung findet man, was die Sprache aber umso sympathischer und authentischer macht.

Die Protagonisten sind alle sehr gut herausgearbeitet. Johann List kann sehr viel, ist charismatisch und sympathisch, allerdings mit einer Vergangenheit, die er gerne hinter sich lassen würde. Elisabeth ist das hübscheste Mädchen im Dorf und die Tochter seines Gutsherrn, des Bauern Karrer. Dieser ist grobschlächtig, brutal, egoistisch und ein schlechter Vater, unter dem Elisabeth zu leiden hat. Den Pfarrer umweht ein düsteres Geheimnis.

Das Cover des Buches passt zur düsteren Stimmung im Dorf: Mystisch prangt eine dunkle, in eine Kutte gehüllte Gestalt auf dem Buchdeckel. Ihre grauen, mit schwarzen Adern durchzogenen Hände umklammern ein altes, in Leder gebundenes Buch, ihr Gesicht wird Großteils von einer Kapuze verhüllt. Der Titel prangt in roten Lettern über dem Kopf der düsteren Gestalt, die die Fantasie beflügelt und in meinem Kopf Purzelbäume schlagen lässt.

Mein Fazit zu „Morbus Dei: Die Ankunft“, erschienen im Haymon Verlag, lautet: Spannung und Mistery pur, bis zum Schluss und noch darüber hinaus… uneingeschränkte Leseempfehlung!



von Bastian Zach und Matthias Bauer
Taschenbuch: 296 Seiten
Verlag: Haymon Verlag; Auflage: 1., Aufl. (16. Juli 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3852188466
ISBN-13: 978-3852188461

Rezension vom 22.10.2010

Herzlichen Dank an den Haymon Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars!

Dienstag, 19. Oktober 2010

Éanna - Wildes Herz - Leonie Britt Harper

Die große Hungersnot und eine Hoffnung, die niemals stirbt

Kartoffelfäule, wir haben alle im Geschichtsunterricht darüber gehört, hat die größte Hungersnot in Europa im 19. Jahrhundert ausgelöst. Grauenvolles hat sich zugetragen, das irische Volk hat Hunger gelitten und ist daran gestorben. Leichen säumen Éannas Weg, als sie mit ihrer Mutter, die, wie viele Anderen, von ihrem Pachtland vertrieben werden, weil sie ihre Pacht nicht zahlen können. Ihr Marsch führt sie über die Straße der Sterne, voller Hunger und Angst, zu einem Arbeitsprogramm in einem Steinbruch. Harte, körperlich anstrengende Arbeit verrichten das 15-jährige Mädchen und ihre Mutter für ein paar Pennys, zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig. Als es kalt wird erkrankt Éannas Mutter schwer an Fieber und ihr ausgezehrter Körper kann sich nicht mehr dagegen wehren. Jetzt hat Éanna nur noch sich selbst! Ganz allein macht sie sich auf den Weg, über die Straße der Sterne, um ihr letztes Versprechen einzulösen, und nach Dublin zu gelangen…

Das Buch hat mich sehr mitgenommen. Das Leiden, der Hunger und die Angst der Iren, einem stolzen Volk, war einfach grauenvoll und das, obwohl es nicht in seinem ganzen Ausmaß beschrieben wird. Die Autorin hat sich hier auf das Nötigste beschränkt. Sehr gefühlvoll erzählt Leonie Britt Harper die Geschichte von Éanna Sullivan, die ganz auf sich gestellt, auf den Landstraßen Irlands überleben muss. Sie zeichnet ein Bild des zerstörten und morbiden Landes, dessen wohlhabende Herrscher der leidenden Landbevölkerung einfach nicht helfen wollten. Entsetzen machte sich bei mir breit, als ich Seite um Seite in das Innere des Buches vordrang.

Der Schreibstil von Leonie Brit Harper ist einem Jugendbuch angemessen. Eine leichte und flüssige Erzählweise lassen die Seiten nur so durch die Finger fliegen. Man fiebert und leidet, hofft und zittert mit Éanna Sullivan.

Allen Widrigkeiten zum Trotz ist Éanna Sullivan ein sehr starkes und stures Mädchen, das die Zähne zusammenbeißt und irgendwie überlebt. Ein Feuer brennt in ihr, heiß und hell, wie ein Licht in stürmischer Nacht, das nicht verlischt. Sie hilft einem völlig fremden Mädchen, weil sie glaubt, es eines Tages zurückzubekommen. Und dieser Glaube an die Menschheit rettet Éanna später das Leben. Emily und Brendan sind zwei weitere wichtige Personen. Emily, in der Éanna eine gute Freundin findet und Brendan, der sie erst beklaut und später die wichtigste Person in ihrem Leben wird.

Die Covergestaltung verrät nichts über das Elend der Iren, das einen zwischen den Buchdeckeln erwartet. Es ist frisch und in hellen Farbtönen gehalten. Der Kopf eines jungen Mädchens dominiert dreiviertel des Titelbildes, während unter dem Titel, der in der Mitte prangt, eine schöne irische Landschaft zu sehen ist.

Éanna – Wildes Herz ist der Auftakt einer vierteiligen Reihe und ein aufrüttelndes, gutes, historisches Jugendbuch, von denen es mehr geben sollte! Ein Mädchen, das niemals aufgibt, obwohl sie zu einer der schlimmsten Zeiten in unserer jüngsten Vergangenheit lebt, sollten wir uns als Vorbild nehmen!



von Leonie Britt Harper
Broschiert: 313 Seiten
Verlag: Arena; Auflage: 1., Aufl. (1. Juni 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3401501801
ISBN-13: 978-3401501802
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 13 Jahre

Rezension vom 19.10.2010

Ich bedanke mich beim  Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Sonntag, 17. Oktober 2010

Valley - Tal der Wächter - Jonathan Stroud

Wer die Grenzen des Tals überschreitet, muss eines grausamen Todes sterben!

Als Zweitgeborener des Familienoberhaupts Arnkel, blickt der 14-jährige Hal Svensson in keine allzu rosige Zukunft. Er ist klein, drall und zu kurzbeinig geraten und muss auf sich, zum Ausgleich, mit allerlei Schabernack aufmerksam machen. Hal wächst mit den großen Heldensagen um den Helden Sven, den Begründer seines Hauses und Troldbezwinger, auf und will ihm nacheifern. Gelegenheit bekommt er dazu, als Olaf Hakonsson nach einem Festessen seinen Onkel Brodir vor seinen Augen ersticht. Hal zieht alleine und unbemerkt ins Untertal, um seinen Onkel zu rächen. Was er hier erlebt, wird ihn von Grund auf verändern, doch sein Mut verlässt ihn nie, vor allem wenn es um die hübsche Aud, seine Freundin, geht! Mit ihr beschließt Hal, dem beengten Tal zu entkommen, doch sie wissen nicht, auf was sie sich da einlassen!

Jonathan Stroud ist ein bildgewaltiger und wortgewandter Erzähler! Er versteht es die Geschichte um den kleinen Hal mit den alten Heldensagen zu verweben und erschafft eine ganz eigene, großartige, wenn auch sehr beengte Welt in dem Tal, das von 12 unterschiedlichen Häusern beherrscht wird, die von den alten Helden aus den Sagen abstammen. Der Erzählstil ist sich bildlich und die Kapitel sind sehr flüssig zu lesen. Jedem Kapitel steht ein kleiner Teil einer Heldensage um Sven voran, auf die dann das Geschehen um Hal folgt. So wird Mythologie mit Ereignissen verbunden, so dass man Hals Beweggründe gut verstehen kann. Auch seine Enttäuschung, als er einsehen muss, dass Sagen, Sagen sind und oft ein wenig übertreiben.

In der ersten Hälfte des Buches schreitet die Geschichte ein wenig schleppend voran, doch ab dem Zeitpunkt, an dem Hal auszieht, seinen Onkel zu rächen überschlagen sich die Ereignisse. Nun konnte ich das Buch wirklich nicht mehr aus der Hand legen, die Spannung wuchs von Seite zu Seite und die Zeilen flogen unter meinen Augen nur so dahin.

Die Hauptfiguren Hal und Aud sind wunderbar beschrieben und dargestellt. Man kann sich mit Beiden sehr gut identifizieren und vor allem bei Hal kann ich gar nicht verstehen, warum ihn keiner so wirklich mag. Er ist einfach anders als die Anderen und das muss der Hauptgrund gewesen sein. Da Aud in ihrer Denkweise auch anders ist, ist es nicht verwunderlich, dass die sie schnell zueinander gefunden haben. Aber auch die Nebenfiguren wie Hals Bruder Leif oder seine Mutter Astrid, Hord Hakonsson und sein Sohn Ragnir haben alle ihre eigenen Charakterzüge und wurde genauso liebevoll ausgestaltet wie die Aud und Hal.

Die Aufmachung des gebundenen Buches ist wunderschön! Ein Schmuckstück für jedes Bücherregal, denn der Schutzumschlag ist in dunklen Grün- und hellen Beigetönen gehalten und zeigt nebelverhangene Baumwipfel, sowie eine einsame, in eine Kutte gehüllte Gestalt auf einem Felsvorsprung. Über dem Titel prangt ein, an die nordische Mythologie angelehntes, kleines Drachensymbol. Das Alles wird von glänzendem Gold eingerahmt und wirkt sehr mystisch.

Dieses Buch entfaltet seine Magie erst in seiner zweiten Hälfte, aber es lohnt sich, bis dahin vorzudringen, denn was den Leser dann erwartet, ist Spannung und Mystik pur! Insbesondere das Ende lässt einen die Luft anhalten und dann sehr nachdenklich mit dem tieferen Kern der Botschaft des Autors zurück!




von Jonathan Stroud
Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
Verlag: cbj (26. Januar 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570134938
ISBN-13: 978-3570134931
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 11 - 12 Jahre
Originaltitel: Heroes of the Valley

Rezension vom 17.10.2010

Mein herzlicher Dank gilt dem cbj-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Dienstag, 12. Oktober 2010

Die Zombies - Thomas Plischke

Wenn der Hunger kommt gibt es kein Zurück!

Lily Young ist Doktorandin der Anthropologie an der Universität in Cambridge. Sie arbeitet an einem ungewöhnlichen Thema für ihre Abschlussarbeit: Zombies in allen Kulturkreisen. Eines Abends trifft sie sich mit einem merkwürdigen Typen, den sie auf dem Friedhof nach der Beerdigung ihres Großvaters kennengelernt hat. Victor verspricht ihr, ihr etwas zu zeigen, das mit ihrer Arbeit zu tun hat. In einem finsteren Undergroundclub lässt sich Lily, schon etwas angetrunken, auf ein bizarres Spiel ein: Vermeintlich als Zombies verkleidete Schauspieler jagen Lily durch ein Labyrinth aus Zimmern. Eigentlich sollte alles ein harmloses Spiel sein, doch durch ein Missgeschick wird Lily von einem der Zombies gebissen und beginnt sich an den darauffolgenden Tagen langsam in eine Untote zu verwandeln. Sie kann es kaum glauben, will es nicht wahrhaben und ignoriert alle Anzeichen, die sie im Laufe ihrer Recherche zusammengetragen hat. Doch warum isst eine überzeugte Vegetarierin plötzlich genüsslich Fleisch und hat einen unbändigen Hunger danach? Lily flüchtet sich in Victors Arme und bereitet sich auf ein Leben als Untote an seiner Seite vor. Doch der Friede ist nicht von Dauer, denn da ist auch noch Gottfried, ein Zombiejäger und Lilys engster Vertrauter…

„Die Zombies“ von Thomas Plischke ist mein erster Roman aus dem Zombie-Genre und ich glaube, kein gewöhnlicher Vertreter seiner Art. Was der Autor hier abgeliefert hat ist Fantasy vom Feinsten, zwar blutrünstiger als manch anderer Roman, aber auch nicht in stärkerem Maße wie bekannte Fantasy Epen. Die Umsetzung des Stoffes ist meiner Ansicht nach hervorragend gelungen.

Die Geschichte ist aufgeteilt in mehrere Erzählstränge, die Spannung schüren und aufrechterhalten. Der erste Erzählstrang begleitet Hauptprotagonistin Lily auf ihrem Weg von einer harmlosen Studentin zu einem gefährlichen Monster, als das sie sich zuweilen selbst sieht. Der zweite Erzählstrang handelt von Gottlieb und dessen Familienerbe in Deutschland und relativ spät im Buch stößt noch ein dritter Erzählstrang um ein abgelegenes schottisches Dorf hinzu. Alle drei Erzählperspektiven sind in sich interessant und stimmig.

Die handelnden Figuren sind detailliert ausgearbeitet und haben unterschiedliche, einzigartige Charakterzüge. So kann man sich schnell eine Meinung zu den jeweiligen Personen bilden und vor allem Lily wächst einem sehr schnell ans Herz, so dass man atemlos verfolgt, was mit ihr alles passiert. Gottlieb war mir am Anfang etwas unsympathisch, wobei er mir aber auch Leid tat, da Lily alle Annäherungsversuche abgeschmettert hat. Später fügt er sich seinem Familienerbe und erfüllt den letzten Wunsch seines Vaters nur wiederwillig. Victor ist der zwielichtige Typ in diesem Roman, dem man einfach nicht vertrauen kann.

Das Cover ist toll gelungen. Hier blickt einen ein junges sehr blasses Mädchen mit Blut am Mundwinkel entgegen. Die Farbe des Umschlags ist in Grautönen gehalten mit leicht hellroten Akzenten. Unter dem Bild prangt der Buchtitel, der erhaben und mit roten Flecken besprenkelt ist.

Mein Urteil zu Thomas Plischkes „Die Zombies“ lautet: Ein rasanter und actionreicher Fantasy Roman um die Wesen der Nacht, denen man nicht in seinen schlimmsten Albträumen begegnen möchte. Der Stoff ist intelligent umgesetzt, so dass das Buch auch leisere Töne anschlägt um am Schluss in einem fulminanten Feuerwerk zu enden. Hier gibt es eine eindeutige Leseempfehlung für alle, die genug von Vampiren, Werwölfen oder Engeln haben!



von Thomas Plischke
Broschiert: 479 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 2 (April 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492267467
ISBN-13: 978-3492267465

Rezension vom 12.10.2010


Sonntag, 10. Oktober 2010

Impact - Bernd Steinhardt

Jon Foster ist der Wetterfrosch eines regionalen TV Senders in Neuseeland und wird von einer anonymen Anruferin nachts aus dem Bett geklingelt. Auf den Hilferuf hin überredet er seinen Onkel Hank Hansen trotz anhaltenden Schneefalls mit einem Boot raus in die Marlborough Sounds zu fahren und bei dem verrückten Wissenschaftler Nathan Cole nach dem Rechten zu sehen. Sie finden Cole tot in seinem Isolationstank, der für Hirnforschungen benutzt wird. Bald ist klar, dass der Wissenschaftler einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist und wegen seiner speziellen Forschungen über das menschliche Bewusstsein sterben musste. Jon Foster und seine Kollegin Kate Ryan beginnen nachzuforschen und stolpern über erschreckende Zusammenhänge des plötzlichen Wintereinbruchs in Neuseeland und den Forschungen von Cole. Aber auch in Fosters Vergangenheit gibt es einige Ungereimtheiten, doch leider kann er sich, ausgelöst von einem traumatischen Erlebnis, an nichts mehr erinnern. Was hat er mit der ganzen Sache zu tun?

Bernd Steinhardts Thriller beginnt rasant mit der versuchten Rettung von Nathan Cole. Schnell wird auch eine weitere Hauptperson neben Jon Foster eingeführt. Olsen ist ein Experte was das Erlauschen von Langstreckenwellen aus dem All betrifft. Allerdings bleibt er neben Jon Foster sehr blass, obwohl auch ihm viel Papier gewidmet ist, was die Handlung abwechslungsreich und spannend gestaltet. Dennoch mochte ich die Passagen von Foster lieber als die von Olsen. Foster ist sympathischer und auch geheimnisumwittert, während Olsen einfach durchgeknallt und paranoid ist.

Die Handlung schreitet schnell voran, es passiert viel, durchzogen von einigen wissenschaftlichen Passagen, wobei die Handlungsstränge zum Teil abgebrochen werden und an späterer Stelle wieder einsetzen. Den Verlauf des Geschehens stört dies nicht, denn dieses Stilmittel vermeidet lange Weile durch Auslassen von ausschweifenden Beschreibungen von, für die Handlung nicht relevanten Situationen. Zum Schluss jedoch schadet dies dem Wissenschaftsthriller und lässt den Leser ein wenig vor den Kopf gestoßen und auch ratlos zurück, denn die Protagonisten steckten allesamt in mehr oder weniger ausweglosen Situationen aus denen sie dann irgendwie herausgekommen sind, ohne, dass der Leser etwas darüber erfährt.

Die wissenschaftlichen Passagen sind sehr interessant und verleihen dem Thriller Tiefe und vermitteln Wissen in einer Art und Weise, die in der Schule nie möglich gewesen wäre. Wissenschaft, verpackt in eine spannende Story ist eine großartige Kombination, die dem Autor hervorragend gelingt. Über das ganze Buch hinweg gelingt es Bernd Steinhardt den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten, so dass man immer weiter lesen muss.

Die Gestaltung des Schutzumschlags des Hardcovers ist sehr gut gelungen. Der Buchtitel dominiert das in Blautönen gehaltene Cover, prangt über der Erde und ist somit ein echter Eyecatcher.

Mein Fazit lautet somit: Ein spannender Wissenschaftsthriller, dem es gelingt eine gute Story mit der Vermittlung wissenschaftlicher Fakten zum Thema Bioresonanz und der Atmosphäre unseres Planeten zu verquicken. Einzig der Schluss fällt hinter dem gesamten Buch zurück und wartet mit verwirrenden Erklärungen auf. Dies schmälert ein wenig das Lesevergnügen.



von Bernd Steinhardt
Gebundene Ausgabe: 518 Seiten
Verlag: List (11. August 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3471350357
ISBN-13: 978-3471350355

Rezension vom 10.10.2010

Sonntag, 3. Oktober 2010

Der Minnesänger - Tim Pieper

Wie Hartmann zur Minne kam…

…das ist eine ganz besondere Geschichte, denn Hartmann wurde nur als zweiter Sohn eines unfreien Lehensnehmers im Dörfchen Aue bei Freiburg geboren. Einer mutigen Tat seines Vaters Dankwart hat er es zu verdanken, dass er im Alter von sechs Jahren im Kloster Sankt Georgen im Schwarzwald in die äußere Schule aufgenommen wird. Hier lernt er neben Lesen und Schreiben auch Römisches Recht und Französisch, aber er entdeckt auch seine Liebe zur Musik. Ein wunderschönes Mädchen aus seinem Dorf ist der Auslöser, weshalb Hartmann beginnt Lieder zu dichten und fleißig Harfe zu üben. Allerdings muss er feststellen, dass sein Mädchen, nachdem er die Klosterschule abgeschlossen hat, schon mit einem Anderen verheiratet wurde. Traurig zieht Hartmann an den Hof von Herzog Berthold den IV. um ihm als Schreiber und Berater zu dienen. Das Leben bei Hof hält Einiges für den jungen Hartmann von Aue bereit, doch er kann seine Judith einfach nicht vergessen…

Ein grandioses Erstlingswerk hat der Autor Tim Pieper mit seinem historischen Roman „Der Minnesänger“ vorgelegt. Anders kann ich es gar nicht ausdrücken, denn ich bin immer noch im Bann dieser bildgewaltigen Geschichte um den stolzen und starken Hartmann von Aue, der durch seine Taten glänzt und es somit zu Rang und Namen bringt. Im Laufe der Geschichte entwickelt sich Hartmann von einem naiven Knaben zu einem mutigen Mann, der ein Schwert zu führen weiß, aber ebenso anmutig die Harfe spielt. Er ist ein begnadeter Dichter und Sänger und weiß die Adeligen in seinen Bann zu ziehen. Dieser besonderen Gabe misst er lange Zeit keiner großen Bedeutung bei, bis es darum geht sich seine Ehre zurückzuerobern, nachdem er bei Berthold dem V. und Kaiser Barbarossa in Ungnade gefallen ist.

Die Handlung selber spielt im Hochmittelalter, im 12. Jahrhundert, Großteils im Dörfchen Aue vor den Toren Freiburgs, im Kloster Sankt Georgen, sowie am herzoglichen Hof in Freiburg. Alle Schauplätze sind wunderbar detailliert ausgearbeitet und beschrieben, so dass einem sofort das passende Bild vor dem geistigen Auge erscheint. Auch die Personen sind liebevoll gestaltet und mit Eigenschaften und Fähigkeiten ausgestattet, die sie klar voneinander unterscheiden.

Der Erzählstil des Autors ist so bildlich und flüssig, aber dabei keinesfalls einfach, sondern eher anspruchsvoll. Dennoch, oder gerade deswegen, lässt sich die ganze Geschichte in einem Rutsch durchlesen. Es wird gekonnt ein Spannungsbogen aufgebaut, der immer wieder seinem Höhepunkt entgegengetrieben wird, dann abfällt, um wieder rasant anzusteigen. Das Buch ist zur keiner Zeit langweilig oder langatmig, sondern berichtet uns viele Begebenheiten eines dunklen Zeitalters unserer Geschichte in schillernden Farben, anhand der wunderbaren Persönlichkeit Hartmann von Aues.

Das Cover zeigt, passend zum Genre, das historische Gemälde „The Lute Player“ von Giovanni di Busi Cariani über dem der Buchtitel prangt. Von der Covergestaltung her hätte ich das Buch niemals in die Hand genommen, denn dafür hätte es mir auffallen müssen. Das klappt mit diesem Cover leider nicht. Somit bleibt bestimmt vielen Menschen dieser rasant erzählte, gute historische Roman verborgen, was unglaublich schade wäre.

Mein Fazit lautet somit: Unglaublich lesenswert!!!




von Tim Pieper
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (4. Januar 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453470990
ISBN-13: 978-3453470996

Rezension vom 01.10.2010

Freitag, 1. Oktober 2010

Leseliste September 2010

Der Monat September war sehr lesereich und ich habe einige tolle Bücher gelesen und hier auf meinem Blog vorgestellt. Hier folgt nun eine kleine Zusammenfassung meiner gelesenen Bücher im Monat September 2010.

Insgesamt waren es sechs Bücher und ein Comic, deren Seiten durch meine Finger gewandert sind. Fünf davon haben mich wirklich überzeugt, zwei blieben im Mittelfeld zurück.