Dienstag, 28. September 2010

Pech und Schwefel - Annette Eickert

Nichts kann sie trennen!

Die Zwillingsbrüder Nomarac und Ronor finden sich plötzlich, nach einer furchtbaren Nacht unter den Trümmern ihres Elternhauses in der Stadt Mayonta wieder. Ihr Vater, der Hohepriester Joseias und ihre Mutter sind von einer wütenden Meute Aufständischer getötet worden. Jetzt müssen sich die 8-jährigen Zwillinge alleine durch die große Stadt des Landes Leven’rauka schlagen und diese meint es wirklich nicht gut mit ihnen. Keiner glaubt ihnen die Geschichte ihrer edlen Herkunft, sie werden davon gejagt und landen im Gefängnis. Einem seltsamen Zufall haben es die Brüder zu verdanken, dass sie von Yaentas und Liehshy aufgenommen werden. Haben sie nun ein neues zu Hause gefunden?

Annette Eickert schreibt sehr fantasievoll und nutzt die Sprache geschickt, um lebhafte Bilder im Geist des Lesers entstehen zu lassen. Manchmal ist es jedoch zu viel des Guten und der Stil wirkt dann ein wenig unnatürlich. Das Schicksal der beiden Brüder ist sehr traurig und beschwerlich und die Autorin beschreibt das harte Leben der Beiden sehr glaubhaft. Sie treffen unterwegs auf fiese Gestalten, die ihnen nur an den Kragen wollen, bis sie endlich einmal einer schönen jungen Frau begegnen, die ihnen freundlich gesinnt ist. Das war schon eine fiese Aneinanderreihung von Zufällen oder Begebenheiten.

Die Hauptfiguren, die beiden Zwillinge, sind sehr liebevoll konstruiert, ihre Gefühle gut beschrieben, was sie lebendig werden lassen. Allerdings halten sie sich sehr oft an den Händen, was ich jetzt von Jungen eher weniger erwarten würde. Sie strahlen auch sehr viel und diese beiden Eigenschaften begleiten einen durch das ganze Buch. Die Nebenfiguren bleiben daneben ein wenig blass, ich hätte gerne noch etwas mehr über Liehshy und Weecran erfahren.

Die Fantasy Welt die die Autorin mit Zanthera erschaffen hat, wird zu Beginn des Buches durch einen gezeichneten Ausschnitt einer Landkarte veranschaulicht. Ein wenig erfährt man auch über die Geschichte des Landes und wie es um die Völker der Raukarii, dem Nomarac und Ronor angehören, der Iyana und der Menschen bestellt ist. Dies alles und auch die Legenden um deren Entstehung sind sehr fantasievoll ausgestaltet und gezeichnet. Es macht Spaß etwas über die Welt, in der die Zwillingsbrüder so brutal behandelt werden, zu erfahren. Den Abschluss bildet ein Glossar, das nochmal alle wichtigen Begriffe rund um Zanthera aufgreift und erklärt.

Die Buchcovergestaltung ist toll gelungen. Hier prangt das Zeichen des Feuergottes, ein goldenes rundes Wappen, das einen Drachenkopf zeigt, über dem schwungvoll geschriebenen Buchtitel. Der Hintergrund ist in rot und schwarz gehalten und sticht sofort ins Auge.

Das Fantasy Buch „Pech und Schwefel“, das im NOEL-Verlag erschienen ist, entführt den Leser in eine schöne Fantasy Welt und erzählt eine bewegende Geschichte über Bruderliebe und Freundschaft, die über kleinere sprachliche Mängel gerne hinwegsehen lässt!



von Annette Eickert
Taschenbuch: 249 Seiten
Verlag: NOEL-Verlag (Juli 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3940209546
ISBN-13: 978-3940209542

Rezension vom 28.09.2010

Ich bedanke mich herzlich bei Annette Eickert für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Mittwoch, 22. September 2010

Blog Award


Jippi!!!! Steffi von Bellas Wonderworld hat mir meinen allerersten Blog Award verliehen!!! Ich freue mich riesig, vielen Dank!
Und es gibt auch eine kleine Aufgabe, die ich gerne erfüllen möchte:


Nenne 10 Dinge die Du magst und prämiere 10 Blogs.

Ich mag:

  1. meinen Freund
  2. unsere Freunde
  3. Bücher (ganz besonders^^)
  4. Reisen
  5. Sonnenschein
  6. Straciatella Eis
  7. Pizza
  8. bloggen
  9. Kaffee
  10. Tanzen
Folgende 10 Blogs möchte ich prämieren:




Puerta Oscura. Totenreise - David Lozano Garbala

Zur Hölle mit dem Bösen!

Pascal ist ein ganz normaler 15-jähriger Junge in Paris. Er hat in Dominique und Michelle nette Freunde, mit denen er viel Zeit verbringt. Michelle ist für ihn sogar mehr, als nur eine Freundin und er wartet sehnsüchtig auf ein Zeichen von ihr. Zu Halloween nimmt Michelle Pascal und Dominique auf eine Gothic-Party ihres Schulfreundes, Jules, mit. Diese Party sollte ihr aller und vor allem Pascals Leben von Grund auf verändern: Als Pascal auf Jules Dachboden nach einer passenden Halloweenverkleidung sucht, fällt er in eine antike Holztruhe und findet sich in einem dunklen Gang wieder, der über einen Leuchtpfad zu einem Friedhof führt. Mit diesem ersten Übertritt Pascals setzen sich Ereignisse in Gang, die nur von Pascal und dem geheimnisvollen Wächter wieder gestoppt werden können. Dann verschwindet auch noch Michelle auf mysteriöse Weise.

Ich stehe diesem Buch mit gemischten Gefühlen gegenüber. Auf der einen Seite wartet es mit einer tollen Idee auf, auf der anderen Seite hat die Geschichte aber ein paar Mankos. David Lozano Garbala hat mit „Puerta Oscura. Totenreise“ einen Jugendroman geschrieben, der sich von der Masse abhebt. Er ist toll konstruiert und mit Pascal schickt der Autor eine Hauptfigur ins Geschehen, mit der sich ein Jugendlicher gut identifizieren kann. Denn Pascal ist ein Durchschnittstyp, der auf ein tolles Mädchen steht. Was ihm dann aber auf der Party wiederfährt ist höchst beängstigend und dafür verhält er sich sehr gefasst und führt sein cooles neues Kostüm vor. Etwas merkwürdig ist auch, dass Michelle von niemandem großartig vermisst wird, nachdem sie spurlos verschwindet.

Der Schreibstil des Autors ist etwas anders, als wir ihn hier gewohnt sind. Er liest sich nicht ganz so flüssig, wie es für einen Jugendroman etwa von Vorteil wäre. Auch dass die Figuren alle irgendwie den gleichen Sprachstil haben, irritiert ein wenig. Da spricht eine 70-jährige Frau genauso wie ein 16-jähriges Mädchen. Über die Protagonisten selber erfährt man lange Zeit nicht so sehr viel, so dass sie sehr blass bleiben. Erst nach einigen Seiten schafft man es, eine Beziehung zu Pascal, Dominique und Michelle aufzubauen. Michelle verschwindet auch eine Zeit lang völlig vom Schirm des Lesers, so dass sie fast in Vergessenheit gerät.

Das Böse, verkörpert von einem Vampir, wird leider auch eine ganze Zeit lang zu platt und zu schnell abgehandelt, so dass es hier auch eine ganze Weile braucht, bin einem das wirkliche Ausmaß des Grauens bewusst wird. Auch die Ereignisse in der Totenwelt werden zu wenig detailreich beschrieben, was sich später aber glücklicherweise ändert.

„Puerta Oscura. Totenreise“ ist ein Fantasy Roman, der den Leser in die dunklen Abgründe des Totenreichs entführt. Man muss mit dem spanischen Erzählstil klar kommen und sich auf eine skurrile Story einlassen können, in der die Logik nicht immer im Vordergrund steht. Über ein paar Mankos hinwegsehend, erfährt man aber sehr viel über den Mythos des Todes und der Bewohner des Schattenreiches und kann Pascal auf seiner gefährlichen Reise durch das Land der Toten begleiten.



von David Lozano Garbalo
Gebundene Ausgabe: 607 Seiten
Verlag: Loewe Verlag (15. Juni 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3785568630
ISBN-13: 978-3785568637
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 13 Jahre

Rezension vom 19.09.2010


Sonntag, 19. September 2010

3 Fragen an Lea Korte, das literarische Interview

Lea Korte wurde im Jahre 1963 geboren und wanderte nach Abschluss ihres Studiums nach Spanien aus. Zunächst arbeitete sie in Katalonien, im Baskenland und in Valencia als Übersetzerin und später auch als Autorin. Sie ist mit einem Franzosen verheiratet, mit dem sie zwei Kinder hat. Ihre ganze Liebe und Leidenschaft steckt sie in das Schreiben historischer Romane.

Ihr Debutroman in diesem Genre ist „Die Nonne mit dem Schwert“, um die mutige Spanierin Catalina de Erauso, welcher im April 2007 bei der Verlagsgruppe Droemer-Knaur erschien.

Spanien im 17.Jahrhundert: Die 15jährige baskische Adlige Catalina de Erauso wird von ihren Eltern ins Kloster gesteckt, doch kurz vor der Weihe gelingt ihr die Flucht in die Freiheit. Schnell merkt Catalina, dass sie in der Welt als Frau nicht überleben kann. […]

Eine Rezension zu „Die Nonne mit dem Schwert“ wird in Kürze folgen!





Mit „Die Maurin“ legte Lea Korte im Februar 2010 ihren neuen historischen Roman vor, erschienen  ebenfalls bei Droemer-Knaur, der uns ins Andalusien des 15. Jahrhunderts entführt.
Andalusien im 15. Jahrhundert: Zwischen Mauren und Christen toben erbitterte Kämpfe – Kämpfe, die auch das Leben der jungen Zahra nicht unberührt lassen. Als Hofdame und enge Vertraute Aischas, der Hauptfrau des Emirs, gerät sie in ein grausames Spiel aus Intrigen und rücksichtslosen Machtkämpfen. Dann verliebt sie sich ausgerechnet in den Kastilier Gonzalo – eine Liebe, die sie in tödliche Gefahr bringt. […]

Meine ausführliche Rezension zu Lea Kortes Roman „Die Maurin“ findet ihr hier.


(c) by Lea Korte

Nun freue ich mich sehr, dass Lea Korte sich kurz Zeit genommen hat, um drei Fragen zu beantworten, welche ich euch hier präsentieren darf:
BlueNaversum: Liebe Lea, wie bist du dazu gekommen Schriftstellerin zu werden und was hat dich dazu veranlasst?

Lea Korte: Zum Schreiben kam ich, weil ich von klein auf eine Leseratte war und ich dachte, es müsse toll sein, immer nur lesen und schreiben zu müssen – und das finde ich noch. ;-)
Gleich nach dem Studium habe ich ganz ernsthaft mit dem Schreiben begonnen und hatte das große Glück, auf Anhieb einen Agenten zu finden, mit dem ich auch heute noch zusammen arbeite und dank dessen Vermittlung ich inzwischen sieben Bücher veröffentlicht habe. Früher habe ich unter anderem Pseudonym sogenannte Frauenromane geschrieben, wobei der letzte eigentlich eher ein Entwicklungsroman war. „Nur“ Geschichten zu erzählen war mir irgendwann zu wenig. Und so kam ich zu den historischen Romanen. Mein Ziel ist dabei, Vergangenem neues Leben einzuhauchen. In „Die Nonne mit dem Schwert“ erzähle ich die Geschichte von Catalina de Erauso, die im 17. Jahrhundert wirklich gelebt hat; in „Die Maurin“ lasse ich die Leser die letzten 15 Jahre der Reconquista anhand der Geschichte der (fiktiven) Zahra as-Sulami miterleben.

BlueNaversum: In deinem aktuellen Buch „Die Maurin“ geht es um die junge Maurin Zahra, die sich durch die Wirren der maurisch-spanischen Kriege kämpfen muss. Wieso hast du gerade diese Person als Hauptfigur gewählt und wieviel steckt von dir in dieser Person?


Lea Korte: Mein Mann ist Franzose und weigert sich als solcher standhaft, Deutsch zu lernen, aber er behauptet, er wüsste auch so, was in meinen Büchern steht, weil er mich kennt – und ich denke mal, damit hat er noch nicht einmal Unrecht. Gerade in meinen beiden letzten Romanen steckt sehr viel von mir und natürlich vor allem in der jeweiligen Hauptperson, so verschieden die beiden auch auf den ersten Blick erscheinen mögen.

Zahra habe ich deswegen als Hauptperson gewählt, weil sie zwischen den Kulturen lebt, (womit sie ja auch etwas mit mir gemein hat), und zwar zwischen der maurisch-muslimischen und der kastilisch-christlichen Kultur. Alle Auseinandersetzungen zwischen diesen beiden großen Mächten spielen sich auch in ihr und um sie ab.


BlueNaversum: An welchen Buchprojekten arbeitest du gerade, was erwartet deine Leser in der Zukunft?

Lea Korte: Ich arbeite gerade an dem zweiten Teil der Maurin – und hoffe, in Zukunft noch viele historische Romane schreiben zu können. Ein weiteres neues, ebenfalls historisches Romanprojekt ist auch schon ziemlich weit durchgeplant. Parallel dazu würde ich auch gern wieder etwas in anderen Genren schreiben. Mal sehen, was die Zukunft so bringt!

BlueNaversum: Danke, Lea, dass du dir kurz Zeit genommen hast, die „3 Fragen an…“  zu beantworten!
 
(c) by Lea Korte





Hier könnt ihr mehr über die Autorin Lea Korte erfahren: http://www.leakorte.com/ 

Mittwoch, 15. September 2010

Hex Hall 01: Wilder Zauber

Hexe, oder was?

Hecate Hall ist ein Internat für magische Wesen, wie Hexen, Zauberer, Gestaltwandler und Elfen, die sich in Gefahr gebracht haben, enttarnt zu werden. Schwererziehbare magische Wesen also! Sophie Mercer muss wegen eines missratenen Liebeszaubers bis zu ihrem 18. Lebensjahr hier die Schulbank drücken. Eigentlich geht es in Hex Hall so zu wie in jeder anderen Schule: Es gibt Zicken und Loser und den bestaussehenden Typen der Schule: Archer Cross, der Sophie gleich bei ihrer Ankunft vor einem „bösen Hund“ rettet. Die junge Hexe legt sich auch mit den Hexen Elodie, Anna und Chaston an, die sie für ihren dunklen Hexenzirkel gewinnen wollen, außerdem mit einer besonders fiesen Lehrerin. Ihre beste und einzige Freundin und Zimmergenossin wird Jenna, ein Vampir. Als plötzlich seltsame Angriffe auf Schülerinnen die Schule erschüttern und Jenna verdächtigt wird, daran schuld zu sein, beginnt Sophie Nachforschungen anzustellen und fördert Schauriges zu Tage!

Hex Hall: Wilder Zauber ist der Debutroman der amerikanischen Autorin Rachel Hawkins. Sie führt uns mit viel Witz und Esprit in ein Zauberinternat, das noch von weiteren magischen Wesen bevölkert wird, außer von Hexen. Die Geschichte wird aus Sophies Sicht erzählt, sie ist die Ich-Erzählerin und lässt den Leser an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben. Und die sind, wie sie bei einem 16-jährigen Teenager nun mal so sind: emotional und chaotisch. Wir begleiten Sophie durch den Schulalltag, leiden und hassen mit ihr und freuen uns über jedes nette Wort, dass sie von ihren Mitschülern erhält, denn das sind wahrhaftig nicht viele! Sie ist eigentlich ein normales Mädchen, das noch dazu zaubern kann. Auch die Vampirin Jenna wächst einem sehr schnell ans Herz, dennoch kann und mag man ihr nicht so recht über den Weg trauen!

Die Story selbst hat viele Höhen und fast keine Tiefen, ist nicht besonders anspruchsvoll, weist aber die eine oder andere Wendung auf, die dann doch überrascht. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und vermag einen zu fesseln, denn es wird nie langweilig Sophie in Hecate Hall zu begleiten.

Das Buch kommt sehr hübsch aufgemacht und in einer Klappenbroschur daher. Das in Lila gehaltene Cover ist ein echter Eye-catcher und wirkt durch das Mädchengesicht mit der schönen Rose im Haar, die den Mittelpunkt des Bildes darstellt und die flirrenden hellen Lichtpunkte sehr interessant. Die Geschichte ist in 32 kurze Kapitel gegliedert, durch die das Lesen sehr abwechslungsreich wird. Die Perspektivwechsel lassen die Handlung rasch voranschreiten und es entwickeln sich keine Längen.

Alles in Allem macht man mit „Hex Hall 01: Wilder Zauber“ nichts falsch, wenn man eine schöne und unterhaltsame Geschichte sucht, die, gewürzt mit Magie und ein Bisschen Liebe, ein paar wunderschöne Lesestunden beschert.



von Rachel Hawkins
Taschenbuch: 295 Seiten
Verlag: Lyx; Auflage: 1. (Juli 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 380258239X
ISBN-13: 978-3802582394
Originaltitel: Hex Hall

Rezension vom 15.09.2010


Ich bedanke mich beim  Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Dienstag, 14. September 2010

Reckless: Steinernes Fleisch - Cornelia Funke

Hinter dem Spiegel…

…liegt ein unbekanntes Land. Ein Land voller Magie, Feen, Zwergen, Hexen, Riesen und weiterer märchenhafter Wesen. Hierher hat sich Jacob Reckless geflüchtet, hinter den Spiegel. Seit er das erste Mal als Kind eingetaucht ist in diese Welt, flüchtete er sich immer häufiger und immer länger hinein, denn er glaubt die Spur seines plötzlich verschwundenen Vaters hier aufnehmen zu können. Er hat sich zum Schatzjäger ausbilden lassen und es zu Ruhm und Ehre gebracht, bis eines Tages sein jüngerer Bruder Will ihm in den Spiegel folgt. Durch einen Fehler wird will von einem Goyle, einem Wesen mit einer Haut aus Stein, verletzt. Nun wächst das steinerne Fleisch auch in ihm und eigentlich ist jeder, der von einem Goyle verletzt wird verloren und wird unweigerlich zu einem von ihnen. Doch Jacob will nicht zulassen, dass er seinen Bruder verliert. Zusammen mit Clara und Fuchs machen sich Will und Jacob auf die Suche nach einem Mittel, um Will wieder zum Menschen zu machen.

Mit “Reckless: Steinernes Fleisch“ liegt nun endlich der langersehnte neue Jugendfantasyroman von Cornelia Funke vor. Seit Beendigung ihrer „Tintenherz-Trilogie“ ist es ruhig um die Autorin geworden, doch mit diesem Buch meldet sie sich fulminant zurück. Sie hat eine neue Welt erschaffen, in der die Figuren, die wir aus unseren Märchenbüchern kennen, zum Leben erwachen und schickt mit Jacob Reckless einen jungen Helden in wilde Abenteuer, den man lieben und hassen muss. Jacob hat nur eines im Sinn: die Verwandlung seines Bruders in einen Goyle aufzuhalten. Dafür dringt er in die schwärzesten Wälder vor, klettert in die tiefsten Höhlen und kämpft sich durch eine Horde Einhörner. Dabei geht er auch über Leichen und handelt meistens sehr eigennützig. Will ist das glatte Gegenteil von Jacob: Er ist der sanfte und sensiblere Typ, der seinem großen Bruder voll und ganz vertraut. Er hat mit Clara auch die Liebe in sein Herz gelassen. Ein Gefühl, dem Jacob sich zu verschließen versucht.

Die Autorin schreibt sehr bildlich und auch ein wenig poetisch. Durch Wortwiederholungen nimmt sie meines Erachtens aber auch Tempo aus der Geschichte heraus und lässt die sehr hektische und kraftraubende Suche nicht so wirken. Man hetzt nicht von Seite zu Seite, sondern hat die Möglichkeit ganz in die Worte einzutauchen, und sich in die Geschichte hineinziehen zu lassen. Und wenn man einmal darin steckt, lässt sie einen nicht mehr los, bis auch das letzte Kapitel, die letzte Zeile und das letzte Wort ausgelesen ist.

Das Buch ist wunderschön gestaltet. Unter dem Titel befindet sich ein silberner mit Blumenornamenten umrankter Spiegelrahmen, aus dem ein grüner Kopf mit gelb-schimmernden Augen herausschaut. Die Kapitel werden jeweils von einer Zeichnung von Cornelia Funke und der Kapitelüberschrift eingeleitet. Die Schrift ist relativ groß, so dass die 347 Seiten relativ schnell ausgelesen sind.

Mit „Reckless: Steinernes Fleisch“ hat Frau Funke eine neue wundervolle Welt erschaffen, die der Tintenwelt um nichts nachsteht und ein Buch, dass den Leser verzaubert!



von Cornelia Funke
Gebundene Ausgabe: 346 Seiten
Verlag: Dressler (14. September 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3791504851
ISBN-13: 978-3791504858
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 13 Jahre

Rezension vom 14.09.2010

Ich bedanke mich beim Dressler Verlag für die Bereitstellung des Vorableseexemplars!!!

Samstag, 11. September 2010

Lost in History: Gegenwart - Axel Westerwelle

Überlege gut, was du dir wünscht, denn es könnte in Erfüllung gehen!

Christoph Steiner ist ein promovierter Betriebswirt, CEO seiner eigenen Firma und liebender Familienvater. Seine hübsche Frau Claudia und seine zwei Kinder Maximilian und Johann liebt er sehr, dennoch braucht er immer wieder ein neues Projekt, an dem er arbeiten kann. Diesmal ist Christoph der fixen Idee der Zeitreisen erlegen und verbringt Stunden und Monaten mit einer nervenaufreibenden Recherche über das Thema, das seine Ehe aus der Bahn zu werfen droht. Als Christoph eines Tages dazu übergeht, Reisen in der Zeit von einer anderen Seite anzugehen, scheint er vor einem außergewöhnlichen Durchbruch zu stehen. Er reist ins Englische Portsmouth um seine Theorie zu überprüfen. Hier unterläuft ihm jedoch ein fataler Fehler, der den Familienvater 200 Jahre in die Vergangenheit versetzt.

Man merkt dem Schreibstil des Autors Axel Westerwelle an, dass er bisher Sachbücher verfasst hat. Der Erzählstil ist in der ersten Hälfte des Buches sachlich und zum Teil sehr trocken, so dass ich mich regelrecht durch die Seiten quälen musste. Die Recherchen von Christoph haben einen äußerst großen Teil des Buches eingenommen, der sehr langatmig ausgefallen ist und dem eine Kürzung sehr gut getan hätte. Ab der Mitte des Buches hat die Geschichte dann aber an Fahrt aufgenommen, der Erzählstil wurde besser und die Ereignisse um Christoph und seine Frau Claudia ließen sich viel flüssiger lesen. Als sich die Ereignisse in Portsmouth ihrem Höhepunkt näherten, mochte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen!

Christoph Steiner ist ein Protagonist, der trotz all seiner skurrilen Ideen sehr sachlich denkt, was sich auch auf die Geschichte niederschlägt. Claudia ist der eher emotionale Part, ihre kursiv gedruckten Gedanken wirken jedoch manchmal sehr gestellt und gestelzt. Die Story wird meistens aus der Sicht von Christoph erzählt, so dass man viel über ihn du seine Gedanken erfährt, manchmal wird die Handlung auch aus Claudias Sicht wiedergegeben. Alle weiteren Nebenfiguren bleiben sehr blass, sie spielen aber auch kaum eine Rolle.

Das Buch selber kommt in einer sehr hochwertigen Aufmachung daher. Es ist ein Hardcover mit Schutzumschlag, das in Leinen gebunden ist und ein Lesebändchen hat. Der Schutzumschlag ist sehr schön gestaltet, der Buchtitel kommt in grüner, glänzender Schrift auf dem Bild einer dunklen, sich öffnenden Holztür, sehr gut zur Geltung.

Der Science-Fiction Roman „Lost in History: Gegenwart“ bildet den Auftakt einer Romantrilogie, die mit den Bänden „Vergangenheit“ und „Rückkehr“ fortgesetzt wird. Auf Grund der guten zweiten Hälfte des Buches, würde ich auch die Folgebände lesen, vorausgesetzt, sie knüpfen vom Erzählstil genau an die eben erwähnte zweite Buchhälfte des ersten Bandes an!



von Axel Westerwelle
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Hamburger Verlag; Auflage: 1 (1. September 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3981072111
ISBN-13: 978-3981072112
 
Rezension vom 11.09.2011
 

Ich bedanke mich bei Axel Westerwelle und dem  für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Freitag, 10. September 2010

Missi Dominici. Erstes Buch: Das Kind des Tierkreises - Gloris/Dellac

Wehe dem, der die Bestie erweckt…

Der junge Ronan Chantilly de Guivre und sein Meister Ernst Wolfram sind Angehörige der Missi Dominici, ein Orden, der sich der Sache verschrieben hat, die heiligen Reliquien nach Rom zu bringen. Sie erreichen Riga um von dort aus durch das von heidnischen Liven besetztes Gebiet zu reisen, wo sie hoffen, einen Nagel vom Kreuz Christi zu finden. Die Liven beten eine heidnische Gottheit, Malassah, an, der das Kind des Tierkreises hervorgebracht haben soll.

Die Graphic Novel von dem französischen Autor Thierry Gloris und dem Zeichner Benoît Dellac beginnt mit den Apokalyptischen Reitern aus der Offenbarung des Johannes, die auf der Suche nach dem Kind des Tierkreises sind und unterwegs alles niedermetzeln, was ihnen in die Quere kommt. Des Weiteren erfährt man einiges von de Guivre und seinem Meister Wolfram, alles in den sehr düsteren und dunklen Farben schwarz, grau, braun und dunkelrot gehalten, die die Trostlosigkeit und Kargheit des Lebens im Mittelalter und die düstere Atmosphäre sehr gut transportieren. Die Zeichnungen sind sehr detailreich und setzen vor allem die Brutalität, mit der die Menschen im 13. Jahrhundert, in dem die Geschichte angesiedelt ist, miteinander umgegangen sind, gekonnt in Szene.

Diese 48-seitige Graphic Novel aus dem Hause ehapa-Comic-Collection setzt auf seine Bildgewalt und verzichtet auf ausschweifende Dialoge, genau genommen sind die Protagonisten sehr schweigsam. Die Protagonisten verfügen auch über dunkle magische Fähigkeiten, die sie aus ausweglosen Situationen retten und es gibt noch mysteriöse Gegenspieler, die auch der Magie fähig zu sein scheinen. Der Druck der Bilder ist sehr gut und kräftig auf Hochglanzpapier aufgebracht. Die Aufmachung des Albums und der Seiten ist sehr hochwertig, das Cover ganz in schwarz gehalten, mit einem orangeroten Titel, vier grobschlächtige Ritter um ein Feuer und dem Tierkreis, erregt schnell die Aufmerksamkeit des Betrachters.

Missi Dominici. Erstes Buch: Das Kind des Tierkreises ist der Auftakt zu einem düster-guten Bildspektakel, dass den Leser fesselt und in eine mysteriöse mittelalterliche Welt abtauchen lässt. Jedoch ist dieses schöne Album nichts für zartbesaitete Gemüter, da viel Blut fließt und auch mal ein paar Augäpfel durch die Gegend fliegen!



von Thierry Gloris und Benoît Dellac
Gebundene Ausgabe: 48 Seiten
Verlag: Ehapa Comic Collection - Egmont Manga & Anime (15. Mai 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3770433505
ISBN-13: 978-3770433506
Originaltitel: Missi Dominici 01 - L'infante Zodiacal

Rezension vom 10.09.2010


Ich bedanke mich bei  Comic-Collection für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Sonntag, 5. September 2010

Die Maurin - Lea Korte

Granadas Fall

Im Andalusien des 15. Jahrhunderts regiert die spanische Königin Isabel den christlichen und der Emir Hassan den islamischen Teil Spaniens. Isabel möchte ihr Land endgültig von den Mauren und andersgläubigen Menschen befreien und zieht immer wieder mit ihrer Armee und spanischen Rittern gegen die Mauren. Die beiden Völker liefern sich blutige Gefechte, erobern und rückerobern Städte und fügen ihrem Volk viel Leid zu.

In dieser dunklen Zeit lebt Zahra, eine junge Maurin, deren Familie eng mit dem Emir von Granada zusammen wirkt. Sie selbst ist Hofdame bei Sultanin Aischa und begibt sich mit Haremswächter Kafur auf eine gefahrvolle Mission, von deren Gelingen das Schicksal Granadas und das der Mauren auf dem spanischen Festland abhängen. Durch Wirren und Intrigen der beiden Herrscherhäuser auf spanischer und maurischer Seite, kämpft sich die mutige Zahra, um am Ende mit einer verbotenen Liebe auf der Flucht zu sein und dem Ende Grandadas entgegenzusehen. Wird Zarah und ihren Liebsten das Unmögliche, nämlich das Überleben, gelingen?

Lea Korte ist eine wundervolle Autorin! Das Geschehen um Zahra und ihre Familie ist so detailliert und bildlich beschrieben, dass man sich in jede Sekunde in das Buch hineinversetzt fühlt. Der Schreibstil ist flüssig und recht einfach gehalten, so dass der Lesefluss durch nichts gestört wird. Die Seiten fliegen nur unter den Fingern dahin und man fiebert und leidet mit Zahra. Die historischen Ereignisse um die Eroberung Granadas durch die spanische Königin Isabel, sind sehr gut und fundiert recherchiert, das Leben der Mauren glaubhaft und gut beschrieben.

Das Cover des Buches ist toll gestaltet und die Hand einer Frau mit einer Rose, sowie der golden eingeprägte Schriftzug des Buchtitels auf rotem Grund, erregen schnell die Aufmerksamkeit des Buchkäufers.

Insgesamt überzeugt das Buch mit einer schönen fiktiven Geschichte um Zahra und ihre Abenteuer, eingebettet in wahrhaftige, historisch belegte Ereignisse in Spanien. Dies wird sicherlich nicht das letzte Buch der Autorin sein, das ich lesen werde!
 


von Lea Korte
Broschiert: 663 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur (1. Februar 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426502305
ISBN-13: 978-3426502303

Rezension vom 05.09.2010

Ich bedanke mich bei Lea Korte und der   
für die Bereitstellung eines Leseexemplars!

Donnerstag, 2. September 2010

Leseliste August 2010

Der September ist angebrochen und nun ist es Zeit einmal zu resümieren, was ich im August alles gelesen habe. Es waren insgesamt fünf Bücher, von denen drei mich wirklich überzeugt haben, während die anderen beiden nicht so dolle waren. Und hier sind sie:

           


          

Mittwoch, 1. September 2010

Der Sommer deiner Angst - Mary Jane Clark

Die Sensationsgier des Medienzirkus

Eliza Blake ist eine erfolgreiche Journalistin, Moderatorin der Morgennews "KEY to America" und liebende Mutter einer siebenjährigen Tochter. Eine nette Haushältern, Ms Garcia, kümmert sich um Janie, Elizas Tochter, wenn Eliza beim Sender moderiert. Abends verbringt sie aber viel Zeit mit Janie. Bis Janie eines abends nicht aus dem Sommercamp Musquapinsk nach Hause kommt. Auch Ms Garcia, die Janie normalerweise vom Bus abholt, ist spurlos verschwunden, mit ihr, der Volvo der Familie. Eliza schaltet die Polizei ein, bald belagern auch ihre Journalistenkollegen Elizas Haus um sensationsheischend intime und geheime Details in den Newssendungen zu bringen. Hier geht es nur um Einschaltquoten. Bald schon laufen die polizeilichen Ermittlungen auf Hochtouren und sogar das FBI ist zu Gast in Elizas Haus. Die Ermittler fischen jedoch im Trüben, so dass sich die verzweifelte Mutter an den letzten Strohhalm klammert, den eine Hellseherin ihr hinhält. Werden Janie und ihre Kinderfrau noch lebend gefunden?

Mary Jane Clark hat mit "Der Sommer deiner Angst" einen Thriller geschaffen, der einen bis zum Schluss im Dunkeln tappen lässt und somit die ganze Zeit über interessant bleibt. Geschickt legt die Autorin falsche Fährten aus, erzählt Geschichten von verschiedenen Personen, in denen man immer die Entführer zu entdecken glaubt, um erst ganz zum Ende des Buches alle Details offenzulegen. Der Schreibstil ist flüssig zu lesen und recht einfach gehalten. Mary Jane Clark versteht es, die Gefühle von Eliza, der kleinen Janie und Ms Garcia feinfühlig zu beschreiben und ihre Angst und Panik in der Situation gut rüberzubringen.

Dennoch fehlt mir der letzte Schliff, der letzte Pfiff, der einen guten, unglaublich fesselnden Thriller ausmacht. Natürlich wollte ich wissen, wie das Buch ausgeht, aber manchmal kam mir die Spannung doch ein bischen abhanden. Die Geschichte plätscherte gelegentlich ein wenig vor sich hin und das auf realtiv kurzen 312 Seiten. Der Autorin ist trotzdem ein solider Thriller gelungen, der für ein paar nette Lesestunden sorgt.



von Mary Jane Clark
Broschiert: 315 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1 (1. Juni 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596180422
ISBN-13: 978-3596180424
Originaltitel: It Only Takes a Moment

Rezension vom 29.08.2010