Dienstag, 31. August 2010

Böser Engel - Timothy Carter

Dämonisch gut

Stuart ist ein etwas eigenartiger Teenager. Er ist gerne alleine und hat ein besonderes Hobby: Dämonen beschwören. Dass er schwul ist, ist in der religiösen Kleinstadt Ice Lake zwar ohne große Probleme aufgenommen worden, dennoch ist Stu ein Kuriosum. Außerdem tut er gerne das, was die meisten Teenager gerne nachts unter der Decke oder unter der Dusche tun. Doch als sein kleiner Bruder Josh in dabei erwischt, ahnt Stuart noch nicht, was für eine Lawine er losgetreten hat. Die Bewohner von Ice Lake beginnen sich in einen bösartigen Mob zu verwandeln, der alle Lynchen will, der sich der Sünde Onans schuldig gemacht haben soll. Stuart flüchtet sich mit seinem Freund Chester zu Reverent Reedy, doch auch dort sind sie nicht lange sicher. Als er wieder mal den Dämon Fon Pyre beschwört und erfährt, dass ein gefallener Engel die Kleinstadt heimsucht, der für das ganze Übel verantwortlich ist, beschliesst er, dem Treiben ein Ende zu setzen.

Timothy Carter hat schon mit "Dämonenhunger" das Fantasygenre sehr humorvoll von hinten aufgerollt. Mit dem Roman "Böser Engel" ist ihm ein weiterer Geniestreich gelungen, das Buch ist nochmal um einiges besser, als sein Vorgänger. Selten findet man das Thema Homosexualität überhaupt in der Fantasyliteratur und dann noch so locker und humoristisch aufgemacht, wirkt es einfach urkomisch! Ein Lacher folgt dem Nächsten, die Sprüche sind zum Teil so gut gelungen, dass ich sie laut vorgelesen habe. Die Ideen, die der Autor zu seiner Geschichte verwebt, reichen von fiesen Dämonen, die nach Badreiniger "duften" bis hin zur gut verpackten Kritik an den streng religiösen Gemeinschaften, die glauben, die Bibel wäre unfehlbar und man müsse alles für bare Münze nehmen, was darin steht.

Stuart ist eine wunderbare Hauptfigur, die einfach eine etwas andere Sichtweise der Welt hat. Man muss ihn einfach mögen, so liebvoll ausgestaltet wie er ist. Auch der Dämon Fon Pyre ist toll gelungen und die Wortgefechte, die sich die beiden liefern sind spitze!

Der Schreibstil ist sehr einfach und flüssig zu lesen. Hier darf man keine literarischen Höchstleistungen erwarten, dafür lesen sich die Seiten wie im Flug und die Geschichte ist so witzig und grotesk, dass der Stil einfach passend ist. Das Buchcover ist sehr schön geworden. Der Titel nimmt die meiste Fläche des Covers ein und ist in hellen Lettern auf mattschwarzem Hintergrund gedruckt. Dazu ist ein Bild von einem Engel mit schwarzen Flügeln zu sehen. Die Schrift ist relativ groß, die 29 Kapitel sind kurz gehalten. Jedes neue Kapitel wird mit einer leeren Seite eingeleitet, auf der nur die Kapitelnummer zu lesen ist, hinterlegt mit zwei Engelsflügeln.

Alle, die Lust auf einen witzigen und humorvollen, aber vorallem auf einen Fantasyroman der anderen Sorte haben, sollten unbedingt zu "Böser Engel" greifen.



von Timothy Carter
Broschiert: 271 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur (1. Juni 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 342650698X
ISBN-13: 978-3426506981
Originaltitel: Evil

Rezension vom 30.08.2010

Ich bedanke mich bei   für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Montag, 30. August 2010

Schafkopf - Andreas Föhr

Es begann in einem Wirtshaus...

Auf dem bayrischen Riederstein wird ein furchtbarer Kerl erschossen, der nur Dreck am Stecken hatte. Ein Polizist war bei der Tat auch zugegen, nur gesehen hat er leider Niemanden. Das Opfer, Stanislaus Kummeder, war nicht eben beliebt, außerdem war er davon besessen, dass seine Freundin Kathi Hoogmüller nicht abgehauen ist, weil er sie regelmäßig verprügelt hat, sondern entführt wurde. In diesem Zusammenhang taucht auch immer der Name des Anwalts Jonas Falcking auf. Kommissar Wallner, Leiter der SOKO, und seine Kollegen, die den Mord auf dem Riederstein aufklären sollen, tappen im Dunkeln.

Andreas Föhr schreibt bayrisch. Sehr bayrisch. Glücklicherweise versteh ich den bayrischen Dialekt sehr gut, aber ob das allen Anderen auch so geht? Es ist manchmal ein wenig anstrengend die Dialoge zu verfolgen, auch der Schreibstil ist nicht immer flüssig und die Spannung wollte nicht wirklich überspringen. Somit zogen sich die Seiten ziemlich zäh dahin. Jedoch hat der Autor es geschafft, zumindest ein wenig Interesse am Ausgang der vertrackten Geschichte aufkommen zu lassen, so dass ich das Buch zu Ende gelesen habe. Wirklich überraschend kam das Ende dann aber doch nicht. Wieder lesen würde ich das Buch auf keinen Fall, dazu war es einfach zu trocken und zu langweilig.



von Andreas Föhr
Broschiert: 448 Seiten
Verlag: Knaur (10. September 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426663988
ISBN-13: 978-3426663981

Rezension vom 10.08.2010

Ich bedanke mich bei      für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Sonntag, 29. August 2010

Nox: Das Erbe der Nacht - Michael Borlik

Die Kinder der Nacht – Hexen, Werwölfe und Vampire

Tara möchte eigentlich nur ein ganz normales Mädchen sein, aber eine Prophezeiung, die ihre Grandma vor ihrer Geburt ausgesprochen hat, hindert sie daran. Seit Kindesbeinen an ist sie auf der Flucht vor den Bluthunden der Nox, des Rates der Kinder der Nacht, der sie tot sehen will. Jedes Mal wenn sie enttarnt wurde, musste sie weiter: In eine neue Stadt, eine neue Schule und neue Leute kennenlernen. Da würde sich jeder etwas Anderes wünschen. Auch diesmal ist sie unterwegs nach Hause, nachdem ihre wahre Identität aufgeflogen ist, doch niemand holt sie vom Bahnhof ab. Taras Eltern sind auch nicht zu Hause. Etwas ist sehr, sehr merkwürdig. Plötzlich sieht sie sich einer unheimlichen Gestalt gegenüber: Ihre Grandma, die sie für tot gehalten hatte und die den Teenager für ihre Zwecke einspannen will, um die Prophezeiung zu erfüllen. Glücklicherweise ist ein seltsamer junger Mann mit mächtigen Fähigkeiten zur Stelle und bewahrt das junge Mädchen vor einem grausamen Tod. Von nun an ist das ungleiche Gespann auf der Flucht vor Taras Grandma und den Kopfgeldjägern der Nox. Unterwegs treffen sie noch auf den Werwolf Taylor und den Menschen Danny. Schon bald verbindet sie alle das gleiche Schicksal. Werden die Vier es schaffen, die Welt vor dem Untergang zu bewahren? Hat Taras Liebe eine Chance?

Nox: das Erbe der Nacht von Michael Borlik ist ein Fantasyroman per exélence. Der Autor schafft es, einen in das Geschehen mitzunehmen und Begeisterung für die Geschichte zu wecken. Tara ist eine Protagonistin, in die man sich sehr gut hineinversetzen kann. So sind Teenager einfach: impulsiv, gedankenlos, leichtsinnig und vor allem verliebt! Mit dem Mut der Verzweiflung meistert sie alle Höhen und Tiefen, trifft neue Freunde und geht mit ihnen durch Dick und Dünn. Die Geschichte wird aus Taras Sicht geschildert, sie ist der Ich-Erzähler. Die anderen drei Hauptpersonen, Sky, Danny und Taylor bleiben bei diesem Erzählstil natürlich ein wenig außen vor, denn über ihre Gedanken und Gefühle erfährt man nur etwas, wenn sie es auch laut aussprechen. Das Buchcover ist toll gestaltet und ganz in schwarz gehalten. Durch den roten Schriftzug und den Umriss eines Raben wirkt es geheimnisvoll und auch die schwarzen Seiten im Inneren des Buches haben einen tollen Effekt.

Die Story ist nicht ganz neu, aber toll erzählt, rasant, kurzweilig und die Protagonisten wachsen einem schnell ans Herz. Uneingeschränkte Leseempfehlung!



von Michael Borlik
Gebundene Ausgabe: 474 Seiten
Verlag: Thienemann Verlag (14. Juli 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3522201159
ISBN-13: 978-3522201155
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 - 15 Jahre

Rezension vom 15.08.2010

Samstag, 28. August 2010

Weiß der Himmel von dir - Alicia Bessette

Wach auf, du lebst noch!

Rose-Ellen Roy, genannt Zell, ist eine einsame, depressive Witwe. Und das mit 32 Jahren. Ihr Ehemann Nick ist bei einem tragischen Unfall in New Orleans ums Leben gekommen, als er beim Wiederaufbau nach dem Hurrikan Katrina geholfen hat. Dieses Unglück hat Zell mitten aus dem Leben gerissen, heraus aus ihrem Freundeskreis. Sie kann nicht auf ihren Dachboden gehen und weint sich bei jeder Gelegenheit die Augen aus, dabei ist Nick schon fast eineinhalb Jahre tot. Doch die kleine Ingrid, Zells aufgewecktes Nachbarsmädchen und Tochter des attraktiven Garrett, reißt sie aus ihrer Lethargie, als sie sich schwören, Polly Pinch‘s Dessertwettbewerb zu gewinnen, der mit 20.000 $ und einem Auftritt in ihrer Live-Show dotiert ist. 20.000$ wollte Nick für die Opfer des Hurrikans in New Orleans sammeln, das war sein letzter Wunsch und Ingrid will unbedingt Polly Pinch treffen. So machen sich die Beiden ans Backen und zusammenrühren, das Chaos ist vorprogrammiert! Doch dann bekommen sie Hilfe von alten Freunden und tollen Stiefomas, allerdings muss Zell das perfekte Dessert selbst kreieren und vor allem endlich etwas zu Ende bringen! Schafft es Ingrid, Zell endlich wieder Leben einzuhauchen?

Weiß der Himmel von dir ist Alicia Bessettes Debut Roman. Er hat das das Thema Trauerbewältigung zum Inhalt, welches sehr gefühl- und taktvoll angegangen wird. Man leidet und fühlt mit der armen Zell mit, der das Liebste auf Erden genommen wurde: Ihr Ehemann Nick. Ingrid ist ein aufgewecktes Mädchen, das mit ihrer naiven Art endlich als erste seit langem an Zell herankommt, sie rüttelt die lethargische Frau wach und zeigt ihr, das das Leben trotz allem lebenswert ist. Ingrids Vater Garrett trägt auch seinen Teil dazu bei: er liefert Ingrid immer bei Zell ab um zum College zu gehen.

Der Schreibstil ist recht einfach gehalten und beinhaltet meistens Zells Träume, Erinnerungen und Gedanken. Schnell fliegt man als Leser über die Seiten, man möchte Zell auf ihrem Weg zurück ins Leben begleiten, man möchte sie manchmal auch schütteln: wach auf, gib dir einen Ruck, du lebst noch!

Die Geschichte an sich ist nicht neu, aber sehr liebevoll erzählt und beschrieben, so dass es ein Genuss ist, sie zu lesen!
 


von Alicia Bessette
Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Krüger, Frankfurt; Auflage: 2 (6. Juli 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3810502650
ISBN-13: 978-3810502650
Originaltitel: Simply From Scratch

Rezension vom 27.07.2010

Freitag, 27. August 2010

Biosphere - Warren Fahy

Eine geheimnisvolle Insel, Henders Island

Als die Trident, das schwimmende TV-Studio der TV-Serie Sea Life einen Notruf einer alten Notrufbarke auffängt, lassen sich die schon fast dem Lagerkoller anhein gefallen Wissenschaftler der Serie und die Crewmitglieder des Forschungsschiffes nicht lange bitten. Schnell nehmen sie Kurs auf ein noch unerforschtes Eiland, eines der letzten weißen Flecken auf den Landkarten: Henders Island. Nach anfänglichem Jubel unter den Wissenschaftlern und allen voran Dr. Nell Duckworth, der Botanikerin, schlägt die Stimmung nach dem ersten Landgang schnell in Grauen um. Das Kamerateam um den Kameramann Zero und weitere Wissenschaftler werden von merkwürdigen Kreaturen angefallen und in Stücke gerissen. Nur Zero und Nell schaffen es ins rettende Boot. Das alles wird live auf die heimischen Fernsehbildschirme übertragen. Schnell ist klar, dass auf Henders Island etwas nicht stimmt und die US-Regierung wird hinzugezogen. Doch was selbst die NASA-Wissenschaftler unter der Leitung von Dr. Cato und Nell herausfinden, wagt sich keiner selbst in seinen kühnsten Träumen auszumalen. Die Trident selbst wird unter Quarantäne gestellt und eine umfassende Nachrichtensperre verhängt. Nichts darf mehr von Henders Island in die Außenwelt vordringen, nichts darf überleben…

Warren Fahys Debut-Roman Biosphere ist ein wissenschaftlicher Thriller, der mit sehr gut recherchierten Details aus der Meeresbiologie und Botanik aufwartet. Das Ökosystem auf Henders Island, alle Tiere und Pflanzen sind fantasievoll entwickelt und beschrieben, die wenigen Zeichnungen der Henders-Kreaturen sind passend eingesetzt und helfen dem Leser sich das Unvorstellbare vorzustellen. Die wissenschaftlichen Beschreibungen sind manchmal ein wenig trocken, dennoch unheimlich informativ und wichtig für den Verlauf der Story. Die Figuren, vor allem Dr. Nell Duckworth und Zero, sowie später auch Dr. Geoffry Binswanger sind liebevoll gestaltet und toll in Szene gesetzt. Die Geschichte wird im ersten Teil des Buches aufgebaut und langsam ihrem Höhepunkt entgegengetrieben, auf dem es einfach unmöglich ist, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Der Schreibstil ist, bis auf die wissenschaftlichen Passagen, zwar anspruchsvoll, aber nicht zu anstrengend zu lesen. Das Buchcover ist toll gestaltet und in glänzender blauer Optik gehalten. Zu diesem Buch hätte ich auch in der Buchhandlung gegriffen, wenn es ausgelegen hätte.

Biosphere ist ein toll geschriebener und spannender Wissenschaftsthriller, der allen gefallen wird, die auf etwas anspruchsvollere, gut recherchierte Bücher aus sind, die trotzdem zu fesseln wissen.



von Warren Fahy
Taschenbuch: 496 Seiten
Verlag: rororo (3. Mai 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499252422
ISBN-13: 978-3499252426
Originaltitel: Fragment

Rezension vom 25.07.2010

Donnerstag, 26. August 2010

Die Rache der Königinnen - Eva Maaser

Wenn Frauen hassen...

König Sigibert ist tot und hat seinen siebenjährigen Sohn Childebert, genannt Bertho, und seine schöne Königin Brunhichild zurück gelassen. Seit des Königs Tod versuchen machthungrige Mitglieder des Kronrats die Macht in Austrasien an sich zu reißen und Königin Brunichild und deren Regent dux Gogo verlieren immer mehr an Macht. Auch der Bruderkrieg der Könige Guntram und Chilperich, der für die Ermordung seines Bruders Sigibert verantwortlich ist, treibt immer weitere Ränke, unter denen das Volk leiden muss. Hungersnöte und Krankheiten sind die Folge. Mittendrinn ist wieder Wittiges, ein spanischer ehemals mittelloser Landadliger, der in Königin Bunichilds Gefolge nach Frankreich gekommen ist. Nun ist er zu Land und Geld gekommen, hat ein schönes Leben auf seinem Landgut casa alba, bis er zu einer aussichtlosen Mission zu den Awaren abkommandiert wird. Hier erreicht er nicht das, was er soll, erleidet einen Schicksalschlag und muss wie ein geprügelter Hund nach Metz an den Königlichen Hof zurückkehren. Er verliert seinen Platz im Rat und seine Stellung bei Hofe, außerdem erfährt er die unheilvolle Nachricht, dass sein Sohn Felix wohl mit dem jungen König Bertho verwechselt und verschleppt wurde. Wittiges macht sich auf die gefährliche Suche nach seinem Sohn Felix, aber diese wird erstmal nicht von Erfolg gekrönt sein. Allerdings stolpert er von einer Intrige bei Hof in die Andere. Ob Wittiges Felix am Ende doch retten und die verfeindeten Königreiche vor einem verheerenden Krieg bewahren kann?

Im zweiten Band Eva Maasers Geschichte um Wittiges treffen wieder die schöne Königin Brunichild und deren Erzfeindin Königin Fredegund, Chilperichs Frau, aufeinander. Die beiden hassen sich zutiefst, seit Brunichilds Schwester Gailswintha Opfer von Fredegunds Intrigen geworden ist. Aber dieser Handlungsstrang ist wieder nur nebensächlich und bildet quasi die Rahmenhandlung, an der die Königinnen ihre Ränke und Intrigen ausrichten und schmieden. Das sie dabei ihr gesamtes Volk in den Abgrund reißen interessiert die beiden herzlich wenig. Eva Maaser haucht den beiden historisch belegten Damen auf wundersame Weise Leben ein und beschreibt sie, wie sie wohl gewesen sind. Nach außen hin eiskalt, aber im inneren immernoch die jungen Mädchen, als die sie Ehefrauen und Mütter geworden sind.

Im eigentlichen Handlungsstrang begleiten wir die ganze Zeit Wittiges auf seinen vielen Reisen in Frankreich und stehen ihm bei seinen gefährlichen Abenteuern bei. Er handelt nicht immer nur eigennützig und ist viel mehr auf das Gemeinwohl bedacht, als seine machtgierigen Gegner. Als Brunichilds engster und treuester Vertrauter muss er immer für sie den Karren aus dem Dreck ziehen.

Der historische Roman, der um das Jahr 577 n. Chr. angesiedelt ist, ist sehr schön geschrieben und gut recherchiert. Allerdings ist er nicht ganz einfach zu lesen. Man muss sich viele Namen merken und die Verbindungen der Personen, wenn man nicht immer ins Glossar schauen möchte.

Wen die Geschichte Europas interessiert, sich nicht immer nur mit leichter Kost begnügt und vorallem wissen will, wie es mit Wittiges und Brunichild nach dem ersten Teil "Die Fehde der Königinnen" weitergeht, ist bei diesem Roman sehr gut aufgehoben!
 



von Eva Maaser
Broschiert: 470 Seiten
Verlag: Piper (Juli 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492258417
ISBN-13: 978-3492258418

Rezension vom 26.08.2010



Ich bedanke mich beim Piper Verlag für die Bereitstellung eines Leseexemplares!

Mittwoch, 25. August 2010

Die Spur der Kinder - Hanna Winter

Wenn du eine weiße Lilie bekommst, stirbt dein Kind…

Fiona Seeberg ist eine erfolgreiche Romanautorin, bis eines Tages ihre kleine Tochter Sophie spurlos verschwindet. Sie bekommt eine weiße Lilie zugestellt. Von ihrer Tochter fehlt seither jede Spur. Das ist jetzt über zwei Jahre her und Fiona kommt über den Verlust ihres Kindes nicht hinweg. Adrian, Fionas Verlobter und Vater von Sophie, scheint seine eigene Methoden haben, dieses Drama zu verarbeiten. Plötzlich steht Piet Karstens, der Kommissar, der in den Entführungsfällen der Kinder vor zwei Jahren ermittelt hat, wieder vor Fionas Tür und stellt ihr gemeinsam mit seiner Kollegin Frauke Behrendt erneut Fragen zu Sophies Verschwinden. Dieses Ereignis wühlt die junge Romanautorin, die mit dem Alkohol zu kämpfen hat, erneut auf und sie beginnt endlich wieder an einem Roman zu schreiben. Da verschwindet die kleine Luna Gracia, die die gleiche Kita wie Sophie besucht hat, ebenfalls spurlos von einem Kindergeburtstag aus dem Zoo. Die Polizisten tappen im Dunkeln. Adrian benimmt sich merkwürdig, als Fiona eine neue Bekannte, Theresa, mit zur Feier von Adrians Restaurant bringt. Steht ihr Verlobter in Verbindung mit den verschwundenen Kindern? Wem gehört der weiße Kleintransporter mit dem Ein-Herz-für-Kinder-Aufkleber auf der Rückseite? Werden Fiona Seeberg und Piet Karstens den Mörder der kleinen Kinder schnappen?

Hanna Winter hat mit ihrem Debüt-Thriller einen spannungsgeladenen Roman hingelegt, der von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln vermag. Viele verschiedene Wendungen führen den aufmerksamen Leser immer wieder auf die falsche Fährte und lassen ihn im Dunkeln tappen. Somit konnte ich es kaum erwarten weiterzulesen um endlich herauszufinden, was mit Fionas Tochter Sophie und den anderen Kindern geschehen ist.

Die Spannung steigt von Beginn an kontinuierlich an und lässt nicht mehr nach. Die Sprache ist temporeich und der Geschichte absolut angemessen. Die Figuren sind geheimnisvoll, haben ihre Stärken und Schwächen und erscheinen so menschlich, dass man viele Entscheidungen einfach nachvollziehen kann.

Das Buch hat mich gepackt und in den Strudel der Ereignisse gerissen, bis auch die letzte Seite ausgelesen war. Absolut empfehlenswert!



von Hanna Winter
Broschiert: 342 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (1. August 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548282555
ISBN-13: 978-3548282558

Rezension vom 16.07.2010

Dienstag, 24. August 2010

Das Vermächtnis von Thrandor - Das Schwert aus dem Feuer - Mark Robson

Die verbotene Welt der Magie

Calvyn ist ein 15-jähriger Junge aus einem Dorf im Königreich Thrandor, in dem das Wirken von Magie unter Strafe verboten ist. Als er eines Tages vom Angeln kommt trifft er den geheimnisvollen Perdimonn und ist ihm behilflich. Als er zum Dank auf dem Karren des Alten mitfahren kann machen die Beiden eine furchtbare Entdeckung: Calvyns Dorf ist überfallen und seine Eltern getötet worden. Perdimonn nimmt sich des Jungen an und für beide beginnt eine wundervolle Reise voller Magie und Freundschaft, bis irgendwann Selkor auftaucht und Perdimonn ins Gebirge zwingt. Zuvor haben sich Perdimonn und Calvyn getrennt. Der Weg des inzwischen 17-jährigen führt ihn in die Soldatenausbildung, zu vielen neuen Freunden und einem magischen Schwert. Können Calvyn und seine Freunde, der beste Schwertkämpfer Bek, der Gefreite Jez und Jenna, die Jägerin im nahenden heiligen Krieg bestehen?

Das Vermächtnis von Thrandor – Das Schwert aus dem Feuer erzählt die Geschichte des jungen Calvyn der ein Schüler der Magie wird und sich dann der Soldatenausbildung widmet. Es handelt sich um den ersten Band einer Vierteiligen Fantasyreihe. Es gibt fiese Bösewichte und kleine Intrigen, die Calvyn und Bek das Leben ihres Rekrutendaseins schwer machen sollen. Die Figuren sind schön ausgearbeitet und mach schließt Calvyn schnell in sein Herz. Man mag seine Freunde und hasst seine Feinde. Das Königreich Thrandor ist ein Fantasiereich, das gut durchdacht ist, aber Alles in Allem bietet die Geschichte nicht viel Neues. Braucht sie auch gar nicht! Denn sie lebt durch die Figuren, auch wenn es nicht die anspruchsvollste Geschichte ist, möchte man doch immer wissen, wie es weitergeht und legt das Buch erst aus der Hand, wenn auch die letzte Seite umgeblättert ist.

Die Sprache ist dementsprechend einfach gehalten und die Seiten fliegen nur so durch die Finger. Das Cover ist in dunklem Blau gehalten und sieht sehr interessant und ansprechend aus. Der Schriftzug des Buchtitels mit dem Silberdrachen-S ist toll gelungen und fängt das Auge des Betrachters sofort ein.

Mark Robson hat mit diesem Buch solide Jugendfantasy abgeliefert und eine schöne Welt erschaffen, über die es sich zu lesen lohnt!



von Mark Robson
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: cbj (8. Juni 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570400158
ISBN-13: 978-3570400159
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 13 Jahre
Originaltitel: Darkweaver Legacy Series Bd. 1 - The Forging of the Sword

Rezension vom 14.07.2010

Montag, 23. August 2010

Das Einstein-Mädchen - Philip Sington

Der Psychiater und die Patientin

Im Berlin der 30er-Jahre wird eine junge Frau halb erfroren und mit Prellungen und Schürfwunden im Wald gefunden. Durch falsche Behandlung fällt sie ins Koma und als sie wieder erwacht, kann sie sich nicht erinnern, wer sie ist. Der Psychiater Dr. Martin Kirsch nimmt sich dem Fall an und versucht mit der jungen Frau, von der Presse „Das Einstein-Mädchen“ getauft, herauszufinden, wer sie ist, ob sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist und was sie nach Berlin verschlagen hat. Es scheint eine Verbindung zum berühmten Professor Albert Einstein zu geben. Nach einigen Recherchen reist er nach Zürich um Professor Einsteins erste Frau Mileva nach dem Einstein-Mädchen zu fragen. Dort stößt er jedoch auf taube Ohren und findet anderweitig Informationen, die ihm weiterhelfen könnten. Dr. Kirsch schleppt allerdings selber ein dunkles Geheimnis mit sich herum, dass ihm zum Verhängnis zu werden droht.

Mit „Das Einstein-Mädchen“ hat Philip Sington einen Roman geschaffen, der ein wenig Kriminalroman, Wissenschaftsroman und Psychiatrieroman in Einem ist. Diese Mischung macht das Buch so interessant, facettenreich und einzigartig. Obwohl es weder großartig actionreich noch superspannend ist, möchte man es trotzdem nicht aus der Hand legen. Der Leser wird gefesselt von der Geschichte des Einstein-Mädchens und der des Psychiaters Dr. Martin Kirsch. Man möchte die Wahrheit herausfinden, die Hintergrundinformationen enttarnen und stürzt deshalb atemlos von Seite zu Seite um zum Schluss ein wenig irritiert und sehr überrascht zurückzubleiben.

Ein großes Thema des Buchs ist tatsächlich Albert Einstein und dessen Theorie der Quantenmechanik. Jeder, der in der Schule in Physik ein bisschen aufgepasst hat, wird mit den Passagen, in denen es um die Relativitätstheorien geht, keine Schwierigkeiten haben.

Es finden sich zwischendurch immer wieder Kapitel, in denen eine weibliche Briefeschreiberin ihre Geschichte erzählt. Sie sind in unterschiedlichen Abständen eingestreut und lassen beim aufmerksamen Leser bald einen Verdacht aufkeimen, der allerdings lange warten muss, bis er aufgeklärt wird. Diese Passagen sind sehr spannend zu lesen und lockern die Geschichte auf.

Die Hauptfiguren Dr. Kirsch und das Einstein-Mädchen sind gut beschrieben und sympathisch, wobei sie zu Beginn noch sehr blass ist, denn sie erinnert sich ja an nichts aus ihrem Leben. Das Buchcover ist schön gestaltet und in schwarz-weiß gehalten, wobei eine grüne Augenpupille und ein blassrosa Mund Aufmerksamkeit erregen.

Das Buch ist sehr ansprechend geschrieben und gut zu lesen. Jeder, der Interesse an der Geschichte des Einstein-Mädchens hat, sollte es unbedingt zur Hand nehmen!



von Philip Sington
Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Juli 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423247835
ISBN-13: 978-3423247832
Originaltitel: The Einstein Girl (Harvill Secker, London 2009)

Rezension vom 09.07.2010

Sonntag, 22. August 2010

Das Geheimnis von Santiago - Toti Lezea

Eine historische Geschichte um den Jakobsweg des 13. Jahrhunderts

Drei nur allzu unterschiedliche Personen treffen am Jakobsweg aufeinander. Sie alle teilen ein Schicksal: Ein religiöser Fanatiker trachtet ihnen nach dem Leben. Er hat die Tante des jungen heidnischen Steinmetz und Bildhauers Eder Bozat und einen guten Freund des jüdischen Arztes Don Ezequiel Falaquera auf dem Gewissen. Auch der maurische Apotheker Hadi al Suri, der dem Fanatiker und exkommunizierten Inquisitor Robert Lepetit ein Orakel lesen sollte, schwebt in Lebensgefahr. Gemeinsam bricht das ungleiche Gespann nach Ponteferrato auf, um dem dortigen Kurator des Templerordens Bertrand de Galande mitzuteilen, dass sich der gesuchte Mörder Robert Lepetit in der Stadt Burgos befindet. Sie kommen allerdings nicht weit, da die Pilgerreise für die beiden Alten zu beschwerlich ist und bleiben in Léon, um auf die Ankunft des Templers zu warten. Doch auch hier taucht der Fanatiker Robert auf. Welches Interesse hat er an dem Gänsespiel-Orakel? Robert Lepetit schafft es wieder, sich der Obrigkeit zu entziehen und flieht mit einigen fanatischen Anhängern in Richtung Santiago de Compostela. Unterwegs entführt er noch Eders hochschwangere Frau. Die Templer und Eder nehmen die Verfolgung auf, doch können sie Alazais noch rechtzeitig aus den Fängen des Fanatikers befreien?

Der historische Roman der spanischen Bestsellerautorin Toti Lezea, der im frühen 13. Jahrhundert spielt, beschreibt die Zustände der beschwerlichen Pilgerreise auf dem Jakobsweg sehr treffend und wunderbar bildreich. Die Sprache ist anspruchsvoll, das Buch ist keine leichte Kost, aber die Geschichte und die Hauptcharaktere sind so toll und facettenreich beschrieben und geschildert, dass es eine Freude ist, mit ihnen zu reisen und alle Gefahren zu bestehen, die am Wegesrand lauern. Vor allem den jungen Eder schließt man sofort in sein Herz, denn sein Glück wird überall zerstört, wo Robert Lepetit auftaucht. Dieser ist ein Fanatischer Ex-Mönch, der vom Papst höchstpersönlich exkommuniziert wurde und von geisteskranken Visionen heimgesucht wird. Die Geschichte des Juden und des Mauren zeigt deutlich, dass verschiedene Religionen friedlich nebeneinander, und vor allem miteinander, sich sinnvoll ergänzend, existieren können.

Das Buch liefert tolle Einblicke in das Leben des mittelalterlichen Spaniens und wartet mit einer interessanten und abwechslungsreichen Story auf. Ich habe es sehr gerne gelesen und empfehle es allen Spanienliebhabern und jakobswegbegeisterten Lesern.



von Toti Lezea
Gebundene Ausgabe: 495 Seiten
Verlag: Krüger, Frankfurt; Auflage: 1 (11. Februar 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3810512923
ISBN-13: 978-3810512925
Originaltitel: El Jardín de la Oca

Rezension vom 04.07.2010

Samstag, 21. August 2010

Der Fremde - Heike Korfhage

Die Abenteuer des Wanja Bajarin

Wanja Bajarin ist ein einsamer Wanderer durch die Welt. Er hat schon viel von ihr gesehen, an vielen weit entfernten Orten gekämpft und durch Zufall verschlägt es ihn nach Mittland, wo gerade die Belagerung von Wolfsburg durch König Karl stattfindet. König Karl nimmt mit Wanjas Hilfe, die Burg des abtrünnigen Grafen von Wolfsburg ein und will ihn näher kennenlernen. Doch da kommt ihrem Kennenlernen eine Horde Flugungeheuer in die Quere, die die Herzogin Valeria verschleppen und sich mit der Dame aus dem Staub machen. Nur Wanja ist geistesgegenwärtig und mutig genug, die Verfolgung aufzunehmen. Eine wilde Jagd beginnt, die den jungen Amudaren weit weg von Mittland, über Berge, durch Flüsse und Täler führt. Manchmal sieht er Tagelang keine Flugungeheuer, doch an manchen Tagen gelingt es ihm einem Ungeheuer nach dem Anderen den Garaus zu machen. Bis nur noch eins übrig ist, das oft rasten muss um die Last der Dame Valeria tragen zu können. Nun kommt Wanja endlich nahe genug an sie heran um Valeria zu befreien. Die beiden begeben sich auf eine lange und beschwerliche Rückreise, in der sie viele Abenteuer zu bestehen haben und an deren Ende König Karl Wanja mit einer Überraschung erwartet, mit der er nicht gerechnet hätte.

Heike Korfhage beginnt ihr Buch fulminant und mit jeder Menge actionreicher Szenen. Die Jagd nach der Dame Valeria ist aufregend und auch die Rückreise durch weit entlegene Gegenden der mittelalterlichen Welt ist beschwerlich und nur zu Fuß oder hoch zu Ross zu bewältigen. Viele Gefahren erwarten die beiden, bei denen Wanja als nur knapp dem Tod entrinnt und er öfter die Dame vor fiesen Räubern retten muss.

Zu Beginn haben sich leider noch sehr viele sprachliche Fehler eingeschlichen, oftmals sind die Adjektive nicht passend gewählt, aber das verliert sich mit Fortschreiten der Geschichte immer mehr. Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und gut zu lesen. Durch ihre bildhafte Sprache kann sich der Leser die Welt und die Figuren sehr gut vorstellen. Die Geschichte ist komplett aus Sicht des Helden, Wanja Bajarin, erzählt und man erfährt viel über seine Gedanken und seine Beweggründe, aber leider nur sehr wenig über seine Vergangenheit. Diese eröffnet sich dem Leser nur langsam.

Die mittelalterliche Welt erinnert stark an Unsere, was aber nicht weiter stört. Wanja Bajarin ist ein wahrer Überheld, dem es aber nicht immer reibungslos gelingt seine Dame zu beschützen und sie hinterher retten muss, der auch seine kleinen Fehler macht. Doch im Großen und Ganzen ist er schier unbesiegbar. Hier hätte ich mir ab und zu gewünscht, dass er nicht ganz so unfehlbar, moralisch korrekt und heldenhaft ist. Er kann wohl Magie wirken, setzt diese auch ein Mal ein um sich und Valeria zu retten, aber warum dies moralisch so verwerflich ist, erfährt der neugierige Leser leider nicht. Auch dem Bösewicht Ghadamis wird zu wenig Platz in der Geschichte eingeräumt, was das Ganze noch mehr aufgepeppt hätte.

Das Cover des Buches ist schön gestaltet, doch hätte ich hinter Diesem keinen Fantasyroman vermutet, sondern einen einfachen historischen Roman. Dennoch erkennt der Leser den Zusammenhang des Covers mit der Hauptfigur am Ende des Buches.

Insgesamt hat Frau Korfhage einen schönen Roman geschaffen, dessen Potenzial aber noch nicht gänzlich ausgeschöpft ist. Es bleiben auch einige offene Fragen zurück, die möglicherweise in einer Fortsetzung ihre Beantwortung finden werden.



von Heike Korfhage
Taschenbuch: 520 Seiten
Verlag: NOEL-Verlag (2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3940209376
ISBN-13: 978-3940209375

Rezension vom 24.06.2010


Ich bedanke mich bei Heike Korfhage, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Freitag, 20. August 2010

Mein neues Leben und ich - Maja von Vogel

Leo im Großstadtdschungel

Für welches 16-jähriges Mädchen wäre das nicht das Größte: Die Eltern weit weg in den USA und die erste eigene Wohnung, eine WG, in der Großstadt. Für Leo wird dieser Traum Wirklichkeit, denn sie weigert sich strickt mit ihren Eltern ein Jahr nach Texas zu gehen. Stattdessen zieht sie, überwacht von ihrer Tante und ihrem Onkel , mit ihrer Cousine Sabine zusammen in eine Zweck-WG. Eine neue Stadt, eine neue Schule, das erste Mal ist Leo ganz auf sich gestellt, und merkt, dass man sehr alleine sein kann, wenn man niemanden kennt. Ihre beste Freundin Doro ist in dem Dorf, wo sie normal wohnt, ziemlich weit weg. Sabine ist meist an der Uni und bei ihrem Freund, außerdem geht sie Leo mit ihrem Putzfimmel gehörig auf die Nerven! So hat sie sich ihr Zusammenleben nicht vorgestellt. In der Schule sitzt sie neben einer Tussi, ein 10cm kleinerer Junge aus ihrer Klasse weicht ihr nicht mehr von der Seite und zu allem Übel wird ihr in der U-Bahn auch noch ihr Portemonnaie geklaut. Aber dann trifft sie Luke…

Wie Leo sich im Großstadtdschungel zurechtfindet, wie sie sich in den Auseinandersetzung mit Sabine schlägt und wie sie es schafft anfängliche Schwierigkeiten zu überbrücken um Freunde zu finden, das alles erfährt man in dem tollen und lustig erzählten Jugendroman von Maja von Vogel. Sie erzählt locker leicht, was im Kopf einer 16-Jährigen wohl herum spuken muss, und das ist so Einiges. Ich habe öfter laut loslachen müssen, weil mir so Vieles bekannt vorkam. Leo ist so liebenswert und tollpatschig dargestellt, man will ihr einfach nichts Böses! Der Schreibstil ist genau passend für eine jugendliche Leserschaft und man kann den Roman auf einen Rutsch durchlesen ohne dass er zwischendurch an Witz und Esprit verliert. Ich würde das Buch vorbehaltlos allen Mädchen ab ca. 14 Jahren empfehlen, außerdem allen, die im Kopf junggeblieben sind.



von Maja von Vogel
Broschiert: 171 Seiten
Verlag: Carlsen; Auflage: 1., Auflage (Juli 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3551357846
ISBN-13: 978-3551357847
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 - 15 Jahre

Rezension vom 15.06.2010

Donnerstag, 19. August 2010

Totenpfad - Elly Griffiths

Du findest sie dort, wo die Erde auf den Himmel trifft

Dr. Ruth Galloway ist forensische Archäologin an der University of North Norfolk. Sie hält Vorlesungen und Seminare für Doktoranden. Ruth ist knapp 40 und lebt mit ihren zwei Katzen Sparky und Flint in einem kleinen Häuschen am Rand des Salzmoors, das sich bis ans Meer erstreckt. Eines Morgens erwartet sie ihr Chef Phil mit Chief Inspector Harry Nelson vor ihrem Büro. Nelson bittet Dr. Galloway einen Knochenfund im Salzmoor zu begutachten und zu datieren. Er vermutet hier die Überreste eines kleinen Mädchens, das vor 10 Jahren aus ihrem Bett geraubt wurde. Ruth Galloway wird somit wissenschaftliche Beraterin der örtlichen Polizei und schlittert immer weiter in die Ereignisse hinein, die vor 10 Jahren ihren Anfang nahmen. Die Zeit drängt, denn ein weiteres Mädchen wird vermisst und der unbekannte Entführer schreibt CI Nelson spöttische Briefe… ist es schon zu spät?

Elly Griffiths schreibt sehr flott und bildreich. Sie hat mit Dr. Ruth Galloway einen Charakter geschaffen, den man einfach mögen muss und so kam es, dass ich einfach die ganze Zeit mit Ruth mitzittern und –fiebern musste. Das Buch ist sehr spannend geschrieben, ca. ab der Hälfte mochte ich es gar nicht mehr aus der Hand legen. Zwar war ich mit meiner Vermutung, wer der Täter ist, auf der richtigen Fährte, aber oftmals lies eine erneute Wendung in der Geschichte wieder Zweifel an der Theorie aufkommen. Ruth hätte gerne aber noch ein bisschen mehr in der kalten schlammigen Erde nach alten Knochen buddeln dürfen!

Ein absolut gelungenes Buch für alle, die gerne eine Prise Archäologie mit viel Krimispannung kombiniert, lesen.




von Elly Griffiths
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: wunderlich; Auflage: 2 (18. Dezember 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 380520874X
ISBN-13: 978-3805208741

Rezension vom 09.06.2010

Mittwoch, 18. August 2010

Mission Hydra - Jeremy Robinson

Griechische Mythologie meets Delta Force

George Pierce, ein Archäologe, der sich auf die griechische Mythologie rund um Herkules spezialisiert hat, wird von der UN nach Peru gerufen um einer bedeutenden Entdeckung beizuwohnen und deren Echtheit zu bestätigen. Der Kopf der sagenumwobenen Hydra wurde unter dem Felsen, unter dem Herkules ihn für die Ewigkeit verwahrt wissen wollte, ausgegraben. Pierce bestellt seinen alten Freund King als Security Mann nach Nasca um die Hydra vor Grabräubern abzuschotten. Dieser kommt gerade rechtzeitig um den skrupellosen Überfall von militärisch ausgebildeten Söldnern auf die Grabungsstätte mitzuerleben, die den Kopf und auch seinen Freund George Pierce mitnehmen und die restlichen Mitglieder des Grabungsteams einer tödlichen Gefahr aussetzten: Eine Wissenschaftlerin wurde per Regenerierungsserum wiederbelebt und fällt nun blutrünstig über alles her, was sich bewegt. King macht sich auf die Verfolgung der Söldner in den peruanischen Dschungel und fordert Verstärkung in Form seiner Teamkollegen des streng geheimen Delta-Teams an. Was King im Urwald vorfindet erhebt seinen persönlichen Rachefeldzug zu einer Angelegenheit der nationalen, wenn nicht weltweiten Sicherheit. Wird King seinen Freund rechtzeitig aus den Klauen des skrupellosen Genetic Unternehmen, dessen Inhaber vom ewigem Leben besessen ist, retten können? Kann das Delta Team die Menschheit vor einer Katastrophe bewahren?

Jeremy Robinson schreibt rasant und so spannend, dass man sein Werk nur schwer wieder aus der Hand legen kann. Wer hier einen wissenschaftlichen Archäologen- oder Biologenroman erwartet, wird enttäuscht werden. Hier geben sich rasante und vor Blut triefende Actionszenen die Klinke in die Hand. Die Horrorelemente, die durch die zombieähnlichen Regenerierten geschaffen werden, brauchen sich vor Konkurrenz nicht zu scheuen. Sie sind wahnsinnig spannend und haben in mir das Bedürfnis geweckt schneller lesen zu wollen. Zum Einen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht und wer es am Ende schafft und zum Anderen, weil ich gerne zur Abwechslung weniger blutige Stellen lese.

Prädikat: Nicht unbedingt wertvoll, dennoch ein actionreiches Lesevergnügen, das Lust auf weitere Bücher des Schriftstellers macht!



von Jeremy Robinson
Broschiert: 480 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (15. April 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 354828177X
ISBN-13: 978-3548281773
Originaltitel: Pulse

Rezension vom 23.04.2010

Dienstag, 17. August 2010

Daemon - Daniel Suarez

Die Freiheit des Menschen

Sergeant Detectiv Pete Sebeck soll zwei mysteriöse Mordfälle an zwei Cyberstorm-Entwickler aufdecken. Dabei stößt er jedoch auf etwas unsagbar Böses. Es hat keine Seele, es hat kein Gewissen und es will die bestehende Gesellschaft aushebeln und durch eine neue ersetzen: Es ist der Daemon! Eine künstliche Intelligenz, vom toten Cyberstorm-Chef Steve Sobol entwickelt. Sobol hat alles bis aufs kleinste Detail vorbereitet und geplant, den Rest erledigt der Daemon ganz von alleine. Er hält das FBI in Atem und tötet viele Beamte, weil sie seine Warnung ignorieren und sein Anwesen stürmen. Jon Ross, ein junger IT-Consultant und Hardcore Gamer, will Sebeck helfen den Daemon zu stoppen, doch die Regierung kommt ihm selbst mit einer Special Task Force, die die junge Dr. Philips leitet, nicht bei. Und somit braucht sie einen Sündenbock: Sebeck und Ross! Ross schafft es dem FBI zu entkommen, doch Detectiv Sebeck landet in der Todeszelle.

Daniel Suarez hat mit seinem Cyber-Thriller „Daemon“ einen unsagbaren Coup gelandet! Mich interessiert und fasziniert das Thema sehr, denn unsere Leben werden heutzutage von Computern bestimmt. Wir arbeiten täglich damit und ohne ihn wären die ganzen Firmen aufgeschmissen: und genau das ist der Punkt, an dem Daniel Suarez ansetzt! Die ganzen IT-Begriffe mögen jene, die sich nicht mit der Materie auskennen wie von einem anderen Stern erscheinen, doch ist alles logisch durchdacht und vor allem: es ist möglich! Ich kann es kaum erwarten, bis der zweite Teil „Darknet“ erscheint.



von Daniel Suarez
Taschenbuch: 640 Seiten
Verlag: rororo (19. März 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499252457
ISBN-13: 978-3499252457
Originaltitel: Daemon

Rezension vom 05.04.2010

Montag, 16. August 2010

Dämonenherz - Julia Talbot

Der Mann ihrer (Alb-)Träume

Anna Sternberg ist Anfang 30, geschieden und führt mit ihrer Freundin Vicky eine erfolglose PR-Agentur. Für ihre ehemalige Erzfeindin in der Schule, Sandrine, musste sie kurzfristig ein PR-Konzept entwerfen, das Sandrine dann auch noch von ihr als Freundschaftsdienst verlangte und nicht zahlen will, obwohl sie mittlerweile steinreich ist. Als sie Vicky in einem Café von dieser Misere berichtet, tritt Carl Weller plötzlich in Annas Leben, bzw. sie stolpert in Seines: Nachdem sie Herrn Weller dazu gebracht hat, die Kamera eines dreisten Fotografen wieder zu reparieren, bietet sie ihm an eine Imagekampagne für ihn zu entwerfen. Er lässt sich zu einem Treffen überreden, wenn Anna ihm die Speicherkarte des Fotografen bringt. Sie lässt sich auf den Deal ein und besorgt die Speicherkarte der Kamera. Als sie Carl Weller in seinem Hotel treffen will, geschieht das Undenkbare: Sie landet bei dem schönen, aber kalten und unnahbaren Carl Weller im Bett. Es wird eine unvergessliche Nacht für Anna und ebenso für Weller, aber auf eine andere Art und Weise. Dass sich Anna, als sie das Jobangebot von Weller annimmt, in große Gefahr begibt, sie fast noch ihre beste Freundin Vicky und ihr Leben verliert, ahnt sie da noch nicht…

Ich bin ohne große Erwartungen an das Buch von Julia Talbot herangegangen, da Romantacy eigentlich nicht mein bevorzugtes Genre ist, aber ich wurde positiv überrascht! Die Autorin versteht es, den Leser mitzureißen und hat einige Lacher eingebaut. Es wurde überhaupt nicht langweilig mit Anna auf eine Reise in ihre Gefühlswelt zu gehen und eine einzigartige junge Frau kennenzulernen, die über ihren eigenen Schatten springen kann, wenn es darauf ankommt. Aber auch der gefühlskalte Weller taut von Seite zu Seite immer mehr auf, um dann wieder zu einem Eisblock zu erstarren. Und was hat Sandrine mit alldem zu tun? Ein lockerleichtes Lesevergnügen für regnerische Tage oder längere Zugfahrten!



von Julia Talbot
Gebundene Ausgabe: 396 Seiten
Verlag: Marion Von Schröder (2. März 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3547711657
ISBN-13: 978-3547711653
Originaltitel: Romance Mystery

Rezension vom 01.03.2010

Sonntag, 15. August 2010

In Todesangst - Linwood Barclay

Der Tag an dem meine Tochter verschwand

Das war der schwärzeste und schlimmste Tag in Tim Blakes Leben. Eigentlich wollte er mit seiner 17-jährigen Tochter Sydney die Sommerferien verbringen. Syd lebt eigentlich bei seiner geschiedenen Frau Susanne und deren neuen Freund Bob, einem Autohausbesitzer mit mehreren Filialen. Auch Bobs Sohn Evan lebt im selben Haus. Sydney hat einen Ferienjob in einem Hotel als Rezeptionistin angenommen und fährt jeden Tag mit ihrem Honda zur Arbeit. Eines Abends kommt Syd jedoch nicht nach Hause, auch die Tage darauf gibt es kein Lebenszeichen von dem Mädchen. Tim gibt sich die Schuld am Verschwinden seiner Tochter, da sie sich an jenem Morgen gestritten haben. Susanne und Tim suchen verzweifelt nach Sydney. Tim fährt zuerst zum Hotel, in dem seine Tochter behauptet hatte, einen Job zu haben. Doch hier scheint niemand Sydney zu kennen, auch in den Läden auf der anderen Straßenseite hat niemand das hübsche Mädchen gesehen. Die Polizei tappt ebenfalls im Dunkeln. Als Sydneys Honda auf einem unweit gelegenen Supermarktparkplatz gefunden wird und Blutspuren daran entdeckt werden keimt in Tim der Verdacht auf, dass Sydney in dunkle Machenschaften hineingeschlittert sein könnte. Eventuell ist sie auch noch schwanger! In was wurde Sydney wohl verwickelt, wer steckt hinter ihrem Verschwinden, oder ist sie einfach nur weggelaufen weil sie schwanger ist?

Fragen über Fragen schwirren einem beim Lesen dieses wieder einmal grandiosen Thrillers von Linwood Barclay im Kopf herum. Man will unbedingt aufklären, was es mit dem Verschwinden der hübschen Sydney Blake auf sich hat und kann das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen. Der Autor hat mit seiner spannenden und flüssigen Sprache und unvorhersehbaren Wendungen wieder einen Pageturner geschaffen, der zu fesseln weiß!



von Linwood Barclay
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: List Hardcover (1. September 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3471350179
ISBN-13: 978-3471350171
Originaltitel: Fear the Worst

Rezension vom 01.03.2010

Freitag, 13. August 2010

Caligo - Marc van Allen

Marc van Allens‘ Sicht auf bedeutende Ereignisse in der Vergangenheit

Alexandra Lessing hat ein unterirdisches Bunkersystem mit Hilfe des Archäologen Paolo Genaro im tiefsten Amazonasdschungel entdeckt. Dort hat sie ihren Vater wiedergetroffen, der sie und ihre Mutter verlassen hat als Alex noch ein Kind war. Er versucht ihr glaubhaft zu machen, dass sie in diesem Bunker einer Zeitmaschine gegenüberstehen, der den Durchbruch im Kampf gegen den Ordo Invisibilum bedeuten wird. Alexandras Debatte mit ihrem Vater wird jeh durch einen Angriff von unsichtbaren Kriegern, Deamons des Ordens, unterbrochen, die den Eingang zum Bunker sprengen und die Zeitmaschine zerstören. Alex, Paolo und Kenneth Bowder werden eingeschlossen und müssen sich ihren Weg durch die Dunkelheit bahnen. Ihre Rettung ist ungewiss und das erste Hindernis im dritten Band „Caligo“ um den Ordo Invisibilum und Alexandra Lessing, die sich mit Ismael, und weiteren abtrünnigen Unsichtbaren dem Orden und seinen Weltbeherrschungsplänen entgegenstellen. Bevor sie zum entscheidenden Schlag ausholen können, müssen „Die Anderen“ erst mal selbst herbe Verluste verkraften, die ihre Mission und ihre Visionen arg auf die Probe stellen.

Da es eine Trilogie ist, und „Caligo“ der dritte Band, habe ich mir zuvor die ersten beiden Bände „Invisiblis“ und „Venatum“ besorgt, was zweifellos kein Fehler war! Die ersten beiden Bände sind deutlich spannender als „Caligo“ und man kann Sympathien zu den Hauptakteuren Alexandra Lessing und Ismael aufbauen, mit ihnen zittern und bangen und in die Welt, die Marc van Allen zeichnet, eintauchen. Der Schreibstil des Autors ist flüssig und kurzweilig zu lesen, die Idee, die hinter den Büchern steckt interessant und regt zum Nachdenken an, man muss sich allerdings darauf einlassen wollen. „Caligo“ kann meiner Meinung nach, den beiden Vorgängerbänden in Punkto Spannung und Idee nicht das Wasser reichen, fügt sich aber nahtlos an der Stelle in die Handlung ein, wo Band zwei geendet hat. In Verbindung sind alle drei Bücher äußerst lesenswert!



von Marc van Allen
Broschiert: 496 Seiten
Verlag: Ullstein TB-Verlag (3. Dezember 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548266150
ISBN-13: 978-3548266152

Rezension vom 01.03.2010

Donnerstag, 12. August 2010

Eisiges Blut - Robert Masello

Leben und Sterben im ewigen Eis

Nach einer schrecklichen Tragödie in seinem Leben, hat sich der erfolgreiche Fotograf und Journalist Michael Wilde aus dem berufsalltag und dem täglichen Leben zurückgezogen. Er trinkt ein wenig zu viel und geht selten aus dem Haus. Bis er von seinem Redakteur aus seiner Lethargie gerissen und auf einen tollen Artikel angesetzt wird: Michael soll mitten in die Antarktis auf die Forschungsstation Point Adélie und eine Fotoreportage anfertigen. Ein tolles Angebot, dem sich selbst Micheal nicht entziehen kann und schon bald begibt er sich auf die schon fast abenteuerlich anmutende Reise ans Ende der Welt. Unterwegs trifft er den Wissenschaftler Derryl Hirsch, der auch zur Forschungsstation unterwegs ist um dort die Arktisfische zu untersuchen. Sie kommen ins Gespräch und freunden sich sogar ein wenig an. Auf der Station dürfen Derryl und Michael ein gemeinsames Zimmer beziehen, dann geht es raus in die arktische Kälte zum Polartraining, dem sich jeder, der auf der Forschungsstation arbeiten will, unterziehen muss. Eine eisige Nacht im Freien in einem Iglu, das sie selbst gebaut haben folgt. Danach geht es endlich richtig los und Michael, sowie Derryl und auch Dr. Barnes, eine Ärztin, die mit ihnen angekommen ist, können endlich mit ihrer Arbeit beginnen. Auf einem Tauchgang mit Derryl Hirsch, der nach Fischen sucht, macht Michael eine grausige Entdeckung: Eine Gestalt scheint im Eis eingeschlossen zu sein. Das Forschungsteam der Station birgt den riesigen Eisklotz und beginnt langsam mit dem Auftauen. Doch Manches sollte lieber im ewigen Eis verborgen bleiben und nie mehr das Licht dieser Welt erblicken…

Der Thriller von Robert Masello besticht durch eine wunderbar klare Sprache mit tollen wissenschaftlichen Passagen zu Beginn des Buches. Der Roman verfolgt zwei Handlungsstränge: Denjenigen in der Gegenwart um Michael Wilde auf der Forschungsstation Point Adélie und den Anderen, der das Schicksal von Sinclair und Eleanor Mitte des 19. Jahrhunderts schildert und viel über die beiden Gestalten im Eis verrät. Beide Handlungsstränge werden im letzten Drittel des Buches zusammengeführt und das Böse nimmt seinen Lauf. Das Buch ist wirklich schön und über weite Teile spannend zu lesen, der Hauch von Fantasy trifft auch absolut meinen Geschmack, allerdings wird es im letzten Drittel zu vorhersehbar und wartet mit einem völlig unrealistischen Ende auf, das meiner Meinung nach nicht hineinpasst. Wer sich daran nicht stört, erfährt viel über das Leben und Arbeiten auf einer Forschungsstation mitten im ewigen Eis und ein paar Stunden Lesevergnügen.



von Robert Masello
Broschiert: 640 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 4 (5. Oktober 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 359618519X
ISBN-13: 978-3596185191
Originaltitel: Blood and Ice

Rezension vom 20.01.2010

Mittwoch, 11. August 2010

Der Seher des Pharao - Pauline Gedge

Huy, Sohn des Hapu

Der kleine Huy wird als Sohn des Hapu, einem Bauern, in Hut-Herib geboren. Seinem Onkel Ker hat er es zu verdanken, dass er nach Iunu auf die Tempelschule gehen darf. Dafür muss er aber sein altes Leben, seine Eltern und seine Freundin Ischat hinter sich lassen. In der Schule findet er gleich zu Beginn einen treuen und ihm sehr teuren Freund: Thutmosis. Zusammen gehen sie durch dick und dünn, bis zu dem schicksalhaften Tag an dem Sennefer ein Wurfholz nach Huy wirft und ihm schwer am Kopf trifft. Danach versinkt alles in Dunkelheit und Huy kommt in einer unwirklichen Zwischenwelt wieder zu sich. Dort spricht Imhotep selbst zu ihm und stellt ihm die Frage, die sein zukünftiges Leben bestimmen soll: Willst du das Buch Toth lesen? Huys unbedachte Antwort schickt ihn zurück in die Welt der Lebenden und er erwacht im Haus der Toten in Hut-Herib, wo seine Einbalsamierung hätte vorgenommen werden sollen. Der Cheni-Cheti-Priester findet ihn und bringt ihn in sein Elternhaus, damit er wieder gesund werden kann. Aber alle haben seit diesem Ereignis Angst vor ihm, sogar sein Onkel Ker und sein eigener Vater Hapu. Es ist ihr Wille, dass eine Exorzierung vorgenommen wird. Nachdem Huy wieder zu Kräften gekommen ist wird die Exorzierung durchgeführt und, da Huy nicht von einem Dämon besessen ist, packt er seine Beutel und kehrt zurück in die Schule nach Iunu um seine Familie, die sich bis auf seine Mutter von ihm abgewendet hat, für lange Zeit nicht wieder zu sehen. Seine merkwürdige neue Gabe ist schon zu Hause das erste Mal in Erscheinung getreten, als er Thutmosis' Schwester ein schlimmes Schicksal voraus gesagt hat. Von nun an ist Huy aber der Junge, der von den Toten zurückgekehrt ist und hat einen besonderen Status in der Schule. Allerdings muss er fortan auch härter arbeiten um seine Bestimmung, der er zuerst sehr feindlich gegenüber steht, zu erfüllen.

Pauline Gedge schafft es mit ihrer Geschichte über Huy, den Bauernsohn aus Ägypten, ihre Leser in den Bann zu ziehen. Ich habe mich immer auf die Zeit gefreut, in der ich mit Huy mit fiebern und mitleiden konnte. Die Atmosphäre kommt oftmals sehr staubig herüber, hier schafft die Autorin es wunderbar die Stimmung des alten Ägypten einzufangen und herüber zubringen. Ein tolles Buch, nicht nur für Liebhaber der Alt-Ägyptischen Hochkultur!




von Pauline Gedge
Broschiert: 522 Seiten
Verlag: Piper (September 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492263305
ISBN-13: 978-3492263306
Originaltitel: The Twice Born


Rezension vom 24.10.2009

Dienstag, 10. August 2010

Die Zarentochter - Petra Durst-Benning

Das wunderbare Leben der Romanows

Olly ist die zweite Tochter des Zaren Nikolaus von Russland. Sie soll einmal mit einem mächtigen Königsanwärter in Europa verheiratet werden, so wünscht es der Zar. Und deshalb muss aus der mürrischen 14-Jährigen ein blühender Schwan werden. Somit wird ihr Anna Okulow an die Seite gestellt, die aus ihr eine tolle, wunderschöne junge Frau machen soll, die von den Herren nur so umworben wird. Olly hat dennoch gänzlich eigene Vorstellungen was das Heiraten betrifft: sie möchte eine Liebesheirat! Wenn der Mann nicht ihren Vorstellungen entspricht wird er abgewiesen.

Hals über Kopf verliebt sie sich in einen hessischen Prinzen, der allerdings keinen Anspruch auf den hessischen Thron hat, weshalb er niemals für den Zaren als Schwiegersohn in Frage käme! Sie halten ihre Liebe geheim bis zu Saschas und Cerises Hochzeit. Sascha ist der Zarewitsch, der Anwärter auf den Zarentitel und Ollys ältester Bruder und Cerise seine zukünftige Frau, und Schwester von Alexander, des hessischen Prinzen. Am Hochzeitstag von Sascha und Cerise erwischt Olly Alexander wie er eine Hofdame innigst küsst. Von dem Augenblick an hat sie ein gebrochenes Herz und will nichts mehr von ihm wissen. Das das alles eine Intrige von Sascha war, um Olly weiteren Ärger wegen Alexanders' unzureichender Herkunft mit Zar Nikolaus zu ersparen, erfährt sie natürlich nicht.

Nachdem einige Monate vergangen sind, schlägt Sascha eine Verlobung mit Stephan, Prinz von Österreich und Anwärter auf den Titel des ungarischen Palatin vor. Das diese aber eine Farce wird hätte keiner zu Träumen gewagt: sieben Jahre lang werden nun Olly und die Zarenfamilie von den Österreichern hingehalten, bis es zum Bruch zwischen den Ländern kommt. Wie Olly zu ihrem Glück kommen soll, steht in den Sternen. Doch da zeigt sich mit Karl, Prinz von Württemberg, ein Lichtblick am Horizont!

Petra Durst-Benning ist eine fabelhafte Autorin! Sie schreibt herzlich und mit viel Gefühl. Sie lässt einen mit Großfürstin Olga mitleiden, mit hoffen und vor allem mit trauern. Der Schreibstil ist nicht ganz einfach, aber man hat sich sehr schnell in die Sprache und Redensweisen des russischen Zarenhaus Romanow hinein gefunden. Ein sehr schönes Buch und ich bin gespannt auf die Fortsetzung!



von Petra Durst-Benning
Gebundene Ausgabe: 423 Seiten
Verlag: List, Paul, Verlag GmbH & Co. KG (1. September 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3471350276
ISBN-13: 978-3471350270

Rezension vom 19.09.2009

Montag, 9. August 2010

Die Fehde der Königinnen - Eva Maaser

Dies ist Wittiges' Geschichte

Der Buchtitel, sowie der Klappentext sind ein wenig irreführend, denn in Eva Maasers historischem Roman spielt der junge Landadelige Wittiges die Hauptrolle.

Als dieser im Jahr 566 n. Ch. an den spanischen Königshof in Toledo kommt, verliebt er sich Hals über Kopf in die wunderschöne Prinzessin Brunihild. Diese tritt jedoch schon bald die weite Reise ins Frankenland zu ihrem zukünftigen Gemahl, König Sigibert, an. Um an ihrer Seite sein zu können, schließt Wtittiges sich dem königlichen Gefolge Brunihilds an, auch wenn er sich von nun an mit seinen neuen Feinden Falco und Ingomer auseinandersetzen muss, die beide fränkische Krieger sind. Die wilde Affäre von Brunihild und Wittiges ist auch an er jungen Prinzessin nicht spurlos vorüber gegangen, doch sie weiß, dass er eine große Gefahr für sie und ihre zukünftige Rolle als fränkische Königin darstellt. Sie versucht sich seiner zu entledigen, indem sie ihn als Boten zurück nach Toledo schickt. Doch Wittiges denkt gar nicht daran dort zu bleiben und kommt zurück, gerade rechtzeitig um Brunihild vor einer Entführung zu retten. Nach der Hochzeit mit König Sigibert rettet er auch den König, was ihm hohes Ansehen bei ihm und eine Stellung in seiner Leibgarde einbringt, sowie ein Stück Land. Dieses erweist sich jedoch als heruntergekommen und viel Arbeit muss investiert werden. Doch Wittiges ist nicht alleine! Er hat treue Freunde gefunden, die ihm immer und überall zur Seite stehen.

Eva Maaser schreibt wundervoll! Die Geschichte ist interessant, spannend und es gibt keine einzige zähe Passage. Immer möchte man als Leser erfahren, wie es mit Wittiges und seinen Treuen weitergeht! Dieser historische Roman ist vor Allem in einer Zeit angesiedelt, die viele Geheimnisse birgt und über die nicht sonderlich viel überliefert ist. In diesen rauen Zeiten kämpfen Brunihild und Wittiges für ihr Leben und ihr Recht. Die barbarischen Sitten, die damals vorherrschten sind für uns heute einfach nur unverständlich und grauenvoll. Mit welchem Mitteln und Geschicken Frauen damals ihren Einfluss geltend machen mussten ist erstaunlich! Ein sehr gelungener historischer Roman der auf Weitere hoffen lässt!



von Eva Maaser
Broschiert: 477 Seiten
Verlag: Piper (Juni 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 349225344X
ISBN-13: 978-3492253444

Rezension vom 06.09.2009

Sonntag, 8. August 2010

Blut & Barolo - Carsten Sebastian Henn

Giacomo – Der Feinschmecker unter den Hunden


Eines schönen, aber kalten Wintertages fahren Isabella und ihre drei Hunde Giacomo, Niccolo und Canini zu einem alten Palazzo, weil es dort angeblich Wolfsichtungen gegeben haben soll. Giacomo entdeckt dort in einem Baum das kurz zuvor von unbekannten aus Turin gestohlene Leichentuch Christi weil es stark nach Trüffeln duftet. Giacomo ist ein Lagotto und das sind Trüffelhunde. Als er es zu Isabella bringt ruft diese natürlich sofort die Polizei. Diese glaubt allerdings, dass Isabella das Tuch gestohlen hat und nimmt sie fest. Giacomo flüchtet mit dem Tuch im Maul in den Schnee hinaus und vergräbt es im gefrorenen Boden. Durch einen Unvorsichtigkeit gerät er in eine Falle und kommt so nach Turin. Niccolo und Canini werden von Isabellas Chef Mario abgeholt und zu sich nach Hause in seine Turiner Wohnung gebracht. Um Isabella befreien zu können brauchen die Hunde aber das Grabtuch und sie müssen auch noch einen Mord an einem Geistlichen aufklären! Giacomo folgt seiner feinen Nase und kommt dem Conte Rosso auf die Spur, dem mächtigsten Hund Turins. Niccolo flüchtet aus Marios Wohnung weil er Isabella retten will. Doch dazu braucht auch er das Turiner Grabtuch. Ebenso hinter dem Tuch her sind der Pharaonenhund Amadeus und sein Schlägertrupp unter der Führung der Bulldogge Tommaso. Amadeus gibt sich die Schuld daran, dass das Tuch geraubt wurde, denn er ist der neue Wächter gewesen. Giacomo und Niccolo müssen sich ziemlich ins Zeug legen um an ihr Ziel zu gelangen!

Carsten Sebastian Henn beschreibt den Hund Giacomo als alten Feinschmecker, der die ganze Zeit nur an leckere Schinken und Barolo denkt. Aber seine feine Spürnase hilft ihm natürlich den Fall aufzuklären. Die Sprache ist sehr schön und nicht zu einfach gehalten, allerdings hätte ich mir manchmal etwas mehr Spannung und viel weniger ausschweifende Beschreibungen gewünscht. Das einzige was ich immer bekam war Hunger! Wer ein Hundeliebhaber ist, der wird dieses Buch sehr mögen, auch wenn ich ihm jetzt nicht so viel abgewinnen konnte!



von Carsten Sebastian Henn
Broschiert: 352 Seiten
Verlag: List Hardcover (1. August 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3471300031
ISBN-13: 978-3471300039

Rezension vom 20.08.2009

Samstag, 7. August 2010

Stadt, Land -- Schluss - Judith O'Reilly

All zeit überforderte, alte Mutter

Judith, 42, lebt in London und ist eine echte Londonerin. Sie liebt ihr Londoner Leben und ihre Familie. Deshalb will sie auch ihrem Mann einen Herzenswunsch erfüllen und lässt sich dazu bewegen von der Großstadt in die tiefste Provinz nach Northumberland zu ziehen. Als sie sich breitschlagen lies, war sie schwanger!

Bald schon saß sie auf dem Land fest, denn ihr Mann musste natürlich beruflich immer mal für drei Wochen nach London um zu arbeiten. Judith war somit fast immer allein mit drei kleinen Kindern, nachdem die Kleine auf der Welt war. Der Älteste Sohn ging zwar schon zur Schule, aber die anderen Beiden hielten sie immer auf Trab. Judith war immer fix und fertig und total überfordert mit den Kindern, vor allem als dann noch die Umbaumaßnahmen am Cottage begannen und sie in eine Mietwohnung umziehen musste. Nein, glücklich war sie am Anfang nie! Freundinnen hatte sie auch keine und der Große wurde in der Schule auch noch gemobbt. Judith nahm sich zudem noch die Freiheit darüber zu bloggen und schon wurde sie von allen gemieden.

Judith O'Reilly erzählt in witziger Wortwahl schöne und auch unschöne Episoden aus ihrem Landleben. Oftmals kann man sich als Frau gut in sie hinein versetzen, aber oftmals muss man sich auch gegen den Kopf langen und sich fragen, wie man nur so doof sein kann, das alles über sich ergehen zu lassen, wenn man doch offensichtlich so unglücklich und überfordert ist! Aber das war vielleicht der springende Punkt: Judith war so überfordert, dass sie sich gar nicht mehr wehren konnte und ich habe ihr die ganze Zeit nur gewünscht, dass sie endlich wieder nach London umziehen mögen! Ihren Mann hab ich verflucht und gehasst, so ein egoistisches Exemplar! Wahrscheinlich verdienen sie beide es nicht anders!
 


von Judith O'Reilly
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 4 (5. August 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596178770
ISBN-13: 978-3596178773
Originaltitel: Wife in the North

Rezension vom 03.08.2009

Freitag, 6. August 2010

Das Geld war schmutzig - Richard Stark

„Fesseln Sie ihn. Wir müssen das hier zu Ende bringen.“

Parker heißt einfach nur Parker und hat vor ein paar Tagen einen genialen Coup gelandet: Zu dritt haben sie einen Geldtransporter ausgeraubt. Dann allerdings mussten sie in einer Kirche unter kriechen um sich vor der Polizei zu verstecken. Um sich ungesehen davonzustehlen, waren sie allerdings gezwungen das Geld dort lassen. Ca. 2 Millionen Dollar in Scheinen, die in Kartons in der Kirche darauf warten, abgeholt zu werden. Doch das Geld ist nicht sauber! Die Nummern auf den Scheinen sind registriert und Nick wurde deshalb geschnappt. Auf Nick können sie nicht jetzt mehr bauen, der ist zwar der Polizei wieder entwischt, jedoch seit einer Woche untergetaucht.

Jetzt ist es an Parker und Nels, das Geld irgendwie aus der Kirche zu bekommen, ohne der Polizei oder den Rangern ins Netz zu gehen, die überall im Fahndungsgebiet Straßensperren aufbauen. Mit der Privatdetektivin Sandra in Geldnöten und auch ein bisschen Hilfe von diversen finsteren Gestalten könnte es klappen...

Richard Stark aka Donald E. Westlake stellt mit Parker einen skrupellosen Gangster in den Mittelpunkt seines Romans. Eigentlich will man Parker nicht mögen, denn er räumt alles und jeden aus dem Weg, der ihn irgendwie an seinem Vorhaben das schmutzige Geld zu holen hindern will. Oder etwas von dem schönen Kuchen ab haben will. Es gibt immer einen Grund jemanden aus dem Weg zu räumen. Aber irgendwie muss man Parker mögen und Claire, seine Freundin, die eigentlich in alles eingeweiht ist, aber von Parker nicht hineingezogen wird in seine Machenschaften.

Eine spannende Gangstergeschichte um einige Kartons Geld und einige große Steine, die Parker und seinem Team in den Weg gelegt werden!
 


von Richard Stark
Broschiert: 253 Seiten
Verlag: Zsolnay (27. Juli 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3552054790
ISBN-13: 978-3552054790

Rezension vom 15.07.2009