Sonntag, 5. Dezember 2010

Der Ruf der Schlange - Andreas Gößling

Schlangenmagie und Dampfmobile

Als der königliche Mysto-Agent Samu A. Rabov von seinem Geheimquartier aus aufbricht, um einen Wanderzirkus an der Stadtgrenze von Phora in Augenschein zu nehmen, ahnt er noch nicht, in welch düsteren, magischen Kriminalfall ihn dieser Gang katapultieren wird. Dort angekommen, findet er einen sehr mächtigen Magier vor, der gerade dabei ist, einen Jungen seiner Schlangengottheit zu opfern. Schnell entreißt Samu mithilfe seiner magischen Sichel den Jungen dem Maul der Riesenschlange und flieht mit ihm zusammen in einen geheimen Schutzraum. Schon bald wird er zu einem merkwürdigen Mordfall gerufen, bei dem eine junge Archäologin in einen Baum verwandelt wurde. Samu und sein neuer Assistent Port, dem er nicht über den Weg trauen kann, ermitteln in dieser überaus mysteriösen Sache und kommen bald einem uralten Schlangen- und Vernichtungszauber auf die Spur, der die Stadt Phora und das Reich Dunibien in den Untergang zu reißen droht!

Der neue Fantasy Roman von Andreas Gößling ist Steampunk pur und spielt in einer neuen Fantasy Welt, die vor ca. 1000 Jahren von einer großen Flut heimgesucht wurde, bei der alle technischen Errungenschaften zerstört wurden. Jetzt sind allerdings die Dampfmaschinen wieder auf dem Vormarsch: dampfbetriebene Melodophone und Dampfmobile prägen das Stadtbild von Phora. Viele Dunibier fürchten jedoch erneut den Zorn Linglus, ihres Gottes, und eine neue große Flut. Deshalb erfreuen sich auch die alten Schlangenkulte wieder zunehmender Beliebtheit. In dieser Szenerie ermittelt der königliche Ermittler Samu Rabov und kommt einer ganz furchtbaren alten Magie auf die Spur, von der zunächst keiner seiner Vorgesetzten etwas wissen will!

Magie ist in dieser Welt eigentlich verpönt und Magier sind die Außenseiter der Gesellschaft. Auch Samu beherrsch ein ein wenig Magie, gerade so viel, wie es für seinen Agenten-Job von Nöten ist. Mir gefällt die Darstellung der Magie in diesem Buch sehr gut: Sie ist unterteilt in ein Dunkeldu und ein Lichtich. Das Lichtich und das Dunkeldu müssen in Balance im Geist des Magiers bleiben, doch wenn er zu häufig Magie anwendet, wird sein Dunkeldu gestärkt, was zu völliger geistiger Umnachtung führen kann. Im Laufe der Geschichte wendet Samu immer häufiger Magie an, obwohl er genau weiß, wie gefährlich das für ihn ist. Meines Erachtens tut er das, um seinem verlogenen Assistenten und sich etwas zu beweisen, also aus falschem Stolz.

Der Autor wirft den Leser gleich mitten in die Geschichte, es tauchen sofort viele Namen und Figuren auf. Erst mit der Zeit lernt man den Agenten Samu näher kennen, kann eine Beziehung zu ihm aufbauen. Bis zum Ende des Buches ist er mir sogar sehr ans Herz gewachsen! Alles und jeder scheint gegen ihn zu arbeiten, dabei will Samu doch einfach nur die Wahrheit aufdecken und das Land vor dem Untergang bewahren. Auch die weiteren Personen sind detailliert ausgearbeitet, auch wenn sie die ganze Zeit über rätselhaft bleiben.

Mit der Zeit steigert sich der Spannungsbogen langsam und Samu wird von einer verzwickten Situation zur Nächsten gejagt. An einer Stelle war ich ein wenig enttäuscht: Eine sehr spannende und gefährliche Situation wird nur angedeutet und man erfährt erst später aus Samus Erzählungen, was wirklich passiert ist. Das hätte eine der spannendsten Stellen des Buches sein können! Schade!

Die Umschlaggestaltung des, im Verlag Klett-Cotta erschienen Hardcovers, ist super gelungen! Eine fies aussehende Schlange ringelt sich aus einer alten Schrift fauchend und zischend mit aufgerissenem Maul dem Leser entgegen. Auf schwarzem Hintergrund sticht der Buchtitel durch rot leuchtende Schrift stark hervor. Ein wahrer Augenschmaus! 

Mein Fazit: Ein spannender Kriminalroman im Fantasy Gewand mit vielen Steampunk Elementen, die das Herz eines jeden Liebhaber diesen Genres höher schlagen lassen.



von Andreas Gößling
Gebundene Ausgabe: 526 Seiten
Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 1., Aufl. (August 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3608938753
ISBN-13: 978-3608938753

Rezension vom 05.12.2010

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen