Sonntag, 3. Oktober 2010

Der Minnesänger - Tim Pieper

Wie Hartmann zur Minne kam…

…das ist eine ganz besondere Geschichte, denn Hartmann wurde nur als zweiter Sohn eines unfreien Lehensnehmers im Dörfchen Aue bei Freiburg geboren. Einer mutigen Tat seines Vaters Dankwart hat er es zu verdanken, dass er im Alter von sechs Jahren im Kloster Sankt Georgen im Schwarzwald in die äußere Schule aufgenommen wird. Hier lernt er neben Lesen und Schreiben auch Römisches Recht und Französisch, aber er entdeckt auch seine Liebe zur Musik. Ein wunderschönes Mädchen aus seinem Dorf ist der Auslöser, weshalb Hartmann beginnt Lieder zu dichten und fleißig Harfe zu üben. Allerdings muss er feststellen, dass sein Mädchen, nachdem er die Klosterschule abgeschlossen hat, schon mit einem Anderen verheiratet wurde. Traurig zieht Hartmann an den Hof von Herzog Berthold den IV. um ihm als Schreiber und Berater zu dienen. Das Leben bei Hof hält Einiges für den jungen Hartmann von Aue bereit, doch er kann seine Judith einfach nicht vergessen…

Ein grandioses Erstlingswerk hat der Autor Tim Pieper mit seinem historischen Roman „Der Minnesänger“ vorgelegt. Anders kann ich es gar nicht ausdrücken, denn ich bin immer noch im Bann dieser bildgewaltigen Geschichte um den stolzen und starken Hartmann von Aue, der durch seine Taten glänzt und es somit zu Rang und Namen bringt. Im Laufe der Geschichte entwickelt sich Hartmann von einem naiven Knaben zu einem mutigen Mann, der ein Schwert zu führen weiß, aber ebenso anmutig die Harfe spielt. Er ist ein begnadeter Dichter und Sänger und weiß die Adeligen in seinen Bann zu ziehen. Dieser besonderen Gabe misst er lange Zeit keiner großen Bedeutung bei, bis es darum geht sich seine Ehre zurückzuerobern, nachdem er bei Berthold dem V. und Kaiser Barbarossa in Ungnade gefallen ist.

Die Handlung selber spielt im Hochmittelalter, im 12. Jahrhundert, Großteils im Dörfchen Aue vor den Toren Freiburgs, im Kloster Sankt Georgen, sowie am herzoglichen Hof in Freiburg. Alle Schauplätze sind wunderbar detailliert ausgearbeitet und beschrieben, so dass einem sofort das passende Bild vor dem geistigen Auge erscheint. Auch die Personen sind liebevoll gestaltet und mit Eigenschaften und Fähigkeiten ausgestattet, die sie klar voneinander unterscheiden.

Der Erzählstil des Autors ist so bildlich und flüssig, aber dabei keinesfalls einfach, sondern eher anspruchsvoll. Dennoch, oder gerade deswegen, lässt sich die ganze Geschichte in einem Rutsch durchlesen. Es wird gekonnt ein Spannungsbogen aufgebaut, der immer wieder seinem Höhepunkt entgegengetrieben wird, dann abfällt, um wieder rasant anzusteigen. Das Buch ist zur keiner Zeit langweilig oder langatmig, sondern berichtet uns viele Begebenheiten eines dunklen Zeitalters unserer Geschichte in schillernden Farben, anhand der wunderbaren Persönlichkeit Hartmann von Aues.

Das Cover zeigt, passend zum Genre, das historische Gemälde „The Lute Player“ von Giovanni di Busi Cariani über dem der Buchtitel prangt. Von der Covergestaltung her hätte ich das Buch niemals in die Hand genommen, denn dafür hätte es mir auffallen müssen. Das klappt mit diesem Cover leider nicht. Somit bleibt bestimmt vielen Menschen dieser rasant erzählte, gute historische Roman verborgen, was unglaublich schade wäre.

Mein Fazit lautet somit: Unglaublich lesenswert!!!




von Tim Pieper
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (4. Januar 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453470990
ISBN-13: 978-3453470996

Rezension vom 01.10.2010

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