Montag, 23. August 2010

Das Einstein-Mädchen - Philip Sington

Der Psychiater und die Patientin

Im Berlin der 30er-Jahre wird eine junge Frau halb erfroren und mit Prellungen und Schürfwunden im Wald gefunden. Durch falsche Behandlung fällt sie ins Koma und als sie wieder erwacht, kann sie sich nicht erinnern, wer sie ist. Der Psychiater Dr. Martin Kirsch nimmt sich dem Fall an und versucht mit der jungen Frau, von der Presse „Das Einstein-Mädchen“ getauft, herauszufinden, wer sie ist, ob sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist und was sie nach Berlin verschlagen hat. Es scheint eine Verbindung zum berühmten Professor Albert Einstein zu geben. Nach einigen Recherchen reist er nach Zürich um Professor Einsteins erste Frau Mileva nach dem Einstein-Mädchen zu fragen. Dort stößt er jedoch auf taube Ohren und findet anderweitig Informationen, die ihm weiterhelfen könnten. Dr. Kirsch schleppt allerdings selber ein dunkles Geheimnis mit sich herum, dass ihm zum Verhängnis zu werden droht.

Mit „Das Einstein-Mädchen“ hat Philip Sington einen Roman geschaffen, der ein wenig Kriminalroman, Wissenschaftsroman und Psychiatrieroman in Einem ist. Diese Mischung macht das Buch so interessant, facettenreich und einzigartig. Obwohl es weder großartig actionreich noch superspannend ist, möchte man es trotzdem nicht aus der Hand legen. Der Leser wird gefesselt von der Geschichte des Einstein-Mädchens und der des Psychiaters Dr. Martin Kirsch. Man möchte die Wahrheit herausfinden, die Hintergrundinformationen enttarnen und stürzt deshalb atemlos von Seite zu Seite um zum Schluss ein wenig irritiert und sehr überrascht zurückzubleiben.

Ein großes Thema des Buchs ist tatsächlich Albert Einstein und dessen Theorie der Quantenmechanik. Jeder, der in der Schule in Physik ein bisschen aufgepasst hat, wird mit den Passagen, in denen es um die Relativitätstheorien geht, keine Schwierigkeiten haben.

Es finden sich zwischendurch immer wieder Kapitel, in denen eine weibliche Briefeschreiberin ihre Geschichte erzählt. Sie sind in unterschiedlichen Abständen eingestreut und lassen beim aufmerksamen Leser bald einen Verdacht aufkeimen, der allerdings lange warten muss, bis er aufgeklärt wird. Diese Passagen sind sehr spannend zu lesen und lockern die Geschichte auf.

Die Hauptfiguren Dr. Kirsch und das Einstein-Mädchen sind gut beschrieben und sympathisch, wobei sie zu Beginn noch sehr blass ist, denn sie erinnert sich ja an nichts aus ihrem Leben. Das Buchcover ist schön gestaltet und in schwarz-weiß gehalten, wobei eine grüne Augenpupille und ein blassrosa Mund Aufmerksamkeit erregen.

Das Buch ist sehr ansprechend geschrieben und gut zu lesen. Jeder, der Interesse an der Geschichte des Einstein-Mädchens hat, sollte es unbedingt zur Hand nehmen!



von Philip Sington
Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Juli 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423247835
ISBN-13: 978-3423247832
Originaltitel: The Einstein Girl (Harvill Secker, London 2009)

Rezension vom 09.07.2010

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