Dienstag, 31. August 2010

Böser Engel - Timothy Carter

Dämonisch gut

Stuart ist ein etwas eigenartiger Teenager. Er ist gerne alleine und hat ein besonderes Hobby: Dämonen beschwören. Dass er schwul ist, ist in der religiösen Kleinstadt Ice Lake zwar ohne große Probleme aufgenommen worden, dennoch ist Stu ein Kuriosum. Außerdem tut er gerne das, was die meisten Teenager gerne nachts unter der Decke oder unter der Dusche tun. Doch als sein kleiner Bruder Josh in dabei erwischt, ahnt Stuart noch nicht, was für eine Lawine er losgetreten hat. Die Bewohner von Ice Lake beginnen sich in einen bösartigen Mob zu verwandeln, der alle Lynchen will, der sich der Sünde Onans schuldig gemacht haben soll. Stuart flüchtet sich mit seinem Freund Chester zu Reverent Reedy, doch auch dort sind sie nicht lange sicher. Als er wieder mal den Dämon Fon Pyre beschwört und erfährt, dass ein gefallener Engel die Kleinstadt heimsucht, der für das ganze Übel verantwortlich ist, beschliesst er, dem Treiben ein Ende zu setzen.

Timothy Carter hat schon mit "Dämonenhunger" das Fantasygenre sehr humorvoll von hinten aufgerollt. Mit dem Roman "Böser Engel" ist ihm ein weiterer Geniestreich gelungen, das Buch ist nochmal um einiges besser, als sein Vorgänger. Selten findet man das Thema Homosexualität überhaupt in der Fantasyliteratur und dann noch so locker und humoristisch aufgemacht, wirkt es einfach urkomisch! Ein Lacher folgt dem Nächsten, die Sprüche sind zum Teil so gut gelungen, dass ich sie laut vorgelesen habe. Die Ideen, die der Autor zu seiner Geschichte verwebt, reichen von fiesen Dämonen, die nach Badreiniger "duften" bis hin zur gut verpackten Kritik an den streng religiösen Gemeinschaften, die glauben, die Bibel wäre unfehlbar und man müsse alles für bare Münze nehmen, was darin steht.

Stuart ist eine wunderbare Hauptfigur, die einfach eine etwas andere Sichtweise der Welt hat. Man muss ihn einfach mögen, so liebvoll ausgestaltet wie er ist. Auch der Dämon Fon Pyre ist toll gelungen und die Wortgefechte, die sich die beiden liefern sind spitze!

Der Schreibstil ist sehr einfach und flüssig zu lesen. Hier darf man keine literarischen Höchstleistungen erwarten, dafür lesen sich die Seiten wie im Flug und die Geschichte ist so witzig und grotesk, dass der Stil einfach passend ist. Das Buchcover ist sehr schön geworden. Der Titel nimmt die meiste Fläche des Covers ein und ist in hellen Lettern auf mattschwarzem Hintergrund gedruckt. Dazu ist ein Bild von einem Engel mit schwarzen Flügeln zu sehen. Die Schrift ist relativ groß, die 29 Kapitel sind kurz gehalten. Jedes neue Kapitel wird mit einer leeren Seite eingeleitet, auf der nur die Kapitelnummer zu lesen ist, hinterlegt mit zwei Engelsflügeln.

Alle, die Lust auf einen witzigen und humorvollen, aber vorallem auf einen Fantasyroman der anderen Sorte haben, sollten unbedingt zu "Böser Engel" greifen.



von Timothy Carter
Broschiert: 271 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur (1. Juni 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 342650698X
ISBN-13: 978-3426506981
Originaltitel: Evil

Rezension vom 30.08.2010

Ich bedanke mich bei   für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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