Sonntag, 25. Juli 2010

Der Schuh auf dem Dach - Vincent Delecroix

Eine philosophische Lektüre

Auch ich war in der Annahme, dass es sich immer um ein und denselben Schuh handeln würde, aber von dieser Idee muss man sich schnell verabschieden. Das Buch ist eine Sammlung von Kurzgeschichten in deren Verlauf immer wieder ein Schuh, irgendwie, auf dem Dach eines grauen Pariser Wohnblocks landet.

Die Kurzgeschichten von Vincent Delecroix sind zum Teil sehr philosophisch, was nicht jedem Leser zusagen mag. Manche Geschichten fand ich auch sehr langatmig, z.B. „Lied der Sehnsucht“,“Das ästhetische Element“ oder gleich die allererste Kurzgeschichte „Kindermund tut Wahrheit kund“. Eine Geschichte habe ich zuerst gar nicht verstanden (Das tragische Element), aber im Laufe des weiteren Lesens wird auch dem unverständigen Leser klar, dass es sich um eine Neuinterpretation des Philoktet von Sophokles handelt. Es gab auch Geschichten, die mir sehr gut gefallen haben wie z.B. „Das Märchensyndrom“ mit dem tragischen Ausgang, „Der sture Hund“ wo man zuerst dachte, hier erzählt eine Frau und nicht ein Hund, oder „Erste Hilfe“ mit der alten Dame, die die Feuerwehr schier zur Verzweiflung treibt und dadurch einen sehr guten Freund findet.

Der Schreibstil von Delecroix ist allerdings in allen Geschichten flüssig und sehr gut lesbar, jedoch regt das Buch zum Nachdenken an und ist keine spannende Lektüre für Zwischendurch. Die Franzosen müssen schon einen seltsamen Geschmack haben, oder sie sind allesamt philosophisch veranlagt, da es das Buch in die französischen Bestsellerlisten geschafft hat.
 


von Vincent Delecroix
Gebundene Ausgabe: 217 Seiten
Verlag: Ullstein Hardcover (1. April 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3550087713
ISBN-13: 978-3550087714
Originaltitel: La chaussure sur le toit

Rezension vom 14.04.2009

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